Spannungen über Wasserversorgung für die EU-Landwirtschaft nehmen zu

Die Wasserbewirtschaftung und -speicherung wirft in den südeuropäischen Ländern viele Fragen auf. Eine französische Bewegung breitet Proteste gegen Wasserreserven für Landwirte vor und will Bürger bis zur Lagune von Venedig in Norditalien mobilisieren.

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Gegner stellen auch das Agrarmodell infrage, das den Export von wasserverbrauchenden Getreidesorten fördert, die vor allem als Viehfutter verwendet werden. [Juliette Faucher/ABEP]

Die Wasserbewirtschaftung und -speicherung wirft in den südeuropäischen Ländern viele Fragen auf. Eine französische Bewegung breitet Proteste gegen Wasserreserven für Landwirte vor und will Bürger bis nach Venedig in Norditalien mobilisieren.

In ihrer Rede vor ihrer Wiederwahl als Kommissionspräsidentin am 18. Juli forderte Ursula von der Leyen die Umsetzung einer „nachhaltigen Wasserbewirtschaftungsstrategie.“ Es soll sichergestellt werden, dass die Landwirte „besser auf den Klimawandel vorbereitet“ sind.

In der strategischen Agenda 2024-2029 verpflichtet sich die EU-Staaten, die Widerstandsfähigkeit der Wasserversorgung zu stärken und „in groß angelegte grenzüberschreitende Infrastrukturen, einschließlich Wasserinfrastrukturen, zu investieren“. Diese Verpflichtung geschehen angesichts der Wasserknappheit, anhaltenden Dürren und unregelmäßigen Regenfällen.

Diese Art der Entwicklung kann jedoch zu erheblichen Spannungen führen. Am Tag von von der Leyens Rede in Straßburg demonstrierten mehrere Tausend Menschen im westfranzösischen Marais Poitevin gegen den Bau von „Mega-Becken“. Diese Wasserreservoirs unter freiem Himmel sollen Landwirten den Zugang zu Wasserressourcen sicherstellen.

Die französischen Aktivisten wollen den Grad der Mobilisierung erhöhen.

Im September organisieren les Soulèvements de la terre – die Organisatoren der französischen Demonstrationen – einen Wasserkonvoi „Vom Marais Poitevin zur Lagune von Venedig“. Damit wollen sie in der italienischen Region Venetien ein Zeichen gegen Mega-Becken und Wasserverschmutzung setzen.

Mega-Becken, ein zwiespältiges Thema

Die Besonderheit von Mega-Becken besteht darin, dass sie nicht nur Regenwasser auffangen und speichern, sondern auch Wasser aus dem Boden entnehmen, wenn es nicht genügend regnet. Die Kritiker sagen, dass dies das gesamte Feuchtgebiet stört und zu dessen Austrocknung beiträgt.

Europa erwärmt sich aufgrund des Klimawandels schneller als der globale Durchschnitt. Die Mittelmeerländer im Vergleich zu anderen EU-Ländern noch schneller, weswegen Strategien zur Wasserbewirtschaftung dringend erforderlich sind.

Während Italien mehr als 10 Prozent und Spanien sogar 20 Prozent seines Regenwassers auffängt, sind es in Frankreich nur 1,7 Prozent.

In Spanien wird das Wasser vor allem in Embalses gespeichert, riesigen Süßwasserbecken, die sich durch die Art ihrer Befüllung von den sogenannten Mega-Becken unterscheiden.

„In Spanien und vielen französischen Regionen werden die Becken hauptsächlich aus Flüssen oder Oberflächenwasser gespeist“, sagte Laurence Marandola, Sprecherin der französischen Gewerkschaft Confédération Paysanne, die gegen diese Strukturen ist, gegenüber Euractiv.

Italien verwendet keine Mega-Becken für die Bewässerung. Die italienischen Bauernverbände Coldiretti und CIA-Agricoltori Italiani haben jedoch die Schaffung von Wasserbecken vorgeschlagen, die kein Wasser aus dem Boden beziehen. Sie sollen ausschließlich durch die Rückgewinnung von Regenwasser und die Umleitung von Wasser aus Flüssen „während der regenreichsten Zeiten“ funktionieren, erklärt Stefano Francia von CIA-Agricoltori Italiani.

Diese würden zusätzlich mit schwimmenden Photovoltaikpaneelen ausgestattet werden, um Strom für die Pumpen zu erzeugen.

Ein weiteres, in hügeligen Gebieten Europas weit verbreitetes System ist die Nutzung von Bergstauseen zum Auffangen von Regenwasser, das vom Boden abfließt.

Diese Becken sind eine „französische Besonderheit“, sagt Laurence Marandola. In den Poitevin-Sümpfen sind sie zu einer Notwendigkeit geworden, da es in diesem Gebiet keine Flüsse gibt.

Austrocknung der Umwelt in Spanien

Doch auch das spanische System hat seine Grenzen. Verschiedenen Studien zufolge haben die Dämme aufgrund der geringen Niederschläge Schwierigkeiten, sich im Sommer zu füllen. Im Jahr 2023 erreichten sie nur die Hälfte ihrer Kapazität. Ähnlich sieht es in Portugal und Italien aus, wo diese Speichersysteme in rasantem Tempo ausgebaut werden.

„Das Durchschneiden von Flussbetten überflutet das Tal und staut auf der einen Seite zu viel Wasser an, während es auf der anderen Seite zu starken Dürren führt“, erklärte Julia Martínez, technische Direktorin der Fundación Nueva Cultura del Agua, gegenüber Euractiv. Die Organisation setzt sich für den Schutz aquatischen Ökosysteme ein, die durch diese Praktiken bedrohten werden.

Der Expertin zufolge üben diese Dürren Druck auf Flüsse und Grundwasserleiter aus, was in einigen städtischen Zentren zu Problemen bei der Wasserversorgung führt.

„In Frankreich werden die Mega-Becken mit öffentlichen Mitteln finanziert, aber dann wird das Wasser privatisiert, sodass nur ein paar Dutzend Menschen davon profitieren können.“ In Spanien liegt die Verwaltung der Wasserreservoirs nach wie vor in den Händen der öffentlichen Wasserbehörde.

Martínez erklärt jedoch, dass es neben diesen Stauseen auch private „Bewässerungsbecken“ gibt. In Spanien sind sie reichlich vorhanden und entziehen sich der Regulierung. Die Landwirte zögern nicht, das Grundwasser anzuzapfen.

Auf einer Demonstration gegen Wasserbecken bekräftigen französische Aktivisten, dass es ein „gemeinsames Gut der Menschheit“ ist und nicht von Unternehmen monopolisiert werden darf.

„Stoppt das agroindustrielle Modell, das das Wasser zum Nutzen einer Minderheit monopolisiert“, sagte die Europaabgeordnete Emma Fourreau (Die Linke). Sie ist die einzige Abgeordnete, die an der Demonstration gegen die Becken am Samstag (20. Juli) teilnahm.

Gegner stellen auch das Agrarmodell infrage, das den Export von wasserverbrauchenden Getreidesorten fördert, die vor allem als Viehfutter verwendet werden.

„Italien verliert jedes Jahr 89 Prozent seines Regenwassers. Dies ist eine inakzeptable Verschwendung in einem Land, das von Wüstenbildung bedroht ist und in dem in einigen Regionen chronischer Wassermangel herrscht“, heißt es in der Pressemitteilung der italienischen Gewerkschaft Coldiretti.

Wie die französische Bauerngewerkschaft FNSEA ist auch Coldiretti der Ansicht, dass „wir die Sammlung von Süßwasser durch eine Verbesserung der Infrastruktur verstärken müssen“.

[Bearbeitet von Angelo Di Mambro and Zoran Radosavljevic]