„Spektakuläre“ Neugestaltung des Brüsseler EU-Viertel geplant [DE]

Die Europäische Kommission möchte der Gegend ein „symbolischeres“ und „menschlicheres” Flair verleihen, sagte der stellvertretende Kommissionspräsident Siim Kallas gestern (5. März 2009) bei der Vorstellung des Gewinners der Ausschreibung.

building.jpg
building.jpg

Die Europäische Kommission möchte der Gegend ein „symbolischeres“ und „menschlicheres” Flair verleihen, sagte der stellvertretende Kommissionspräsident Siim Kallas gestern (5. März 2009) bei der Vorstellung des Gewinners der Ausschreibung.

Der ausgewählte Entwurf des internationalen Teams um den französischen Architekten Christian de Portzamparc sieht eine „symbolische Umgebung für die EU-Institutionen“  vor, sagte Kallas. Er gebe dem europäischen Projekt Körper und Seele und stelle der Kommission dringend benötigten Platz für neue Büros bereit.

Rue de la Loi Schwerpunkt der neuen Entwicklungen

Die Errichtung von neuen Büros, öffentlichen Räumen, Geschäften und möglicherweise auch einer Kinderkrippe für den Nachwuchs der  EU-Angestellten wird an der Rue de la Loi stattfinden. Diese verbindet den Kreisverkehr am Schuman-Platz, an dem auch das Kommissions-Hauptquartier, das Berlaymont  liegt, mit der inneren Ringstraße der belgischen Hauptstadt

Die Idee sei, einzelne Abteilungen in größere, effizientere Gebäude umzusiedeln, um so eine gute Mischung von Büros, Geschäften und Wohnungen zu erreichen. Das wichtigste Ziel sei jedoch, die Auswirkungen auf die Umwelt zu reduzieren, indem man gute Anbindungen an den öffentlichen Personennahverkehr schaffe und zur Verschönerung der Rue de la Loi und ihrer Umgebung beitrage.

Die Kommission und die Regierung der Hauptstadtregion Brüssel planen 400.000m² auf beiden Seiten der Rue de la Loi in die Bauarbeiten einzubeziehen. Die Büros der Kommission sollen dann auf 230.000m² davon verlegt werden. Momentan befinden sich allerdings erst 170.000m² im Besitz der Kommission.

Die Vision De Portzamparcs, die er gestern präsentierte, umfasst eine Reihe von neuen Hochhäusern mit Glasfassade in der Nähe des Charlemagne-Gebäudes als neues Zentrum und entlang der Rue de la Loi.

Der Ministerpräsident der Hauptstadtregion Brüssel, Charles Picqué, beschrieb die neuen Bürotürme als „ikonische Gebäude, die zu den höchsten in Brüssel gehören werden“. In die Höhe zu bauen, ermögliche es,  geschlossene Gebäude in öffentliche Räume zu verwandeln.

Bauarbeiten im Europaviertel sind keine Neuheit. So errichtet der Rat momentan neue Büros, direkt neben seinem Hauptquartier im Justus Lipsus-Gebäude und der Bahnhof unter dem Schuman-Kreisverkehr wird Modernisierungsarbeiten unterzogen,  um eine bessere Anbindung der Metro an das nationale Schienennetz zu gewährleisten.

Vergrößerte Dichte…

Ein EU-Vertreter betonte, das Ziel des Projektes sei eine Vergrößerung der Gebäudedichte an der Rue de la Loi, nicht die Errichtung einer neuen Skyline und trat so dafür ein, dass der Blick auf den nahe gelegenen Triumphbogen im Parc du Cinquantenaire nicht verbaut werden sollte.

…und trotzdem mehr Freiflächen

Der Entwurf beinhaltet, dass der Verkehr auf der Rue de la Loi, die momentan eine Einbahnstraße ist, in beide Richtungen fließt. Der Boulevard, in dessen Mitte die Straßenbahngleise verlaufen sollen,   soll verbreitert und  von Bäumen und Grünflächen  gesäumt werden. 

Picqué warnte, dass Mobilität von entscheidender Bedeutung für den Erfolg eines zukünftigen  Raumkonzeptes sei. Man werde nicht versuchen den Verkehr zu beschränken, sondern wolle Verkehr in beide Fahrrichtungen, öffentlichen Nahverkehr und eine grünere Rue de la Loi, erklärte er und gab zu, dass dafür noch eine Menge geplant werden müsse.

Straßenschlucht

Im Moment ist die Rue de la Loi eine der verkehrsreichsten Durchgangsstraßen der Stadt. Ein Tunnel verbindet sie mit dem Brüsseler Autobahnsystem. Er sei nicht dafür an  diese Straßenschlucht festzuhalten, sagte Picqué, aber man stehe definitiv vor einer Herausforderung. Man müsse, trotz funktioneller Hindernisse, Mobilität ermöglichen.

Picqué betonte, dass der Vorschlag kein kompletter Neubau des Viertels darstelle. Vielmehr werde das Projekt mit der Zeit entstehen. Man werde weder alles abreißen und eine riesige Baustelle eröffnen, noch viele Enteignungen vornehmen, sagte er und deutete an, dass die Entwicklung des Viertels bis zu 15 Jahre dauern könne.

Die Kommissarin Kallas stritt ab, dass die Kosten ein Problem seien und sagte, die EU-Kommission werde den Bau, neuer Gebäude aus dem eigenen Budget bezahlen. Das Anmieten von Gebäuden sei zwar eine Option, aber die Kommission bevorzuge, selbst Eigentümer ihrer Gebäude zu sein.  Die Kosten würden durchaus im Budget bleiben.

Die Kommission versucht sich außerdem zu dezentralisieren, indem sie ein bis drei Standorte außerhalb des zentralen Bereichs eröffnet. Momentan seien neun mögliche Standorte im Gespräch und eine Entscheidung werde im Laufe des Jahres fallen.