Russischer Gastransit durch Bulgarien auf Rekordhoch

Aktuelle Daten zeigen, dass der Gastransit über die TurkStream-BalkanStream-Pipeline in Bulgarien im Januar einen historischen Höchststand erreicht hat. Zur gleichen Zeit hatte die Ukraine den Transit von russischem Gas über ihr Territorium eingestellt.

EURACTIV.bg
Bulgaria-Serbia Gas Connection
Die Pipeline durch Bulgarien mit einer Kapazität von 15,75 Milliarden Kubikmetern ist derzeit die einzige aktive Route für russisches Gas nach Europa. [Georgi Paleykov/NurPhoto via Getty Images]

Aktuelle Daten zeigen, dass der Gastransit über die TurkStream-BalkanStream-Pipeline in Bulgarien im Januar einen historischen Höchststand erreicht hat. Zur gleichen Zeit hatte die Ukraine den Transit von russischem Gas über ihr Territorium eingestellt.

Sofia – Laut Daten des Europäischen Netzes der Fernleitungsnetzbetreiber für Gas (ENTSOG) stieg die Versorgung mit russischem Gas über die bulgarische Pipeline im Jahresvergleich um 26,7 Prozent und erreicht damit einen historischen Rekordwert.

Die Pipeline, die russisches Gas durch Bulgarien transportiert, wurde während der dritten Amtszeit des langjährigen Ministerpräsidenten Boiko Borissow gebaut. In der Türkei wird sie TurkStream genannt, in Bulgarien trägt sie den Namen BalkanStream. Der bulgarische Abschnitt der Pipeline, der am 1. Januar 2021 in Betrieb genommen wurde, kostete 2,15 Milliarden Lewa (1,1 Milliarden Euro).

Die Pipeline durch Bulgarien mit einer Kapazität von 15,75 Milliarden Kubikmetern ist derzeit die einzige aktive Route für russisches Gas nach Europa. Sie transportiert Gas nach Serbien, Rumänien, Griechenland, Nordmazedonien, Bosnien und Herzegowina sowie nach Ungarn. Nach der Einstellung des Gastransits über die Ukraine am 1. Januar nahmen die Gasmengen zu.

Obwohl Bulgarien selbst kein russisches Gas für den Eigenbedarf kauft, erzielt das Land erhebliche Einnahmen aus dem Transitgebühren. Nach Angaben des Europäischen Rates für Außenbeziehungen passierten im Jahr 2024 rund 15 Milliarden Kubikmeter Gas die Pipeline.

Recherchen von Euractiv zeigen, dass BalkanStream seit seiner Inbetriebnahme 1,7 Milliarden Lewa (870 Millionen Euro) an Transitgebühren eingebracht hat. Diese Berechnung basiert auf öffentlich zugänglichen Daten.

Auf Anfrage erklärte ENTSOG, dass trotz des Anstiegs die technische Kapazität an der bulgarisch-serbischen Grenze noch nicht erreicht sei. Bisher sei nahezu die gesamte Kapazität von Gazprom gebucht – mit Verträgen, die bis 2039 laufen.

Derzeit hat das bulgarische Gasunternehmen Bulgartransgaz keine Bedenken hinsichtlich der Transitgebühren oder der von Gazprombank abgewickelten Zahlungen, obwohl diese unter die Sanktionen des US-Finanzministeriums (Office of Foreign Assets Control, OFAC) fallen. Für Transaktionen im Zusammenhang mit dem bulgarischen Abschnitt von TurkStream gilt jedoch eine Sanktionsausnahme bis zum 20. März 2025. Danach wird ein anderes Zahlungssystem erforderlich sein.

Bleibt eine Lösung aus, werden die Länder in der Region schwer von Gasknappheit betroffen sein – besonders Ungarn, das seine Gasversorgung bislang nicht diversifiziert hat, würde vollständig ohne Gas dastehen.

[KN]