Skandinavien: Haushaltskürzungen bedrohen samische Minderheitensprachen

Die schwedischen, norwegischen und finnischen Regierungen planen Haushaltskürzungen. Diese gefährdeten die Bemühungen zur Förderung der samischen Sprache, erklärten die Parlamente der samischen Minderheit in allen drei nordischen Staaten.

EURACTIV.com
Two men walking in mountains with reindeers
In einem seltenen, gemeinsamen Appell fordern die samischen Parlamente in Schweden, Norwegen und Finnland ihre Regierungen auf, die pan-nordische Sprachorganisation Sámi Giellagáldus zu retten. [GettyImages/Hakan Hjort]

Die schwedischen, norwegischen und finnischen Regierungen planen Haushaltskürzungen. Diese gefährdeten die Bemühungen zur Förderung der samischen Sprache, erklärten die Parlamente der samischen Minderheit in allen drei nordischen Staaten.

In einem seltenen, gemeinsamen Appell fordern die samischen Parlamente in Schweden, Norwegen und Finnland ihre Regierungen auf, die pan-nordische Sprachorganisation Sámi Giellagáldus zu retten. Diese Organisation widmet sich der Erforschung und Standardisierung der samischen Sprache.

Die Parlamente der Samen setzen sich in allen drei Ländern für die Wahrung der kulturellen, sprachlichen und politischen Interessen des samischen Volkes ein. Ihnen fehlen jedoch verbindliche gesetzgeberische Kompetenzen.

„Wir fordern sofortiges Handeln“, erklärten die Vorsitzenden der samischen Parlamente der skandinavischen Presse. In allen drei Ländern äußern sie Besorgnis darüber, dass die geplanten Haushaltskürzungen die Zukunft der samischen Sprachentwicklung gefährden könnten.

Finanziert wird Sámi Giellagáldus überwiegend von Schweden, Norwegen und Finnland, da sich die traditionellen Siedlungsgebiete der Samen in den nördlichen Regionen dieser Länder befinden.

Doch die Sprachorganisation sieht sich mit Mittelkürzungen aus allen drei Ländern konfrontiert. In den Haushaltsplänen für das kommende Jahr haben die Regierungen die Ausgaben für den Schutz der samischen Sprachminderheit deutlich reduziert.

„Das ist eine Katastrophe für die samischen Sprachen“, sagte Ole Henrik Magga, ehemaliger stellvertretender Vorsitzender von Sámi Giellagáldu, dem schwedischen Sender SVT.

Nach seiner Auffassung bietet die UN-Dekade der indigenen Sprachen der Welt (2022 bis 2032) eine einzigartige Gelegenheit, diese Sprachen nachhaltig zu fördern. Um dieses Ziel zu erreichen, sei jedoch die aktive Unterstützung der Regierungen notwendig.

Schätzungen zufolge beläuft sich die samische Gesamtbevölkerung derzeit auf 65.000 bis 100.000 Personen, die zehn miteinander verwandte samische Sprachen sprechen.

Bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels hat keine nordische Regierung eine Stellungnahme zu diesem Thema abgegeben.

[Bearbeitet von Jeremias Lin/Kjeld Neubert]