Russische Geheimdienste wollten tschechische Diplomaten rekrutieren

Der stellvertretende tschechische Botschafter in Moskau wurde von den russischen Behörden aufgefordert, mit den russischen Geheimdiensten zusammenzuarbeiten, bevor er des Landes verwiesen wurde. Er weigerte sich, zu kooperieren.

EURACTIV.cz
main_lead
Nach Angaben tschechischer Medien könnte es sich bei dem Rekrutierungsversuch um eine Provokation der russischen Behörden oder um einen Versuch gehandelt haben, psychologischen Druck auf die tschechischen diplomatischen Dienste auszuüben. [[Shutterstock/Jakub Krechowicz]]

Der stellvertretende tschechische Botschafter in Moskau wurde von den russischen Behörden aufgefordert, mit den russischen Geheimdiensten zusammenzuarbeiten, bevor er des Landes verwiesen wurde. Er weigerte sich, zu kooperieren.

Moskau wies am vergangenen Mittwoch (13. April) den stellvertretenden tschechischen Botschafter Tomáš Hart aus und reagierte damit auf die Ausweisung seines russischen Amtskollegen aus der Tschechischen Republik im März.

Wie Deník N und Respekt berichten, wurde Hart Ende März von russischen Geheimdiensten kontaktiert. Er erhielt ein Schreiben, in dem er zu einem Treffen in Moskau eingeladen wurde.

Hart ging jedoch nicht auf das Angebot ein und meldete die Sache dem tschechischen Außenministerium.

Nach Angaben tschechischer Medien könnte es sich bei dem Rekrutierungsversuch um eine Provokation der russischen Behörden oder um einen Versuch gehandelt haben, psychologischen Druck auf die tschechischen Diplomaten auszuüben.

Neben Hart wurde auch eine weitere tschechische Diplomatin angesprochen. Ein unbekannter Mann sagte ihr, dass sie aus Russland ausgewiesen würde, wenn sie nicht kooperiere. Der Diplomatin wurde auch mit dem subtilen Hinweis gedroht, die Geheimdienste würden ihre Familie kennen.

Die diplomatischen Beziehungen zwischen der Tschechischen Republik und Russland befinden sich auf einem historischen Tiefpunkt.

Ende März wurden tschechische Diplomaten in Moskau in ihrer Arbeit behindert, woraufhin das tschechische Außenministerium den russischen Botschafter nach Prag einbestellte, um gegen das inakzeptable Verhalten der Behörden in Moskau zu protestieren.

Der stellvertretende russische Botschafter wurde daraufhin aus der Tschechischen Republik ausgewiesen, da er unter diplomatischer Tarnung für den russischen Geheimdienst tätig war. Im Gegenzug beschloss Russland, auch den stellvertretenden tschechischen Botschafter auszuweisen.

Derzeit arbeiten sechs Diplomat:innen in der russischen Botschaft in Prag. Die tschechische Botschaft in Moskau beschäftigt 17 Mitarbeiter:innen, darunter auch weiterhin Diplomat:innen.