Spanien: Rekord an Todesopfern 2021 auf gefährlichen Migrationsrouten

Die Zahl der Toten und Vermissten auf den Seemigrationsrouten, die über prekäre Boote nach Spanien führen, hat sich im Jahr 2021 auf mindestens 4.404 Menschen verdoppelt, berichtet EURACTIVs Partner EFE.

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Situation in Arguineguin, a dock currently giving shelter to 229 migrants
Die Zahl der Toten und Vermissten auf den Seemigrationsrouten, die über prekäre Boote nach Spanien führen - auf Spanisch "pateras" genannt - hat sich im Jahr 2021 auf mindestens 4.404 Menschen verdoppelt. [[EPA-EFE / Quique Curbelo]]

Die Zahl der Toten und Vermissten auf den Seemigrationsrouten, die über prekäre Boote nach Spanien führen, hat sich im Jahr 2021 auf mindestens 4.404 Menschen verdoppelt, berichtet EURACTIVs Medienpartner EFE.

Die Zahl ist 103 Prozent höher als 2020, wie ein Bericht der spanischen NGO Caminando Fronteras (Walking Borders) am Montag enthüllte. Die NGO hatte für das Jahr 2020 2.170 Todesfälle gemeldet.

Im „tödlichsten“ Jahr an der westlichen europäisch-afrikanischen Grenze starben 4.016 von 4.404 Menschen auf der gefährlichen Kanarenroute. Die insgesamt 124 Schiffsunglücke entsprechen 91,1 Prozent der Gesamtzahl, berichtet EURACTIVs Partner EFE.

Diese Zahlen multiplizieren die Aufzeichnungen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) der Vereinten Nationen um das 3,5-Fache. Die IOM selber hatte die Zahl der Todesfälle auf den Routen nach Spanien im Jahr 2021 auf 1.255 beziffert.

Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass es sich hierbei um Schätzungen handelt. De Zahlen umfassen nur Todesfälle, bei denen die Leiche geborgen wurde, oder Schiffbrüche mit Aussagen von Überlebenden.

„4.404 ist die Mindestzahl. Die Realität ist, dass es mehr Opfer geben kann und wir keine Aufzeichnungen über sie haben“, sagte die Sprecherin von Caminando Fronteras, Helena Maleno, am Montag. Unter den Zahlen seien 628 Opfer weiblich und 205 minderjährig gewesen. Das ganze Jahr über gibt es mindestens 12 Tote pro Tag oder ein Opfer alle zwei Stunden, fügte sie hinzu.

Nach Angaben des spanischen Innenministeriums, das bis zum 15. Dezember neue Daten sammelte, kamen von den 37.385 Booten, im Spanischen bekannt als „Pateras“, die Spanien erreichten, 20.752 auf den Kanarischen Inseln an. Das würde bedeuten, dass jeder fünfte Migrant, der versuchte, die Küsten des spanischen Archipels zu erreichen, starb.

Auf den anderen Routen sind 191 Opfer auf der Algerienroute zu beklagen, mit 19 Schiffbrüchen, 102 auf der Straße von Gibraltar, mit 17 Unfällen, und 95 Opfer bei 10 Unfällen auf der Alboran-Route.

Caminando Fronteras schätzt, dass etwa 83 Boote mit allen Menschen an Bord verschwanden, ohne dass es Überlebende gab. Von nur 5,2 Prozent der toten Migrant:innen wurden  die Leichen geborgen.

Die NGO warnte, dass die Routen „immer gefährlicher“ werden, mit immer instabileren „Infra-Booten“. Sie verwies auf die Präsenz krimineller Netzwerke und die „mangelnde Erfahrung“ der Migrant:innen an Bord, die oft nicht einmal ein GPS mit sich führen oder nicht wissen, wie man es benutzt.

„Die Opfer der geostrategischen Konflikte sind die Migranten“, beklagte Maleno. Die niedrigste Todesrate sei im März 2021 mit 132 verzeichnet worden.