Sowjetische Kriegsdenkmäler in Mittel- und Osteuropa werden mutwillig beschädigt
Als Folge des russischen Einmarsches in der Ukraine wurden in Mittel- und Osteuropa mehrere Fälle von Vandalismus an sowjetischen Kriegsdenkmälern gemeldet. Die Empörung russischer Botschaften stößt auf Verständnis der nationalen Behörden für die Täter:innen.
Als Folge des russischen Einmarsches in der Ukraine wurden in Mittel- und Osteuropa mehrere Fälle von Vandalismus an sowjetischen Kriegsdenkmälern gemeldet. Während die russischen Botschaften mit Empörung reagierten, zeigten die nationalen Behörden mehr Verständnis für die Täter:innen. In einigen Fällen erwägen die Gemeinden, die Denkmäler zu entfernen.
Das Wahrzeichen von Bratislava, Slavín, ein der sowjetischen Roten Armee gewidmetes Kriegsdenkmal, wurde am 2. März in den Farben der ukrainischen Nationalflagge in blau und gelb angestrichen. Slavín ist eines der größten Kriegsdenkmäler der Slowakei und dient als Friedhof für Tausende von belarussischen, russischen und ukrainischen Soldat:innen.
Die russische Botschaft zeigte sich empört über den Vorfall und forderte eine sofortige Säuberung und Bestrafung der Täter:innen. Die Polizei leitete eine Untersuchung wegen der Beschädigung fremden Eigentums ein. Die Spannungen nahmen jedoch zu, nachdem das Außenministerium erklärt hatte, dass „Russland selbst das Andenken an die Gefallenen mit Füßen tritt, indem es in ein Bruderland eindringt“.
„Wer auch immer dies getan hat, ob Leute, die von antirussischer Propaganda getäuscht wurden, oder ideologische Anhänger des ukrainischen Faschisten Stepan Bandera, sie haben das Andenken all derer entweiht, die hier ruhen, einschließlich der mehreren hundert Ukrainer“, so die russische Botschaft.
Dies war jedoch nicht der einzige Vorfall in der Slowakei. Am 9. März wurde die Statue eines Soldaten auf einem Friedhof der Roten Armee in der ostslowakischen Stadt Svidník rot angemalt.
„Wir sind empört über einen weiteren klaren Akt des Vandalismus und der schändlichen Schändung der Gefallenen. Dieses niederträchtige Verbrechen ist sicherlich nur eine Folge der anhaltenden russophoben Kampagne der slowakischen Medien. Außerdem schaden diese Taten den guten Beziehungen zwischen Russen und Slowaken“, schrieb die Botschaft auf Facebook.
Solidarität oder Vandalismus?
In Brünn, der zweitgrößten Stadt der Tschechischen Republik, wurden antirussische Graffiti an mehreren Stellen gesprayt, darunter auch an einer Soldatenstatue der Sowjetarmee. Eine bisher unbekannte Person besprühte den Sockel der Statue blau und gelb. Unter normalen Umständen würde das Graffiti als Vandalismus betrachtet werden, aber dieses Mal ist es anders.
„Wir sehen keinen Grund, warum wir solche Solidaritätsbekundungen mit der Ukraine schnell entfernen sollten“, sagte ein Sprecher der Stadt Brünn der tschechischen Nachrichtenagentur.
Bereits vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine waren starke antisowjetische oder antirussische Tendenzen zu beobachten. Im Jahr 2020 wurde in Prag eine Statue des sowjetischen Generals Iwan Konjew entfernt. Im selben Jahr wurde der Platz, auf dem sich die russische Botschaft befindet, in „Boris-Nemzow-Platz“ umbenannt, nach einem russischen Oppositionspolitiker, der 2015 in Moskau erschossen wurde.
In der bulgarischen Hauptstadt Sofia hat eine Debatte über die Entfernung des Denkmals der Sowjetarmee begonnen, das im Herzen der Stadt steht. Es ist das landesweit größte Denkmal an die Rote Armee, die Bulgarien 1944 besetzte, um dann ein totalitäres Regime unter der Kontrolle der bulgarischen kommunistischen Partei zu errichten.
Der Bürgermeister der Region Sofia, Traicho Traikov, kündigte an, dass die Arbeiten zur Versetzung des 45 Meter hohen Denkmals begonnen hätten. Es ist noch unklar, ob Traikov dafür ein Budget und logistische Unterstützung erhalten wird. Die Initiative zur Entfernung des Denkmals besteht seit 19 Jahren, aber der starke russische Einfluss im Land hat den Prozess bisher blockiert.
Das sowjetische Denkmal in Sofia war schon oft Schauplatz von Bürgerprotesten und Demonstrationen. Zu Beginn der russischen Invasion in der Ukraine wurden mehrere Botschaften an Russland darauf geschrieben – „Mörder“, „Besatzer“ und „Freiheit der Ukraine“.
Das Denkmal wurde auch mit Plakaten beklebt, die Putin abbildeten und auf denen „Mörder“ stand. Nach der Annexion der Krim im Jahr 2014 wurden die Hände der sowjetischen Soldaten auf dem Denkmal aus Protest gegen das Vorgehen Russlands rot bemalt.