Reaktionen zum Tod von Otto Habsburg
Ein großer Europäer, ein Mann des Glaubens, ein Kämpfer für die Freiheit - EURACTIV.de dokumentiert die Reaktionen auf den Tod des Kaiser-Sohns Otto von Habsburg. Anfang der 80er Jahre ließ Habsburg im Plenarsaal des Europäischen Parlaments in Straßburg einen leeren Stuhl aufstellen - als Symbol dafür, dass die Länder Mittel- und Osteuropas noch fehlen.
Ein großer Europäer, ein Mann des Glaubens, ein Kämpfer für die Freiheit – EURACTIV.de dokumentiert die Reaktionen auf den Tod des Kaiser-Sohns Otto von Habsburg. Anfang der 80er Jahre ließ Habsburg im Plenarsaal des Europäischen Parlaments in Straßburg einen leeren Stuhl aufstellen – als Symbol dafür, dass die Länder Mittel- und Osteuropas noch fehlen.
Otto von Habsburg starb am Montag im Alter von 98 Jahren in seinem Haus im bayerischen Pöcking. "Er ist friedlich eingeschlafen", erklärte eine Sprecherin der Familie. Otto von Habsburg war unter den ersten direkt gewählten Mitgliedern des Europäischen Parlaments im Jahr 1979, in dem er 20 Jahre tätig war. Von 1973 bis 2004 war Habsburg Präsident der Internationalen Paneuropa Union, von 2004 bis 2011 deren Ehrenpräsident. Habsburg hatte sich dieser ältesten Bewegung für die europäische Einheit bereits in den 30er Jahren angeschlossen.
Otto von Habsburg wurde 1912 als ältester Sohn des späteren Kaisers Karl I. und seiner Frau Zita geboren. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Zerfall der Donaumonarchie wurde die Kaiserfamilie aus Österreich verbannt. Erst 1966 durfte der Kaisersohn wieder in seine Heimat einreisen. Seit den 50er Jahren lebte er mit seiner Frau Regina von Sachsen-Meiningen in Bayern. Otto von Habsburg war lange Jahre für die CSU Europaabgeordneter und repräsentierte seine Familie in der Öffentlichkeit.
"Hoffnung auf eine Wiedervereinigung Europas"
Der Präsident des Europäischen Parlaments, Jerzy Buzek, erklärte: "An diesem Morgen ist ein europäischer Gigant verschieden. Ich trauere um den Tod von Otto von Habsburg, um den Tod eines Freundes, um den Tod eines langjährigen Mitglieds des Europäischen Parlaments, um den Tod eines Großen der europäischen Integration." In den dunkelsten Stunden der Geschichte des europäischen Kontinents sei Otto von Habsburg ein Felsen der Wahrheit und Menschlichkeit gewesen. "Er widerstand dem Nationalsozialismus mit derselben Entschlossenheit, mit der er gegen die kommunistischen Regime des Ostblocks opponiert hat", so Buzek. "Er hat die Flamme der Hoffnung auf eine Wiedervereinigung Europas am Leben erhalten, als viele andere längst aufgegeben hatten. Ich werde niemals den Moment vergessen, als das Paneuropäische Picknick, das Otto von Habsburg am 27. Juni 1989 an der österreich-ungarischen Grenze organisiert hatte, die ersten Löcher in den Eisernen Vorhang der Schande riss." Buzek sagte: "Otto von Habsburg war ein Mann des Glaubens und seiner unerschütterlichen Werte, ein Mann im Dienst an seinem Nächsten. Er war ein wahrer Erbe des Besten, für das Europa heute steht. Wir werden ihn immer in dankbarem Gedenken halten. Er wird immer mit uns sein."
"Klares Eintreten gegen jede Form des Totalitarismus"
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erklärte: "Mit Otto von Habsburg ist ein großer Europäer von uns gegangen, der dem europäischen Einigungswerk zeit seines reichen Lebens wichtige Impulse verliehen hat. Als langjähriger Abgeordneter und zuletzt Alterspräsident des Europäischen Parlamentes hat er die europäische Erfolgsgeschichte mitgeprägt. Als Präsident der Internationalen Paneuropa-Union leistete er einen zentralen Beitrag zur Öffnung des eisernen Vorhangs und zur friedlichen Wiedervereinigung unseres viel zu lange geteilten Kontinents. Sein klares Eintreten gegen jede Form des Totalitarismus und für Europas Grundwerte wird mir besonders in Erinnerung bleiben. Gerade in schwierigen Zeiten sollte Otto von Habsburgs Einsatz für Europa uns allen politisches Vorbild sein."
"Lateinisch oder Ungarisch im Plenarsaal"
Als Sprecher der EVP-Fraktion im Auswärtigen Ausschuss setzte sich der Sohn des österreichischen Kaisers frühzeitig für die Öffnung der EU für die Länder Mittel- und Osteuropas ein. Anfang der 80er Jahre ließ Otto von Habsburg im Plenarsaal des Europäischen Parlaments in Straßburg einen leeren Stuhl als Symbol für die Länder Mittel- und Osteuropas, die noch nicht Mitglied der Europäischen Union sein können, aufstellen. "Otto von Habsburg hat sich in seinem Kampf für die Freiheit der Menschen in ganz Europa nie vom Zeitgeist beirren lassen", so der Vorsitzende der CSU-Europagruppe Markus Ferber. "Besonders ist mir in Erinnerung geblieben, dass er des Öfteren auf Lateinisch oder Ungarisch das Wort im Plenarsaal ergriffen hat, und damit das gemeinsame Erbe und die politischen Herausforderungen Europas zum Ausdruck gebracht hat. Die jetzt beschlossene Erweiterung der Europäischen Union um Kroatien war Otto von Habsburg in den letzten Jahren ein besonderes Anliegen", so Ferber.
"Letzter großer Baumeister der Europäischen Einigung"
Der Präsident der Paneuropa-Union Deutschland und CSU-Europaabgeordnete Bernd Posselt würdigte Habsburg als "den letzten großen Baumeister der Europäischen Einigung aus der Pionier-Generation". Posselt, der fast zwei Jahrzehnte Mitarbeiter Otto von Habsburgs war, erklärte, daß dieser sich "schon in den dreißiger Jahren der Paneuropa-Bewegung anschloß, gegen Nationalsozialismus und Kommunismus kämpfte, die politische Einigung Europas mit dem Ziel eines starken supranationalen Bundes vorantrieb und entscheidend dazu beitrug, den Eisernen Vorhang niederzureißen". Nach der ersten Europawahl 1979 habe der Verstorbene "in der europäischen Volksvertretung als einer ihrer Motoren gewirkt und wir werden dieses Vermächtnis gegen alle Tendenzen zur Renationalisierung weitertragen". Aus tiefer christlicher Überzeugung sei der langjährige Präsident und jetzige Ehrenpräsident der Paneuropa-Union einer jener vorbildlichen Politiker gewesen, "die eine glaubwürdige Persönlichkeit und eine klare Programmatik mit einer unermüdlichen Basisarbeit vereinten". Posselt, der auch Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe ist, dankte dem ehemaligen Thronfolger von Österreich-Ungarn und damit letzten Kronprinzen von Böhmen, "daß er stets mit Herzblut für Bayerns Vierten Stamm, zu dem er sich zählte, gekämpft hat".
"Kritischer Geist"
Alexander Graf Lambsdorff, Vorsitzender der FDP im Europäischen Parlament, erklärte: "Mit dem Tode Otto von Habsburgs geht fast ein Jahrhundert gelebter europäischer Geschichte zu Ende. Die deutschen Liberalen verneigen sich vor dem großen Europäer, kritischen Geist und aktiven politischen Gestalter. Wir werden sein Andenken in Ehren halten."
Red. mit EURACTIV/rtr
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Presse
Die Presse: Historiker: "Habsburg Symbol für vergangene Größe" (4. Juli 2011)
Der Standard: Otto Habsburg trug als Letzter die geschichtliche Aura des Hauses Habsburg (4. Juli 2011)