Russische Mobilisierung: Niederlage des Kreml rückt näher

Politiker und Experten in Polen sind sich bei einem Punkt einig: Der Krieg läuft nicht im Sinne des Kremls.

EURACTIV.pl
Niedzwiedz-22 military exercise in Nowa Deba
"Russland wird sein Zerstörungswerk fortsetzen und versuchen, die Ukraine zu zerstören und sich eines Teils ihres Territoriums zu bemächtigen. Dem können wir nicht zustimmen", erklärte der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki. [EPA-EFE/DAREK DELMANOWICZ]

Die von Wladimir Putin angekündigten Mobilisierung russischer Reservisten bedeutet vor allem eins: Der Krieg läuft nicht im Sinne des Kremls, da sind sich polnische Politiker:innen und Expert:innen einig.

Die Rede, die Putin am Mittwochmorgen hielt, fand in Polen ein breites Echo, bei den Nachbarn spielt der Krieg weiterhin eine große Rolle. Der russische Präsident kündigte an, dass weitere 300.000 mobilisierte Reservisten in den Ukraine-Krieg geschickt werden sollen.

Bemerkenswert ist, dass der Kreml den Krieg in der Ukraine als „besondere Militäroperation“ bezeichnet und keine Misserfolge zugibt.

„Russland wird sein Zerstörungswerk fortsetzen und versuchen, die Ukraine zu zerstören und sich eines Teils ihres Territoriums zu bemächtigen. Dem können wir nicht zustimmen“, erklärte der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki.

„Wir wollen mit Russland in Frieden leben, mit einem friedlichen Russland, einem Russland mit einer friedlichen Haltung gegenüber der ganzen Welt. Aber wenn Russland seine brutale Stärke zeigt, müssen wir unsere Verteidigungsstärke zeigen“, betonte der Premier.

Auch der polnische Präsident Andrzej Duda äußerte sich während der UN-Generalversammlung in New York zu Russland.

„Dieser Krieg, wie auch alle anderen Konflikte, die heute in der Welt stattfinden, muss vom Aggressor verloren werden“, sagte er. In seiner Rede kritisierte er Russland auch für die Auslösung einer Nahrungsmittelkrise, die vor allem Länder in Afrika und im Nahen Osten treffen wird.

„Es gibt nur wenige Dinge, die dem Zusammenbruch eines Imperiums förderlicher sind als eine erzwungene Mobilisierung. Nur wenn der Westen an seiner Solidarität und Unterstützung für die Ukraine festhält, wird die Niederlage Russlands sehr real. Um jedoch die russische Energieerpressung zu überleben, muss sich Europa heute um seine Bürger kümmern“, twitterte der sozialistische Abgeordnete Maciej Konieczny.

„Eine Teilmobilisierung bedeutet vor allem, dass man sich im Kreml – wahrscheinlich zum ersten Mal – der realen Aussicht auf eine Niederlage bewusst ist“, meint Dr. Agnieszka Legucka vom Polnischen Institut für Internationale Angelegenheiten.

In einem Interview mit EURACTIV sagte sie außerdem, dass „vor allem Putin seine eigene Propaganda geglaubt hat“.

Die Expertin geht auch davon aus, dass Russland nun versuchen wird, den Westen einzuschüchtern, indem es auf die stärkste Waffe in seinem Arsenal zurückgreift – Atomwaffen.

Nach Einschätzung der Analystin ist in Kürze mit einem Atomtest auf einem russischen Übungsplatz zu rechnen.