Schweden bereitet sich auf hybride Angriffe Russlands vor
Russland sei die Bedrohung, auf die Schweden seine Verteidigung ausrichten müsse, sagte Schwedens neuer Oberbefehlshaber Michael Claesson. Die NATO rückt derweil den Schutz von erneuerbarer Energiesystemen in den Fokus.
Russland sei die Bedrohung, auf die Schweden seine Verteidigung ausrichten müsse, sagte Schwedens neuer Oberbefehlshaber Michael Claesson. Die NATO rückt derweil den Schutz von erneuerbarer Energiesystemen in den Fokus.
Der neue Oberbefehlshaber der schwedischen Streitkräfte, der am Dienstag (1. Oktober) sein Amt antreten wird, gab der schwedischen Presseagentur TT ein Interview, in dem er seine Vision der angespannten strategischen Lage, in der sich sein Land befindet, darlegte.
„Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine bestimmt alles, was wir tun“, sagte Claesson.
Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Jahr 2022 beantragten Schweden und Finnland den Beitritt zur NATO. Schweden ist nun seit März das neueste Mitglied der Allianz und beendete damit seine 200-jährige militärische Bündnisfreiheit.
Als neuer Chef der Streitkräfte will Claesson den Fokus stärker auf das schwedische Militär legen. Er warnte, dass Russland, das derzeit strategisch unberechenbar sei, Schweden direkt ins Visier nehmen könnte.
„Wir sollten nicht ausschließen, dass Russland bereit ist, die NATO herauszufordern“, sagte er.
Im Falle Schwedens spielt Claesson die Gefahr einer großen Bodeninvasion herunter und verweist stattdessen auf die sogenannte „hybride Kriegsführung“. Dazu gehören unter anderem Cyber-Angriffe und Angriffe mit Langstreckenraketen auf zivile Ziele.
„Mein Vorgänger hat sehr deutlich gemacht, dass ein Krieg oder eine kriegsähnliche Situation auch in Schweden eintreten kann“, sagte er. Der neue Oberbefehlshaber fügte hinzu, dass die schwedische Luftverteidigung trotz ihrer Einsatzbereitschaft nicht in der Lage sei, mit solchen Bedrohungen fertig zu werden.
„Das Wichtigste ist vielleicht, dass wir nicht allein sind“, sagte er und bezog sich dabei auf die NATO.
Schutz erneuerbarer Energien
Während der Winter naht und der Krieg in der Ukraine weitergeht, erkennt Schweden – zusammen mit seinen nordischen Nachbarn – die Notwendigkeit, Anlagen von erneuerbarer Energien zu schützen. Die Technologie verringert die Abhängigkeit Europas von russischer Energie, aber erhöht zugleich auch das Risiko von hybriden Angriffen.
Zu diesem Zweck veranstaltete die NATO letzte Woche die internationale Militärübung „Nordic Pine“ in Jönköping in Südschweden und Espoo in der Nähe von Helsinki. Dabei wurde geprobt, hybride Angriffe auf erneuerbare Energiesysteme wie Windmühlen und Solaranlagen zu vereiteln.
„Wir betrachten die Verwundbarkeit des Sektors der erneuerbaren Energien als Quelle der modernen hybriden Kriegsführung besonders genau“, sagte der Chefwissenschaftler der NATO, Bryan Wells, letzte Woche dem schwedischen Sender SVT.
Für die NATO haben vermutete hybride Angriffe Russlands in den letzten Jahren dazu geführt, dass die Allianz der Verteidigung gegen solche Angriffe Priorität einräumt. Die Tatsache, dass Nordic Pine nun eine offizielle NATO-Übung ist, ist Teil dieser Bemühungen.
Für die Allianz wäre das Albtraumszenario ein Cyberangriff, der zu einem mehrwöchigen Stromausfall führt.
Die wachsende Bedrohung für erneuerbare Energiequellen betrifft auch die Lieferketten, bei denen Komponenten aus dem Ausland stammen können.
„Diese Lieferketten werden zunehmend als Waffen eingesetzt, sie werden zur Manipulation oder sogar Erpressung verwendet, und deshalb üben wir diese Art von Bedrohungs- und Risikoübung“, sagte Freddy Jönsson Hanberg, Leiter der Übung, gegenüber schwedischen Medien.
[Bearbeitet von Daniel Eck/Kjeld Neubert]