Russland und Ukraine - Keine Einigung im Erdgas-Streit

Die Gefahr eines neuen "Gas-Kriegs" mit Lieferengpässen für Europa bleibt bestehen. Russland und die Ukraine haben sich nicht auf ein neues Erdgas-Abkommen einigen können. Ministerpräsident Wladimir Putin zeigt sich dennoch zufrieden mit dem Stand der Zusammenarbeit im Energiesektor.

Russland Ministerpräsident Wladimir Putin (2.v.r.) erklärte in Kiew, dass er mit dem aktuellen Stand der Zusammenarbeit im Energiesektor zufrieden ist. Foto: dpa
Russland Ministerpräsident Wladimir Putin (2.v.r.) erklärte in Kiew, dass er mit dem aktuellen Stand der Zusammenarbeit im Energiesektor zufrieden ist. Foto: dpa

Die Gefahr eines neuen „Gas-Kriegs“ mit Lieferengpässen für Europa bleibt bestehen. Russland und die Ukraine haben sich nicht auf ein neues Erdgas-Abkommen einigen können. Ministerpräsident Wladimir Putin zeigt sich dennoch zufrieden mit dem Stand der Zusammenarbeit im Energiesektor.

Die Ukraine und Russland haben sich nicht auf ein neues Erdgas-Abkommen einigen können. Damit bleibt die Gefahr eines neues "Gas-Kriegs" mit Lieferengpässen wie im Januar 2009 im Raum. Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin sagte bei einem Treffen mit seinem Kollegen Mykola Asarow in Kiew, er sei zuversichtlich, dass eine für beide Seiten annehmbare Einigung gefunden werden könne. Die Verhandlungen sollten fortgesetzt werden.

Erst vor wenigen Wochen hatte Asarow im Gespräch mit EURACTIV erklärt, dass sein Land keineswegs "Ermäßigungen" oder "privilegierte Anteile" an importiertem russischen Gas erhalten wolle. Er betonte jedoch, dass das derzeitige Gas-Abkommen, das seine Amtsvorgängerin Julia Timoschenko unterschrieben hatte, "unfair" sei (EURACTIV.de vom 15. Oktober).

Putin: mehr auf Hochtechnologie konzentrieren

Putin erklärte, Russland sei zufrieden mit dem aktuellen Stand der Zusammenarbeit im Energiesektor. Beide Staaten sollten sich jedoch mehr auf Hochtechnologien konzentrieren.
 
Im Energiesektor müsste man im Bereich der Atomenergie enger zusammenarbeiten, sagte Putin am Mittwoch (27. Oktober) nach den Gesprächen mit Asarow. Auch im Flugzeug- und Schiffbau und in der Raumfahrt müssten die Partner auf High-Tech setzen.

"Dynamik der Wirtschaftskooperation beibehalten"

Putin würdigte den wachsenden Handel zwischen beiden Staaten, der im Zeitraum von Januar bis September um 77 Prozent gegenüber dem Vorjahresstand zugenommen hat. Russland sei der zweitgrößte Investor der Ukraine hinter Deutschland, so Putin. Beide Staaten müssten die aktuelle Dynamik ihrer Wirtschaftskooperation beibehalten und gemeinsam auf dritte Märkte expandieren.

Die Ukraine und Russland hatten im vergangenen Jahr einen Gasvertrag über zehn Jahre geschlossen. Die Regierung in Kiew will jedoch einen Preisnachlass (EURACTIV.de vom 27. August 2010).

Russland verlangt im Gegenzug einen Anteil am ukrainischen Pipeline-Netz, über das auch 80 Prozent des für Europa bestimmten Erdgases der russischen Gazprom geliefert wird. Damit würde die Ukraine jedoch ein wichtiges Druckmittel bei Verhandlungen verlieren. Wegen des Streites im Januar 2009 war die Verbindung nach Europa etwa zwei Wochen lang unterbrochen.

EURACTIV / rtr / RIA Novosti / dto

Links

EURACTIV.de: Russlands Vertrauensproblem mit der Ukraine (15. Oktober 2010)

EURACTIV.de: Wendet sich die Ukraine von Europa ab? (7. Oktober 2010)

EURACTIV.de: Janukowitsch ist kein Euroromantiker (1. September 2010)

EURACTIV.de: Deutsche Interessen in der Ukraine (23. August 2010)

EURACTIV.de: Kiew will Gasvertrag mit Russland revidieren (27. August 2010)

EURACTIV.de: Lytwyn: "Ohne die Ukraine ist Europa unvollständig" (18. Juni 2010)