Schweden plant deutlichen Ausbau des Militärs
Schweden plant, sein Militär um fast ein Drittel auszubauen. Zusätzliche Investitionen in Zivilschutz, Munition und Infrastruktur sollen die Widerstandskraft des neuen NATO-Mitglieds stärken.
Schweden plant, sein Militär um fast ein Drittel auszubauen. Zusätzliche Investitionen in Zivilschutz, Munition und Infrastruktur sollen die Widerstandskraft des neuen NATO-Mitglieds stärken.
Bis 2030 soll die schwedische Armee von derzeit 88.000 auf 115.000 Personen anwachsen. Dazu gehören Berufssoldaten, Wehrpflichtige, zivile Angestellte und die Heimwehr, wie Verteidigungsminister Pål Jonson am Dienstag (15. Oktober), bekanntgab.
„Wir befinden uns in ernsten Zeiten. Es ist dringend notwendig, eine stärkere Verteidigung aufzubauen“, erklärte Jonson bei der Vorstellung seines Verteidigungsgesetzes für den Zeitraum von 2025 bis 2030.
Dieses Gesetz basiert auf Empfehlungen des Verteidigungsausschusses des schwedischen Parlaments. Aufgrund breiter politischer Zustimmung wurde es um ein Jahr vorgezogen.
„Damit können wir stärker und effektiver auf die Veränderungen in der Welt um uns herum reagieren. In erster Linie auf die groß angelegte Invasion Russlands in der Ukraine, aber auch auf unsere Integration in die NATO“, fügte Jonson hinzu.
Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Jahr 2022 beantragten Schweden und Finnland den Beitritt zur NATO. Schweden trat im März als jüngstes Mitglied bei und beendete damit 200 Jahre militärischer Neutralität.
Der Gesetzentwurf sieht für die nächsten fünf Jahre Investitionen 174 Milliarden schwedische Kronen (15,3 Milliarden Euro) in die militärische Verteidigung und 37,5 Milliarden schwedische Kronen (3,3 Milliarden Euro) für den Zivilschutz vor. Angesichts der derzeit angespannten geopolitischen Lage seien diese Investitionen laut der schwedischen Regierung gerechtfertigt.
Durch diese Maßnahmen wird Schweden im Jahr 2028 voraussichtlich 2,6 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgeben, was einem Anstieg von 0,4 Prozentpunkten entspricht. Dies entspreche den NATO-Vorgaben in Bezug auf Schwedens Verteidigungsfähigkeit, so Jonson.
Strategische Ausdauer
Laut dem schwedischen Verteidigungsministerium liegt der Schwerpunkt des neuen Gesetzes auf der Verlängerung der Einsatzdauer bestehender Kampfeinheiten, statt in neue Waffensysteme zu investieren.
Der Gesetzentwurf betont daher die Notwendigkeit, Ausrüstung zu kaufen, insbesondere Munition wie Artilleriegeschosse und Raketen für Kampfflugzeuge.
Daher werden besondere Investitionen in die Luftverteidigung getätigt, vor allem in die Drohnenabwehr und die maritime Luftverteidigung.
„Wir haben ein gutes Verteidigungssystem, aber es ist zu klein und es wird mehr Ausrüstung benötigt“, erklärte der Sprecher des Verteidigungsausschusses, Mikael Oscarsson, während der Pressekonferenz.
Neben der militärischen Verteidigung wird auch die Stärkung der zivilen Widerstandsfähigkeit betont. Carl-Oskar Bohlin, Minister für zivile Angelegenheiten, sprach von einem „Paradigmenwechsel“ im Zivilschutz.
Die schwedische Regierung will die Fähigkeit der Gesellschaft verbessern, mit Kriegssituationen in essenziellen Bereichen wie elektronischer Kommunikation, Transport, Lebensmittel- und Wasserversorgung, Energie, Gesundheit und Notdiensten umzugehen. Diese Sektoren seien entscheidend für die Aufrechterhaltung der schwedischen Gesellschaft, so Bohlin.
„Die Gesamtverteidigung ist für alle Schweden da“, erklärte er abschließend.
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[Bearbeitet von Jeremias Lin/Kjeld Neubert]