Slowakische Kernkraftwerke von Gazprom-nahem Unternehmen betreut

Der slowakische Kernkraftwerksbetreiber zeigt sich wenig besorgt über die Verträge mit Škoda JS, einem Unternehmen im Besitz der russischen Gazprombank. Analysten befürchten dagegen ein mögliches Sicherheitsrisiko.

EURACTIV.sk
Saint,Petersburg,,Russia,2020.12.17,Gazprom,Gas,Company,Office
Škoda JS ist für die Wartung und Instandhaltung in zwei slowakischen Werken - Jaslovské Bohunice und Mochovce - zuständig. Das ehemals tschechische Unternehmen gehört heute dem russischen Maschinenbaukonzern OMZ, der von der Gazprombank, einer Tochter des Gasriesen Gazprom, kontrolliert wird. [[Shutterstock/Konstantin Lenkov]]

Der slowakische Kernkraftwerksbetreiber zeigt sich wenig besorgt über die Verträge mit Škoda JS, einem Unternehmen im Besitz der russischen Gazprombank. Analysten befürchten dagegen ein mögliches Sicherheitsrisiko.

Škoda JS, ehemals ein tschechisches Unternehmen, gehört heute dem russischen Maschinenbaukonzern OMZ. Dieser wird von der Gazprombank, einer Tochtergesellschaft des Gasriesen Gazprom, kontrolliert. Škoda JS ist für die Wartung und Instandhaltung von zwei slowakischen Kernkraftwerken – Jaslovské Bohunice und Mochovce – zuständig.

Das Unternehmen hat einen ähnlichen Vertrag mit tschechischen und ungarischen Kernkraftwerken und ist auch in Bulgarien tätig. Škoda JS ist zudem einer der größten Auftragnehmer beim Bau von zwei Blöcken des Kraftwerks Mochovce.

Außerdem besitzt Škoda JS 17,39 Prozent des Forschungsinstituts ÚJV Řež. Die Einrichtung arbeitet auf technischer und politischer Ebene mit slowakischen Kernkraftwerken zusammen.

Schon vor dem russischen Einmarsch in der Ukraine warnten mehrere Analysten, dass Moskau wahrscheinlich sensible Informationen über die von Škoda JS betreuten Kernkraftwerke in Mitteleuropa sammelt.

„Die Menge an hoch spezialisierten und einzigartigen Informationen und Daten, die im Laufe der Jahrzehnte gesammelt werden konnten, ist enorm“, sagte Patricia Lorenz, Atomexpertin bei Friends of the Earth.

EURACTIV Slowakei bat Slovenské elektrárne um eine Stellungnahme, ob sie diese Befürchtungen teilen. Der Sprecher antwortete, dass das Unternehmen durch seinem Vertrag mit Škoda JS keine Sanktionen verletze.

Das ist zwar richtig, doch wurde Škoda JS bereits wegen seiner Verbindungen zur Gazprombank von den Vereinigten Staaten mit Sanktionen belegt. Die Frage, was geschehen würde, wenn die Gazprombank oder Škoda JS von der EU sanktioniert würden, lassen die slowakischen Kraftwerksbetreiber unbeantwortet.

Die Gazprombank steht derzeit nicht auf der EU-Sanktionsliste und kann weiterhin das SWIFT-Zahlungssystem nutzen, da sie Zahlungen für Gas und Öl erhält. Es ist jedoch möglich, dass das nächste Sanktionspaket auch den Sektor der fossilen Brennstoffe umfasst. Das könnte problematische Folgen für den Atomsektor haben.