Spanien: Höhere Steuern auf Ferienwohnungen für bezahlbaren Wohnraum
Erschwinglicher Wohnraum ist ein Grund zur Sorge in Spanien. Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte deshalb härte Steuermaßnahmen an - zum einen für Ausländer, die einen Zweitwohnsitz in der Sonne kaufen wollen, aber auch für Immobilienbesitzer, die an Touristen vermieten.
Erschwinglicher Wohnraum ist ein Grund zur Sorge in Spanien. Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte deshalb härte Steuermaßnahmen an – zum einen für Ausländer, die einen Zweitwohnsitz in der Sonne kaufen wollen, aber auch für Immobilienbesitzer, die an Touristen vermieten.
Madrid – Die Wohnungsfrage ist nach wie vor ein großes Problem für die Spanier. 35 Prozent geben an, dass sie Schwierigkeiten haben bezahlbaren Wohnraum in Großstädten zu finden. Dort können die Quadratmeterpreise 7.000 Euro übersteigen können. Im Vergleich sind das fast dreimal so viele Personen wie im EU-Durchschnitt (13 Prozent).
Inzwischen kaufen jedes Jahr zwischen 60.000 und 90.000 Ausländer Immobilien in Spanien. Dabei handelt es sich in der Regel um Zweitwohnungen, die für Ferienzwecke oder zur Vermietung genutzt werden. Das Land ist berühmt für seine große Zahl von Auswanderern, insbesondere aus Westeuropa und ab einem gewissen Alter.
Wenn es nach Ministerpräsident Sánchez geht, könnte sich das nun ändern.
In einer Rede am Montag in Madrid stellte er sein Vorhaben vor, den Erwerb von Wohneigentum durch nicht in Spanien ansässige Ausländer einzuschränken und die Steuerlast auf 100 Prozent des Immobilienwerts erhöhen. Das würde die Vorstellung von Spanien als einem erschwinglichen Ort für einen Hauskauf in der Sonne infrage stellen.
Für diejenigen, die kaufen, um zu vermieten, kündigte Sánchez zusammen mit mehreren seiner Minister Pläne an, Ferienwohnungen als Unternehmen zu besteuern und sie einer mit anderen Wirtschaftstätigkeiten vergleichbaren Besteuerung zu unterwerfen.
Das neue Paket sieht auch eine Steuerbefreiung von bis zu 100 Prozent für Eigentümer vor, die derzeit leer stehenden Wohnungen für erschwingliche Mieten zurück auf den Markt bringen.
Sánchez sozialdemokratische Regierungskoalition hat schon seit langem Ferienwohnungen im Visier, insbesondere in Madrid, Barcelona, Málaga und Valencia. Der Vorwurf: Sie würden den erschwinglichen Wohnraum für Einheimische verknappen.
Das „Wiener Modell“ als Vorbild
Sowohl Sánchez‘ sozialdemokratische PSOE, die Linkspartei Sumar und nahezu das gesamte spanische linke Lager sind Bewunderer vom „Wiener Modell“ des sozialen Wohnungsbaus, bei dem jede vierte Wohnung eine Sozialwohnung ist. Es wäre jedoch nicht einfach, dieses Modell in Spanien einzuführen.
Laut einer vom Immobilienportal Idealista.com zitierten Studie aus dem Jahr 2022 sind in Spanien nur 2,5 Prozent des Wohnbestandes Sozialwohnungen.
Der Ministerpräsident kritisierte außerdem die unzureichende Politik im Bereich des öffentlichen Wohnungsbaus in der Vergangenheit und beklagte eine ideologische, neoliberale Politik, die „katastrophale Folgen“ in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht habe, womit er auf die konservative Oppositionspartei Partido Popular (PP) anspielte.
Der spanische Kulturminister Ernest Urtasun (Sumar) begrüßte die Entscheidung seines Koalitionspartners, forderte jedoch „mutige Maßnahmen“ und mehr Taten.
Nicht jeder ist glücklich
Der Optimismus von PSOE und Sumar wird jedoch durch den Pessimismus der Partido Popular und der rechtspopulistischen Vox überschattet.
Der Sprecher der Partido Popular, Borja Sémper, wiederholte nach Sanchez Rede die Ablehnung der Initiativen durch seine Partei und bezeichnete sie als interventionistisch und utopisch. Laut Sémper sage der Regierungschef „Dinge, die unmöglich zu tun sind“.
Der Regierungsplan würde zu „höheren Preisen und weniger Angebot“ führen, führte Sémper weiter aus.
Santiago Abascal, Vox-Vorsitzender und Fraktionspräsident der Patrioten für Europa im EU-Parlament, lehnte die Regierungsvorschläge ebenfalls ab. Er sagt, Sánchez verfolge nur ein Wahlziel, einen Coup für seine Wähler.
Laut Abascal sind die vom Regierungschef angekündigten Maßnahmen „das letzte Kaninchen im Hut von Pedro Sánchez“.
[Bearbeitet von Victoria Becker]