Serbien: Die verwundbarste Gemeinschaft in Europa?
Nach dem Bombenanschlag mit einem Toten und mehreren Verletzten im Kosovo hat Serbiens Präsident Boris Tadic vor dem Sicherheitsrat harte Schritte der UN gegen die Albaner gefordert. Zudem bekräftigte er erneut seine Ablehnung einer Unabhängigkeit des Kosovo.
Nach dem Bombenanschlag mit einem Toten und mehreren Verletzten im Kosovo hat Serbiens Präsident Boris Tadic vor dem Sicherheitsrat harte Schritte der UN gegen die Albaner gefordert. Zudem bekräftigte er erneut seine Ablehnung einer Unabhängigkeit des Kosovo.
"Den ethnischen Albanern müssen die Konsequenzen klargemacht werden, wenn sie wieder einseitig handeln wollen", sagte Boris Tadic am Dienstag (6. Juli) vor dem UN-Sicherheitsrat in New York. "Andernfalls hat Serbien keine Wahl, als seine Haltung zu der internationalen Präsenz in der Provinz neu zu überdenken."
Im Kosovo sind neben EU-Beamten auch NATO-Soldaten und UN-Polizisten und Mitarbeiter stationiert. Die Sitzung des Sicherheitsrats war auf Antrag Belgrads nach dem Bombenanschlag einberufen word
"Die Serben kamen in Frieden"
Der Anschlag hatte eine Gruppe serbischer Demonstranten getroffen, die gegen die Eröffnung eines Büros der Kosovo-Regierung in der im Norden gelegenen Stadt Mitrovica protestiert hatten. Serbien erkennt die vor zwei Jahren ausgerufene Unabhängigkeit seiner mehrheitlich von Albanern bewohnten Provinz Kosovo nicht an.
"Die Serben kamen in Frieden und trafen auf unprovozierte Gewalt", sagte Tadic. Sie seien "die verwundbarste Gemeinschaft in Europa". Serbien wünsche einen "harmonischen Frieden zwischen den dynamischen und stolzen Nationen der Serben und der Albaner". Frieden sei eine Voraussetzung für "unsere blühende Zukunft in der Europäischen Union".
EULEX: Die Lage ist unsicherer geworden
Die EU selbst verurteilte den Anschlag. "Die Lage ist unsicherer geworden", sagte der Leiter der Rechtsstaatsmission EULEX, Yves de Kermabon. "Wir sind uns der Spannungen bewusst und fordern die Regierung in Pristina auf, den Fall zu untersuchen." Vor allem im Norden des Kosovos gibt es eine starke serbische Minderheit.
Auch der UN-Sonderbeauftragte des Kosovo und Leiter der UNMIK (United Nations Interim Administration Mission in Kosovo), Lamberto Zannier, erklärte vor dem Sicherheitsrat, dass die "Sicherheitslage im Nordkosovo angespannter ist als sonst." Pristina und Belgrad hätten beide den Bombenanschlag verurteilt, aber jede Seite beschuldige die andere, den Vorfall provoziert zu haben.
Er wiederholte die Aufforderung an alle Seiten, "von provokanten Äußerungen Abstand zu nehmen und Ruhe zu bewahren". Außerdem sollten "alle kompetenten Strafverfolgungsbehörden dringende Maßnahmen zu ergreifen, um die Täter der Gerechtigkeit zu überführen."
Keine implizite oder explizite Anerkennung des Kosovo
Tadic erklärte in New York weiter, dass keine demokratisch gewählte Regierung in Serbien jemals "unter welchen Umständen auch immer" die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo akzeptieren werde, weder "implizit noch explizit". Staaten, die die Regierung in Pristina nicht anerkennen, sollten ihre Haltung beibehalten.
Die Unabhängigkeitserklärung vom 18. Februar 2008 wurde bislang von 66 Ländern anerkannt. Fünf EU-Staaten haben das Kosovo nicht anerkannt: Spanien, Griechenland, Zypern, Rumänien und die Slowakei.
dpa / dto
Links
UN: Kosovo: UN envoy appeals for calm following deadly violence (6. Juli 2010)
EURACTIV.de: Ein ausgewogenes Urteil zum Kosovo-Status? (5. Juli 2010)
EURACTIV.de: Kosovo nicht "Europas vergessener Hinterhof" (24. Juni 2010)