Schweden kehrt zur Atomkraft zurück
Das schwedische Parlament hat am Dienstag (20. Juni) ein neues Energieziel verabschiedet und damit der rechtsgerichteten Regierung grünes Licht für den Bau neuer Atomkraftwerke gegeben - in einem Land, das sich vor 40 Jahren für den Ausstieg aus der Atomenergie ausgesprochen hatte.
Das schwedische Parlament hat am Dienstag (20. Juni) ein neues Energieziel verabschiedet und damit der rechtsgerichteten Regierung grünes Licht für den Bau neuer Atomkraftwerke gegeben – in einem Land, das sich vor 40 Jahren für den Ausstieg aus der Atomenergie ausgesprochen hatte.
Die Änderung des Ziels von „100 Prozent erneuerbare Energien“ auf „100 Prozent fossilfreien“ Strom ist entscheidend für den Plan der Regierung, die erwartete Verdoppelung des Strombedarfs auf rund 300 Terawattstunden (TWH) bis 2040 zu decken und bis 2045 Netto-Null-Emissionen zu erreichen.
„Dies schafft die Voraussetzungen für die Kernenergie“, sagte Finanzministerin Elisabeth Svantesson im Parlament. „Wir brauchen mehr Stromproduktion, wir brauchen sauberen Strom und wir brauchen ein stabiles Energiesystem.“
Die schwedischen Parteien haben sich 2016 darauf geeinigt, dass neue Reaktoren an bestehenden Standorten gebaut werden können. Ohne Subventionen wurde dies jedoch als zu teuer erachtet. Die neue Mitte-Rechts-Koalition hält neue Reaktoren für unverzichtbar, um den Übergang zu einer Wirtschaft ohne fossile Brennstoffe voranzutreiben, und hat deswegen großzügige Kreditgarantien versprochen.
Rund 98 Prozent des schwedischen Stroms wird bereits aus Wasser-, Kern- und Windkraft erzeugt.
Der staatliche Energieversorger Vattenfall prüft den Bau von mindestens zwei kleinen modularen Reaktoren und die Verlängerung der Laufzeit der bestehenden Reaktoren des Landes.
Kritiker sagen, Atomkraft sei teuer, brauche zu lange für den Bau und sei unsicher.
Die Konzentration auf die Kernenergie ist Teil eines umfassenderen Wandels in der Umweltpolitik des Landes, das sich lange Zeit als grüner Vorreiter präsentiert hat.
Die Koalition plant, die Beimischung von Biokraftstoffen in Benzin und Diesel zu reduzieren, was zu höheren CO2-Emissionen führen würde, wodurch Schweden seine Emissionsziele für 2030 verfehlen könnte.
Vorschläge Schwedens, den Ländern zu erlauben, Subventionen für Kohlekraftwerke im Standby-Betrieb zu verlängern, sind in der EU ebenfalls auf Bedenken gestoßen. Stockholm wollte außerdem, dass Brüssel ein bahnbrechendes Gesetz zur Wiederherstellung zerstörter natürlicher Lebensräume verwässert.
Im eigenen Land könnten Pläne zur Vereinfachung von Umweltgenehmigungen den Ausbau der Windenergie beschleunigen und Bergleuten die Ausbeutung großer Vorkommen an Seltenen Erden ermöglichen, die für die Herstellung von Elektromotoren von entscheidender Bedeutung sind.