Serbien lässt "entführte" kosovarische Polizisten frei

Am Montag hat Serbien drei kosovarische Polizeibeamte freigelassen, nachdem Pristina behauptet hatte, sie seien auf kosovarischem Gebiet "entführt" worden. Präsidentin Vjosa Osmani dankte den USA für ihren Beitrag, forderte jedoch, dass Serbien zur Rechenschaft gezogen werden müsse.

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EU Special Representative for the Pristina-Belgrade Dialogue Miroslav Lajcak visits Pristina
Auch Osmani (Bild) reagierte und bezeichnete den Vorfall als "eklatanten Akt der Aggression gegen den Kosovo und einen Verstoß gegen das militärisch-technische Abkommen mit der NATO." [EPA-EFE/VALDRIN XHEMAJ]

Serbien hat am Montag drei kosovarische Polizeibeamte freigelassen. Kosovos Präsidentin Vjosa Osmani lobte die Rolle der USA in der Vermittlung zwischen den Ländern, forderte jedoch trotzdem Maßnahmen gegen Serbien.

Die Polizisten waren am 15. Juni verhaftet worden. Während Pristina behauptet, sie hätten sich 300-500 Meter innerhalb des kosovarischen Territoriums aufgehalten und wären damit „entführt“ worden, behauptet Serbien, sie seien innerhalb Serbiens festgenommen worden. Serbien betrachtet den Kosovo als Provinz und erkennt dessen Unabhängigkeit nicht an.

Am Montag hatte der Erste Sekretär des Verbindungsbüros des Kosovo in Belgrad, Fatmir Haxholli verkündet, dass die drei Beamten in Kraleve vor Gericht erschienen, aber inzwischen wieder freigelassen worden seien.

„Jede verlorene Sekunde bis zu ihrer Rückkehr in die Republik Kosovo,“ stelle ein „irrationales Verhalten dar, um eine bizarre Tat zu tarnen“, sagte Haxholli in einem Post auf Facebook.

Auch Osmani reagierte und bezeichnete den Vorfall als „eklatanten Akt der Aggression gegen den Kosovo und einen Verstoß gegen das militärisch-technische Abkommen mit der NATO.“

„Vielen Dank an unsere Partner, die diese Freilassung ermöglicht haben, insbesondere die USA“, fügte sie hinzu. Sie wies darauf hin, dass die Freilassung Serbien nicht von seiner Verantwortung für die Tat entbindet.

Die EU und die USA haben den Vorfall als Festnahme bezeichnet, was heftig kritisiert worden ist.

„Die mangelnde Bereitschaft von Ländern und Organisationen wie der EU, es als willkürliche oder illegale Gefangennahme zu bezeichnen, anzuerkennen, dass eine Entführung stattgefunden hat oder irgendeine Bestrafung vorzunehmen, ist unverzeihlich“, erklärte die britische Parlamentsabgeordnete Alicia Kearns erklärte gegenüber Euronews.

Die serbischen Behörden gaben an, dass die Polizisten des illegalen Besitzes und Handels mit Waffen und Sprengstoffen verdächtigt werden, worauf eine Strafe von bis zu 12 Jahren steht. Pristina behauptet hingegen, die Beamten seien im Dienst gewesen und hätten lediglich eine bekannte Schmuggelroute zwischen dem Kosovo und Serbien überwacht.

Premierminister Albin Kurti erklärte, Serbien müsse zur Rechenschaft gezogen werden.

„Wir bestätigen, dass die drei entführten Polizisten freigelassen worden sind. Obwohl wir uns freuen, dass sie zu ihren Familien zurückkehren, stellt diese Entführung eine schwere Verletzung der Menschenrechte dar und muss geahndet werden. Der serbische Aggressor muss die Verantwortung tragen“, schrieb er auf Twitter.

Der albanische Premierminister Edi Rama, der vor einer Abkühlung der albanisch-serbischen Beziehungen gewarnt hatte, falls die Polizisten nicht freigelassen würden, reagierte ebenfalls auf die Nachricht.

„Die Rückkehr der Kosovo-Polizisten nach Hause ist eine verspätete, aber dennoch sehr gute Nachricht, weil sie erstens der willkürlichen Freiheitsberaubung von drei Personen, die kein Verbrechen begangen haben, ein Ende setzt und zweitens den Weg für eine Eskalation des Dialogs wieder frei macht“, sagte er.

Bei einem für heute angesetzten Treffen mit dem Präsidenten des Europäischen Rates, Charles Michel,  in Brüssel soll die schwierige Lage in der Region weiter erörtert werden.

„Leider haben in letzter Zeit beide Seiten nur die Innenpolitik und die von nationalistischer Rhetorik angeheizten Umfragen im Blick… Währenddessen verschlechtert sich die Lage im Norden von Stunde zu Stunde und von Minute zu Minute, wodurch die Möglichkeit eines „Donbass“ im Herzen Europas wächst. Schon der bloße Gedanken an diese Möglichkeit ist katastrophal und muss daher um jeden Preis verhindert werden“, sagte Rama.

Er hofft auf eine Deeskalation zwischen Serbien und Kosovo, die zur Lösung der Konflikte im Normalisierungsprozess der Beziehung beider Länder führen wird.