Selenskyj ruft internationale Agrarminister zu Hilfe bei Exporten auf

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rief am Samstag (21. Januar) bei einer Konferenz in Berlin Agrarminister:innen aus rund 70 Ländern dazu auf, das Land beim Export von Getreide zu unterstützen. Die Minister:innen verurteilten geschlossen den russischen Angriffskrieg.

Euractiv.de
53rd annual meeting of World Economic Forum, in Davos
“Das Recht auf Nahrung und sauberes Wasser sollte ein Grundrecht eines jeden Menschen auf allen Kontinenten sein”, betonte Selenskyj zu Beginn seiner rund fünfminütigen Ansprache. [GIAN EHRENZELLER/EPA-EFE]

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rief am Samstag (21. Januar) bei einer Konferenz in Berlin Agrarminister:innen aus rund 70 Ländern dazu auf, das Land beim Export von Getreide zu unterstützen. Die Minister:innen verurteilten geschlossen den russischen Angriffskrieg.

Während der ukrainische Agrarminister Mykola Solskyi persönlich an der jährlich vom Bundeslandwirtschaftsministerium ausgetragenen Berliner Agrarministerkonferenz teilnahm, wurde die Videobotschaft vonseiten des Präsidenten in letzter Minute auf Wunsch der Ukraine auf die Tagesordnung aufgenommen.

“Das Recht auf Nahrung und sauberes Wasser sollte ein Grundrecht eines jeden Menschen auf allen Kontinenten sein”, betonte Selenskyj zu Beginn seiner rund fünfminütigen Ansprache. “Wer Menschen Nahrung wegnimmt, Wasser wegnimmt, ist ein Feind – und zwar nicht nur jener, die Hunger oder Durst leiden, sondern er ist ein Feind der Menschheit.”

Obwohl der Druck auf die globalen Lebensmittelpreise nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) inzwischen etwas nachgelassen hat, hatte der Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022 erhebliche Auswirkungen auf die internationalen Agrarmärkte – denn beide Länder sind wichtige Getreideexporteure.

Gleichzeitig hat sich ein zwischen den westlichen Partnern einerseits und Russland andererseits ein Kampf um die Deutungshoheit über die sich verschärfende globale Ernährungskrise entwickelt.

Der Kreml behauptet hierbei, dass allein die westlichen Sanktionen der Grund für hohe Getreidepreise und Engpässe seien. Allerdings haben sowohl EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen als auch Bundesagrarminister Cem Özdemir wiederholt darauf hingewiesen, dass Russland die ukrainischen Getreideexporte lange blockierte, die landwirtschaftliche Infrastruktur im Land zerstört und Teile der ukrainischen Ernte entwendet hat.

Breite Staatengruppe verurteilt russische Invasion

Auf dem Spiel steht dabei unter anderem, wie sich beispielsweise die afrikanischen Staaten, von denen viele besonders stark von der Ernährungskrise betroffen sind, zum russischen Angriffskrieg positionieren.

In diesem Kontext warb Selenskyj vor den Delegierten der Konferenz, darunter viele Minister:innen aus afrikanischen Staaten sowie Vertreter:innen der Afrikanischen Union, für Unterstützung.

“Wir müssen alle Staaten aufhalten, die Seewege blockieren und Lebensmittelketten unterbrechen”, betonte er. Trotz der verheerenden Folgen des russischen Angriffskriegs sei die Ukraine immer ein “verantwortungsvoller Teilnehmer” auf den internationalen Märkten gewesen und habe die landwirtschaftliche Produktion unter schwierigsten Bedingungen so weit wie möglich aufrechterhalten.

Tatsächlich einigten sich die Teilnehmenden auf eine Abschlusserklärung, in der “die meisten Mitglieder” den Krieg in der Ukraine “aufs Schärfste” verurteilten. Große Länder wie China und Indien, die bisher gezögert haben, die russische Invasion deutlich zu verurteilen, waren jedoch nicht unter den Unterzeichnern.

Trotzdem begrüßte Özdemir, der Gastgeber der Konferenz, den Schritt.

“Das ist nach dem Beschluss der Vollversammlung der Vereinten Nationen das umfassendste Gremium, in dem ein solcher Beschluss mit einer solchen Klarheit und unter Einbeziehung der Länder des globalen Südens gefasst wurde”, betonte während einer Pressekonferenz nach dem Treffen.

Ende März 2022 hatten in der UN-Vollversammlung 140 Länder für eine Resolution gestimmt, in der ein sofortiges Ende des russischen Angriffskrieges gefordert wurde.

Auch EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski zeigte sich zufrieden. Es sei das erste Mal, dass er ein solch “starkes und vereintes Signal” auf globaler Ebene vernommen habe.

Umschlagplätze in Afrika

Derweil rief Selenskyj die Minister:innen auch zu praktischer Unterstützung dabei auf, weiterhin Exporte aus der Ukraine sicherzustellen. Dazu gehöre unter anderem die Unterstützung der Getreideexporte über die ukrainischen Schwarzmeerhäfen.

“Wir möchten, dass die Industrieländer uns unterstützen, dass sie Getreide aufkaufen und dass sie Schiffe chartern, um humanitäre Nahrungsmitteltransporte in Länder zu ermöglichen, die unter Hunger oder drohendem Hunger leiden”, betonte er.

Gleichzeitig forderte Selenskyj auch Unterstützung bei der Einrichtung von Umschlagplätzen für Getreide in afrikanischen Regionen, die besonders stark von Lebensmittelimporten abhängig sind.

“Wir müssen den Ländern helfen, die am Rande einer Hungerkatastrophe stehen – bitte machen Sie alle mit”, appellierte er.