Rating-Agenturen: Kommission blickt auf US-amerikanisches "Modell" [DE]
Die Europäische Kommission erwägt die Einführung von Regelungen, wie sie in den USA angewendet werden, um Kredit-Rating-Agenturen zu regulieren. Diese werden weithin dafür verantwortlich gemacht, zur Subprime-Krise in den USA und den darauf folgenden Problemen auf den weltweiten Finanzmärkten beigetragen zu haben.
Die Europäische Kommission erwägt die Einführung von Regelungen, wie sie in den USA angewendet werden, um Kredit-Rating-Agenturen zu regulieren. Diese werden weithin dafür verantwortlich gemacht, zur Subprime-Krise in den USA und den darauf folgenden Problemen auf den weltweiten Finanzmärkten beigetragen zu haben.
Das regulative Vakuum in der EU, von dem Ratingagenturen wie Fitch and Moody’s profitiert haben, wird bis Ende des Jahres beseitigt werden. Charlie McCreevy, der EU-Kommissar für den Binnenmarkt stellte gestern (31. Juli 2008) regulative Alternativen vor, die er bis September einer öffentlichen Debatte unterziehen wird. Im Anschluss daran sollen im Herbst neue Regelungen vorgeschlagen werden.
Die Finanzminister der EU gaben im Juli (EURACTIV vom 8. Juli 2008) endgültig grünes Licht für das Vorgehen; nun steht fest, dass Rating-Agenturen Genehmigungen einholen müssen, bevor sie sich in Europa betätigen dürfen. Die Kommission scheint zudem überzeugt zu sein, dass die Registrierung auf EU-weiter Ebene stattfinden sollte, um administrative Verfahren in jedem einzelnen europäischen Land, indem die Agenturen operieren, zu vermeiden.
Offen ist noch, wer für diese Aufgabe verantwortlich sein wird. Im vergangenen Monat schien Kommissar McCreevy sich entschieden zu haben, eine stärker koordinative Rolle für den CESR, den Ausschuss der europäischen Wertpapierregulierungsbehörden vorzuschlagen. Die Konsultation, die gestern begonnen hat, legt jedoch die Schaffung einer vollkommen neuen EU-Agentur als viable Alternative zu einem CESR mit mehr Befugnissen dar.
Zudem geht es um das traditionelle Dilemma zwischen einem zentralisierten EU-weiten Ansatz und lockerer Zusammenarbeit der Regierungen. In jedem Fall scheint es klar, dass, während das Genehmigungsverfahren auf europäischer Ebene stattfinden wird, die Kontrolle und Übertragung den nationalen Behörden überlassen sein wird.
McCreevy befragte die entsprechenden Akteure der Branche, wie das Verlassen der EU auf Ratings gemindert werden könne. Er sei überzeugt, dass ein übermäßiges Vertrauen auf Ratings in der EU-Gesetzgebung Banken und andere Finanzinstitutionen entmutigt haben könnte, ihre eigene Unternehmensbewertung durchzuführen, so McCreevy. Sie sollten nicht vom Gesetz ermutigt werden, bei der Risikobewertung allein auf Ratings zu vertrauen, erklärte McCreevy am 31. Juli 2008, als er die öffentliche Befragung startete. Es ist daher wahrscheinlich, dass Finanzinstitutionen aufgefordert werden, ihre eigenen Risikobewertungen vorzunehmen.
Brüssel betont, dass die geplanten neuen regulativen Maßnahmen „jedoch nicht in die Ratingmethoden oder –beschlüsse“ eingriffen, „die nach wie vor in die alleinige Zuständigkeit und Verantwortung der Ratingagenturen fallen“, heißt es in einer Pressemitteilung, die von der Kommission herausgegeben wurde.
Auch die Regelungen, die gegenwärtig in anderen Ländern gelten, würden berücksichtigt, wenn die Kommission im Herbst ihre Vorschläge vorlegt. Kommissionsexperten erklären, dass das in den USA angewandte System als „Modell“ für unterschiedliche Aspekte dienen werde, trotz der Mängel, die während der Kreditkrise zum Vorschein kamen. Sie zeigten sich jedoch auch zuversichtlich, dass das Modell als Inspiration dienen könne und betonten, dass die Subprime-Krise stattgefunden habe, bevor die neuen Regelungen in Kraft getreten waren.