Stark verteidigt Anleihenkauf der EZB
EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark hat den Kauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) im Zuge der jüngsten Zuspitzung der Krise verteidigt. Es habe keinen politischen Einfluss gegeben.
EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark hat den Kauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) im Zuge der jüngsten Zuspitzung der Krise verteidigt. Es habe keinen politischen Einfluss gegeben.
Der Kauf von Staatsanleihen sei "kein Tabubruch", sagte der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) am Mittwoch im Deutschlandfunk. Der Ankauf von Staatsanleihen sei nur dann ein Risiko, wenn die Liquidität nicht wieder eingesammelt werde. Genau dies werde die EZB aber tun, versicherte Stark. Stark verwies darauf, dass die EZB bereits am Dienstag dem Geldmarkt rund 320 Milliarden Euro entzogen habe. Er sehe für überschaubare Zeit keine Inflationsgefahr.
Stark wies auch Vermutungen zurück, die Politik hätte die Notenbank zum Kauf von Staatsanleihen gedrängt. Es habe keinen politischen Einfluss gegeben. Die EZB nehme ihre Aufgabe sehr ernst. Die Weltwirtschaft befinde sich weiterhin in der Krise. Am Montag hatte die EZB erstmals in ihrer Geschichte Staatsanleihen gekauft (EURACTIV.de vom 10. Mai 2010). Um die Staatsschulden zu decken, druckt die EZB Geld, mit dem sie die Anleihen bezahlt. "Das ist langfristig der Einstieg in eine höhere Inflation", sagte Bankenprofessor Wolfgang Gerke.
Trichet weist Kritik zurück
Das Rettungspaket von EU und IWF wird die Stabilität des Euro auch nach Ansicht des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet nicht gefährden. "All das Geld, all die Liquidität, die wir dadurch in die Märkte hineinbringen, die ziehen wir auch wieder ab, so dass sich da die im Umlauf befindliche Geldmenge nicht ändert", sagte er am Dienstag im ZDF-"heute journal". "Wir werden flexibel reagieren, auf das was nötig ist, um in dieser Krise Stabilität zu sichern."
Es sei nicht darum gegangen, die Aktienmärkte zu beeinflussen, sondern darum, die normale Funktion der Währungspolitik sicherzustellen, sagte Trichet. Am Freitag sei ein neues Phänomen eingetreten, das globale Implikationen hatte. "Man konnte deutlich feststellen, dass es in einer Reihe von Märkten zu Störungen kam. Das war für uns ein schwerwiegendes Phänomen, weil dadurch natürlich unsere Währungspolitik in Frage gestellt wurde, von der wir gesagt hatten, sie wird nicht geändert und dadurch wurde auch ein globales Risiko deutlich."
dpa/awr
Links / Dokumente
EZB: ECB decides on measures to address severe tensions in financial markets. Pressemitteilung (10. Mai 2010).
Rat: The European Stabilization Mechanism. Pressemitteilung (10. Mai 2010).
Rat: Außerordentliche Tagung des ECOFIN – Wichtigste Ergebnisse (10. Mai 2010)