Schuldenkrise setzt USA unter Druck

Die Schuldenkrise hat Europa fest im Griff. Nun sind auch die USA ins Visier der Ratingagenturen geraten. Standard & Poor's hat den Ausblick für die Bewertung der US-Kreditwürdigkeit auf "negativ" gesetzt. Dem weltgrößten Schuldner droht damit der Entzug der Bonitäts-Bestnote "AAA".

Das Bürogebäude der amerikanischen Ratingagentur Standard & Poor’s. S&P hat die Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten infrage gestellt. Foto: dpa
Das Bürogebäude der amerikanischen Ratingagentur Standard & Poor's. S&P hat die Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten infrage gestellt. Foto: dpa

Die Schuldenkrise hat Europa fest im Griff. Nun sind auch die USA ins Visier der Ratingagenturen geraten. Standard & Poor’s hat den Ausblick für die Bewertung der US-Kreditwürdigkeit auf „negativ“ gesetzt. Dem weltgrößten Schuldner droht damit der Entzug der Bonitäts-Bestnote „AAA“.

Die US-amerikanische Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat am Montag den Ausblick für die Bewertung der US-Kreditwürdigkeit auf "negativ" von zuvor "stabil" gesetzt und dem weltgrößten Schuldner vor einem Entzug der Bonitäts-Bestnote "AAA" gewarnt. S&P begründete den ungewöhnlichen Schritt mit der Gefahr, dass sich die Politiker in Washington nicht auf einen Kurs zur Reduzierung des ausufernden Schuldenberges einigen können.

An den Finanzmärkten schlug die Entscheidung hohe Wellen. Die Börsen beiderseits des Atlantiks gaben nach und auch die asiatischen Aktienmärkte tendierten am Dienstag im Minus.

Deutschland als Maßstab

"Mehr als zwei Jahre nach Beginn der aktuellen Krise haben sich die US-Politiker noch immer nicht geeinigt, wie sie den finanzpolitischen Abwärtstrend umkehren oder den langfristigen Finanzdruck angehen", erläuterten S&P-Analysten. Die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts der Bestnote innerhalb von zwei Jahren bezifferten sie auf mindestens 33 Prozent. Die USA hätten im Vergleich zu anderen Ländern mit der Bestnote "AAA" – wie Deutschland – sehr hohe Haushaltsdefizite. "Wie diese reduziert werden sollen, ist uns nicht klar." Der S&P-Analyst David Beers erklärte, der Graben zwischen den beiden Parteien im Kongress sei noch nie so groß gewesen.

Druck auf Obama und Kongress

Die Warnung von S&P erhöht den Druck sowohl auf Präsident Barack Obama als auch auf dem Kongress, einen langfristigen Plan zum Schuldenabbau anzugehen. Die US-Regierung antwortete mit scharfer Kritik und sprach von einer "politischen Entscheidung" der Ratingagentur, die man zurückweise.

Wegen der Finanzkrise und der von ihr ausgelösten schwersten Rezession der Nachkriegszeit hat sich der Schuldenberg der USA auf mehr als 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erhöht. Die Neuverschuldung beläuft sich auf fast 1,5 Billionen Dollar oder rund zehn Prozent der Wirtschaftsleistung. Als nächster Streit steht eine Erhöhung der Schuldengrenze von derzeit 14,3 Billionen Dollar an, ohne die dem Bund in den kommenden Monaten die Zahlungsunfähigkeit droht. Ein entsprechendes Gesetz müsste aber den Kongress passieren, wo eine Kammer von Obamas Demokraten und die andere von Republikanern kontrolliert wird.

Schuldzuweisungen

In ersten Reaktionen machten Abgeordnete beider Parteien der jeweils anderen Seite Vorwürfe. Der republikanische Abgeordnete Eric Cantor sprach in einem Seitenhieb auf die Demokraten von einem Weckruf für diejenigen, die die Schuldenobergrenze blind erhöhen wollten. Der demokratische Abgeordnete Steny Hoyer hielt dagegen, die Warnung belege, dass die Republikaner die Schulden-Obergrenze nicht für politische Spielchen missbrauchen dürften. Vertreter der erzkonservativen Tea Party wie der Republikaner Blake Farenthold sprachen unterdessen von einer Bestätigung ihrer Forderungen nach massiven Ausgabenkürzungen. Umfragen zufolge wird die Haushaltslage eine wichtige Rolle bei der Präsidentschaftswahl 2012 spielen.

Angesichts des anhaltenden Streits zeigten sich einige Politiker skeptisch über die Chancen des Kongresses, die Probleme in den Griff zu kriegen. Der republikanische Abgeordnete Ron Paul sagte über seine Kollegen in beiden Parteien: "Sie werden keine Fortschritte hin zu einer Einigung hinbekommen, denn sie sind sich einig, Geld auszugeben." Unter Analysten und Finanzexperten gingen die Meinungen ebenfalls auseinander.

Moody’s bleibt optimistisch

Die Ratingagentur Moody’s kam zu einem anderen Schluss als ihr Rivale S&P. In einem wöchentlichen Ausblick hieß es, die in den USA entbrannte Diskussion über die Haushaltskonsolidierung sei eine positive Entwicklung und könne einen politischen Kurswechsel einleiten, wenn auch der Ausgang des Streits offen sei. Zudem seien die USA eine der wenigen großen Volkswirtschaften, die noch keinen Kurs zur Senkung des Defizits vorgelegt hätten, kritisierte Moody’s. In dem Bericht wird für die USA unverändert das höchste Rating mit einem stabilen Ausblick angegeben.

EURACTIV/rtr

Links


Zum Thema auf EURACTIV.de