Spionageskandal: Russland droht Rumänien

Konstantin Kosachew, Vorsitzender des außenpolitischen Ausschusses in der Duma, der Unteren Kammer des russischen Parlaments, warnte Rumänien, dass ein ausartender Spionageskandal politische und wirtschaftliche Auswirkungen haben könnte, wie die Bukarester Presse gestern (19. August) schrieb.

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Konstantin Kosachew, Vorsitzender des außenpolitischen Ausschusses in der Duma, der Unteren Kammer des russischen Parlaments, warnte Rumänien, dass ein ausartender Spionageskandal politische und wirtschaftliche Auswirkungen haben könnte, wie die Bukarester Presse gestern (19. August) schrieb.

Am Montag (16. August) sagte laut der russischen Presse der russische Bundessicherheitsdienst, er habe den rumänischen Diplomaten Gabriel Grecu verhaftet, nachdem er in flagranti beim Versuch erwischt wurde, militärische Geheimnisse von einem russischen Kontraagenten zu erhalten.

Sollten die russischen Argumente sich bestätigen und sich die Argumente der rumänischen Seite als falsch erweisen, so Kosachew laut der rumänischen Webseite HotNews, könnte dies eine Verschlechterung der bilateralen Beziehungen nicht nur in der Politik sondern auch der Wirtschaft verursachen.

Bukarest reagierte am folgenden Tag, indem es einen russischen Diplomaten dazu aufforderte, binnen 48 Stunden das Land zu verlassen.

Doch das Spiel der Vergeltungsschläge ging noch weiter, als Moskau damit drohte, auf den Landesverweis zu reagieren.

Sie behielten es sich vor, darauf zu reagieren, hieß es in einer Stellungnahme des Außenministeriums, die jedoch keine Details erwähnte.

Feind NATO

Kosachew sagte, der rumänische Diplomat, der in Moskau in flagranti erwischt wurde, wollte sich geheime Informationen aneignen, um sie an die NATO und nicht etwa an Rumänien weiterzureichen

Rumänien und Russland hätten genügend ungelöste Probleme, was größerer Delikatesse bedürfe. Die Tatsache, dass Rumänien nun im Interesse anderer Parteien arbeite, die mit seinen eigenen nichts zu tun hätten, erscheine ihm erstaunlich, beleidigend und den Beziehungen zwischen den Ländern sehr nachteilig, so Kosachew.

Bislang habe Rumänien sich in geopolitischen Spielchen zurückgehalten, da das Land laut Kosachew spezielle Interessen nur in Moldawien habe.

Es sei schwierig sich vorzustellen, dass Rumänien spezielle Interessen in Russland habe, geschweige denn in Geheimoperationen.

Auch hätte Rumänien den russischen Diplomaten nicht ausweisen sollen, ohne ihm ähnliche Vorwürfe entgegen zu halten, so Kosachew. Ohne Anklage sei eine solche Ausweisung entgegen den guten Manieren der Diplomatie und die russische Reaktion werde harsch sein.

Agenturen erinnern sich an die verärgerte Reaktion Moskaus, als der rumänische Präsident, Traian Besescu, im vergangenen Februar ankündigte, sein Land habe eine Einladung des US-Präsidenten Obama angenommen, ein Raketenabwehrschild auf rumänischem Boden zu stationieren (EURACTIV 05.02.10).

Moldawien, ein Interessenskonflikt?

Die AFP schreibt, dass die starke Unterstützung Rumäniens für die neue westlich orientierte Regierung des ehemaligen sowjetischen Staates Moldawien in Russland Angst verursacht habe, Bukarest könne versuchen, den russischen Einfluss im Land zu beenden.

In der Zwischenzeit zitierte die russische Tageszeitung „Rossiyskaya Gazeta“ ungenannte offizielle Quellen mit der Aussage, der rumänische Diplomat Gabriel Grecu habe versucht, geheime Pläne zur Positionierung der russischen Kräfte in Transnistrien zu erhalten.

Transnistrien, eine moldawische Region östlich des Dnjestr-Flusses, wird seit dem Zerfall der UdSSR als ein Gebiet des „eingefrorenen Konflikts“ betrachtet. Sie hat eine vorwiegend russisch- und ukrainischstämmige Bevölkerung. Obwohl sie international als Teil Moldawiens gilt, üben dessen Behörden dort keine Macht aus (EURACTIV 19.04.10).