Sozialverbände suchen nach Alternativen zu Arbeitsplatzstreichungen [DE]

Trotz der Kreditknappheit und der sich vertiefenden Wirtschaftskrise versuchen Arbeitgeber kreative Wege zu finden, um keine Arbeitsplätze abzubauen und Jobs zu sichern.

city_comuters_isp_R_Mansi.jpg
city_comuters_isp_R_Mansi.jpg

Trotz der Kreditknappheit und der sich vertiefenden Wirtschaftskrise versuchen Arbeitgeber kreative Wege zu finden, um keine Arbeitsplätze abzubauen und Jobs zu sichern.

Laut einem Bericht der von Eurofound, der EU-Agentur für Sozialpolitik in Dublin, gibt es Anzeichen dafür, dass sich die EU-Regierungen und Unternehmen für Erhaltungsmaßnahmen der Beschäftigung entscheiden, statt Massenentlassungen durchzuführen, während sie mit dem derzeitigen finanziellen Chaos zu kämpfen suchen. 

Viele Arbeitgeber in Europa, entlassen Berichten zufolge Arbeitskräfte nur als letztmögliche Maßnahme, bevorzugen allerdings drei Typen von Alternativen: Kurzarbeit, bezahlten oder unbezahlten Langzeiturlaub und Abfindungszahlungen bei Jobverlust. Verhandelte Reduzierungen der Arbeitszeit, können auch durch verbesserte Weiterbildungsmöglichkeiten ausgeglichen werden.

Die Begründung für solche Maßnahmen, so betonte Eurofound sei, dass der Ausbau der Fähigkeiten der Beschäftigten, in einer Zeit niedriger Nachfrage, das Humankapital verbessere und die Modelle zur flexiblen Arbeitszeitgestaltung erhalte, um für den Zeitunkt einer Erholung, der bis 2012 erwartet werde, vorbereitet zu sein.

Zeitkonto-Vereinbarungen

Der Automobil- und der Stahlsektor haben sich an den Abschwung, durch das Verkünden von Werksschließungen angepasst. Laut Eurofound, beschloss Honda, sein britisches Werk in Swindon, für vier Monate, von Februar bis Mai diesen Jahres zu schließen, während Renault Trucks, im Jahr 2009, drei seiner französischen Werke, für jeweils drei Monate schließen wird.

Bei Honda, werden die Schließungen 2.500 bis 3.700 Beschäftigte treffen, die für die ersten zwei Monate ihren vollen Monatslohn und für den Rest der Zeit 60% davon ausbezahlt bekommen werden. Wenn das Werk im Juni seine Tore wieder öffnet, werden die Beschäftigten, entsprechend dem Betrag den sie für die vier Monate erhalten haben,  unbezahlte Überstunden machen müssen. Ähnliche „Zeitkonto“ Vereinbarungen werden auch von Bentley und Aston Martin übernommen.

Konfrontiert mit verschiedenen nationalen Arbeitsgesetzen und Lohnverhandlungen, sehen andere Mitgliedstaaten sich dazu genötigt Pläne für Kurzzeitarbeit auszuarbeiten.

Der Eurofound-Bericht deutete an, dass zum Beispiel die Niederlande, Österreich, Deutschland und Frankreich, kurzfristig Programme zum Lohnausgleich geschaffen haben, bei denen Arbeitgeber sich temporär Staatshilfen sichern können, um Gehälter für reduzierte Arbeitsstunden zu beziehen. 
Die Europäische Kommission regt den Gebrauch von Strukturfonds an, um Weiterbildungsmaßnamen während reduzierter Arbeitszeiten zu ermöglichen. Kommissionspräsident Barroso sagte vergangene Woche, dass dies in normalen Zeiten als staatliche Beihilfe angesehen würde und mit dem EU-Recht nicht in Einklang gebracht werden könne. Aber mit diesem Schritt behalte man Arbeitsplätze und könne gleichzeitig in die Weiterbildung und in die Zukunft von Arbeitnehmern investieren.

Langzeiturlaub statt Entlassungen

Eine andere Maßnahme Arbeitnehmer zu behalten und das Ende der Krise abzuwarten ist die Möglichkeit bezahlte Karrierepausen anzubieten. Diese Initiativen scheinen insbesondere im Banken- und Versicherungsgewerbe zu greifen.

Im Eurofound-Bericht werden zwei Beispiele genannt. Die Bankabteilung von IrishLife und Permanents bat zwei- oder dreijährige bezahlte Langzeiturlaube an. Als das Programm im Oktober 2008 angelaufen ist haben 140 von 2,500 Angestellten der Bank, meistens jüngere Beschäftigte, dieses Angebot angenommen. Es sieht vor, dass die Firma für eine zweijährige Pause 20.000 Euro zahlt und für eine dreijährige Pause 35.000 Euro.

Die britische KPMG hat einen ähnlichen Langzeiturlaub angeboten, obwohl das Angebot nur für eine kürzere Zeit galt. Arbeitgeber unterstützen jede Art von Flexibilität in wirtschaftlich schlechten Zeiten um qualifizierte Arbeitskräfte zu behalten, sagte der Präsident von BusinessEurope, Ernest-Antoine Seillière.