Russland fordert Debatte um Cybersicherheit

Die Nato weicht ungerechtfertigt der Debatte um Cybersicherheit aus, kritisiert der russische Nato-Botschafter Dmitri Rogosin. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz Anfang Februar steht das Thema erstmals mit auf der Agenda.

Russlands Nato-Botschafter Dmitri Rogosin fordert die USA auf, sich der Debatte um Cybersicherheit zu stellen. Foto: dpa
Russlands Nato-Botschafter Dmitri Rogosin fordert die USA auf, sich der Debatte um Cybersicherheit zu stellen. Foto: dpa

Die Nato weicht ungerechtfertigt der Debatte um Cybersicherheit aus, kritisiert der russische Nato-Botschafter Dmitri Rogosin. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz Anfang Februar steht das Thema erstmals mit auf der Agenda.

"Der Zwischenfall mit der Siemens-Software, wo ein Virus zu einer unkontrollierten Rotation der Zentrifugen im iranischen Atomkraftwerk Bushehr geführt hat, zeugt davon, dass derartige Minen, die in die empfindlichen Ausrüstungen gelegt werden, neue Tschernobyls herbeiführen können", sagte der russische Nato-Botschafter Dmitri Rogosin Journalisten nach einer Sitzung des Nato-Russland-Rates auf Botschafterebene am Mittwoch in Brüssel.

Stuxnet

Rogosin bezog sich auf den gefährlichen Computervirus Stuxnet, der vor einigen Monaten in die Software der Ausrüstung gelangte, die Siemens an das iranische Atomkraftwerk geliefert hatte. Stuxnet ist ein komplexes Virenprogramm, das Industrieanlagen angreift. Es wird spekuliert, dass es von amerikanischen oder israelischen Geheimdiensten entwickelt wurde.

"Soweit uns bekannt ist, führte das dazu, dass die Angestellten auf den Bildschirmen eine ruhige Arbeit der Zentrifugen sahen, während diese faktisch außer Kontrolle gerieten", sagte Rogosin.

Der Nato-Russland-Rat müsse Mut fassen und eine Untersuchung dieses Zwischenfalls in die Wege leiten.

"Vielleicht wird der Rahmen der Zusammenarbeit zwischen Russland und den westlichen Ländern in Sachen Cybersicherheit auf Basis dieser Untersuchung festgelegt. Bisher war dies ein Tabu-Thema. Unser vor einem halben Jahr unterbreitete Vorschlag, diese Frage in eine Übersicht über allgemeine Bedrohungen aufzunehmen, fand keine Antwort", so Rogosin.

Münchner Sicherheitskonferenz

Bei der Münchner Sicherheitskonferenz vom 4. bis 6. Februar werden die Experten über mögliche Regeln, also Einschränkungen, zur Nutzung des Netzes für Cyber-Aggressionen und Abwehrreaktionen nachdenken. Mittelfristig müsse es darum gehen, ein Cyberwar-Pendant zum humanitären Kriegsvölkerrecht zu erarbeiten, hat Wolfgang Ischinger, Vorsitzender dieser Konferenz, angekündigt. (Euractiv.de vom 18. Januar 2011)

red mit Ria Novosti