Rail Baltica: Hochgeschwindigkeitszugverbindung ins Baltikum nimmt an Fahrt auf
In Tallinn wurde am Mittwoch der Grundstein für das Passagierterminal Ülemiste gelegt. Dieses ist ein wichtiger Bestandteil des "Rail Baltica"-Projekts, das Estland, Lettland und Litauen über Hochgeschwindigkeitszüge mit dem europäischen Netz verbinden soll.
In Tallinn wurde am Mittwoch der Grundstein für das Passagierterminal Ülemiste gelegt. Dieses ist ein wichtiger Bestandteil des „Rail Baltica“-Projekts, das Estland, Lettland und Litauen über Hochgeschwindigkeitszüge mit dem europäischen Netz verbinden soll.
An der Zeremonie am Mittwoch (29. Mai) nahmen der lettische Verkehrsminister Kaspars Briškens, die Leiterin der Generaldirektion Mobilität und Verkehr der EU-Kommission Magda Kopczyńska, Estlands Klimaminister Kristen Michal und Vertreter des litauischen Verkehrsministeriums teil.
Die Teilnahme hochrangiger Vertreter bot den baltischen Staaten die Gelegenheit, die gemeinsame Arbeit voranzutreiben, um die Finanzierung des Projekts aus dem „Connecting Europe“-Förderinstrument der EU zu sichern.
Das Projekt Rail Baltica, an dem seit mehr als 20 Jahren gearbeitet wird, sieht den Ausbau von 870 km Bahnstrecke vor. Diese soll Tallinn über Rīga in weniger als vier Stunden mit Vilnius verbinden, statt der bisherigen fast elfstündigen Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Nach ihrer Fertigstellung wird die Verbindung auch die Zahl der Lkw auf den Straßen zwischen den drei Staaten verringern. Derzeit sind es rund 1.500 pro Tag.
Durch das Projekt werden die drei baltischen Staaten wieder an den europäischen Eisenbahnstandard herangeführt. Derzeit müssen Reisende und Güter aus der übrigen EU zwischen Polen und den baltischen Staaten aufgrund inkompatibler Waggons umsteigen.
Das Projekt hat auch eine politische Dimension. Nach seiner Fertigstellung wird es die Bahnverbindung mit Moskau unterbrechen. Zudem wird es die Sicherheit der drei baltischen Staaten stärken, indem es den schnellen Transport von militärischem Gerät ermöglicht.
Ein sehnlichst erwartetes Projekt
Rail Baltica soll bis 2030 fertiggestellt werden und kostet derzeit fast acht Milliarden Euro. Ursprünglich war die Fertigstellung des Projekts für 2026 geplant, die anfänglichen Kosten wurden auf 5,8 Milliarden Euro geschätzt.
In diesem Jahr sollen in den drei baltischen Staaten 150 Kilometer Gleise gebaut werden, die zu 85 Prozent aus der europäischen „Connecting Europe“-Instrument finanziert werden.
Das lettische Verkehrsministerium teilte Euractiv mit, dass die Bauarbeiten „an den Abschnitten Riga Central Hub und RIX Riga Airport der Rail Baltica laufen. Der Bau der Rail-Baltica-Brücke über den Fluss Daugava in Riga hat ebenfalls begonnen.“
Auf estnischer Seite erklärte Minister Kristen Michal, dass „bis Ende dieses Jahres die Arbeiten an einem Drittel, also fast 70 Kilometern, der Hauptstrecke im Gange sein werden und fast die Hälfte, also 105 Kilometer, vertraglich abgedeckt sein werden.“
Litauen hat mit den ersten Arbeiten an den Eisenbahnknotenpunkten in der Stadt Kaunas sowie mit den Arbeiten zum Erwerb von Grundstücken für die Hochgeschwindigkeitsstrecke begonnen.
Trotz dieser Fortschritte stößt das Projekt in Lettland auf Schwierigkeiten. Seit 2018 sind vier verschiedene Vorstandsvorsitzende von „Eiropas Dzelzceļa līnijas“ zurückgetreten. „Eiropas Dzelzceķa līnijas“ ist für die Umsetzung des Eisenbahnprojekts Rail Baltica in Lettland verantwortlich.
Darüber hinaus sorgen die 15 Prozent des Projekts, die von den drei baltischen Staaten zu zahlen sind, weiterhin für Spannungen zwischen den Ministerien.
Catherine Trautmann, die Vertreterin der Kommission, die die Finanzierung durch das EU-Förderinstrument für Verkehrsprojekte in der Nord- und Ostseeregion überwacht, machte in einem Interview mit dem Lettischen Nationalen Radio deutlich, dass das Projekt bis 2030 abgeschlossen sein muss.
[Bearbeitet von Donagh Cagney/Zoran Radosavljevic/Kjeld Neubert]