Putins Machtspiel mit Moldaus Stromversorgung

Russland hat am 1. Januar die Gaslieferungen an ein wichtiges Kraftwerk in Moldau eingestellt. Seitdem kämpft die angeschlagene Republik täglich darum, die Stromversorgung aufrechtzuerhalten. Ob das gelingt, könnte letztendlich von Putins Launen abhängen.

EURACTIV.com
Moldova: Everyday Life
Sollten die Moldauer in den kritischen Tagen vor einer knappen Wahl in Dunkelheit und Kälte gestürzt werden, könnten die innen- und geopolitischen Folgen dauerhaft sein. [[Getty Images/Carsten Koall]]

Russland hat am 1. Januar die Gaslieferungen an ein wichtiges Kraftwerk in Moldau eingestellt. Seitdem kämpft die angeschlagene Republik täglich darum, die Stromversorgung aufrechtzuerhalten. Ob das gelingt, könnte letztendlich von Putins Launen abhängen.

In Moldaus Kampf, die Stromversorgung am Laufen zu halten, geht es nicht nur um warme Häuser oder ausgelastete Fabriken. Es geht auch darum, ob die ehemalige Sowjetrepublik seinen pro-europäischen Kurs beibehält oder in die Abhängigkeit Russlands zurückfällt.

Seit Neujahr informiert der moldauische Energieversorger Energocom die Bevölkerung täglich, ob sie am nächsten Tag mit Strom und Licht rechnen können.

Nachdem Russland die Lieferungen an EU-Beitrittskandidat Moldau eingestellt hat, stellen große Stromlieferungen aus dem benachbarten Rumänien die Stromversorgung sicher.

Etwa 60 Prozent des moldauischen Stroms stammen aus Rumänien und stellen eine Lebensader dar. Die könnte jedoch jederzeit unterbrochen werden, sagte Marcela Lefter, Geschäftsführerin von Sedera, einem in Rumänien ansässigen Unternehmen, das erneuerbare Energien in Moldau entwickelt.

„Die Verbindungsleitung, die Strom aus Rumänien bringt, führt direkt zu einem Knotenpunkt in Transnistrien“, sagte Lefter gegenüber Euractiv und bezog sich dabei auf die abtrünnige Region Moldaus, die enge Beziehungen zu Moskau pflegt.

„Die transnistrischen Behörden sind technisch durchaus in der Lage, die Stromversorgung Moldaus zu unterbrechen, wenn der Kreml ihnen dies befiehlt“, warnte sie.

Die anstehenden Parlamentswahlen in diesem Jahr bieten dem russischen Präsidenten Wladimir Putin die perfekte Gelegenheit, Moldau wieder in seinen Einflussbereich zu bringen. Denn eine Bevölkerung, die von Stromausfällen oder hohen Energiekosten betroffen ist, wird eine fragile pro-europäische Regierung nur mit geringerer Wahrscheinlichkeit wiederwählen – ein Risiko, das alles andere als hypothetisch ist.

Die pro-europäische Kandidatin Maia Sandu hatte die Präsidentschaftswahlen im vergangenen Jahr nur knapp vor einer Moskau-freundlichen Alternative gewonnen – und die Stimmen der moldauischen Diaspora hatten einen maßgeblichen Anteil an Sandus Wiederwahl.

Transnistrier zwischen den Stühlen

Der russische Lieferstopp nach Moldau trifft auch die Region Transnistrien. Infolgedessen bleiben dort die Häuser ungeheizt, Fabriken sind geschlossen und es kommt zu ständigen Stromausfällen.

Die Region könnte es sich also zweimal überlegen, ob sie einem hypothetischen Befehl Moskaus nachkäme, die moldauische Stromversorgung zu unterbrechen.

Das entscheidende Umspannwerk der rumänischen Verbindungsleitung liege in Transnistrien und die dortigen Behörden könnten Moldau den Strom abstellen, bestätigte Eugeniu Buzatu, Direktor des Energieversorgers Energocom, gegenüber Euractiv.

Durch die Unterbrechung der Stromzufuhr aus Rumänien würden die Transnistrier auch ihr eigenes Stromnetz isolieren, was „nicht sehr gut für sie wäre“, ergänzte Buzatu.

„Tiraspols Weigerung, Hilfe aus Moldau anzunehmen, ist nicht ihre [eigene], sondern die des Kremls“, sagte die moldauische Präsidentin Maia Sandu kürzlich und bezog sich dabei auf das Angebot Moldaus, der abtrünnigen Region Nothilfe zu leisten. Verantwortliche in der Hauptstadt Tiraspol lehnten dieses Angebot jedoch ab.

Doch selbst wenn Transnistrien die Zusammenarbeit verweigern würde, hätte Putin andere Möglichkeiten.

Etwa 20 Kilometer des rumänischen Stromkabels verlaufen durch die Ukraine. „Die einzige Leitung führt durch ein Kriegsgebiet und könnte jederzeit angegriffen werden“, sagte Lefter, wobei „die Besorgnis sehr groß ist“.

Sowohl Sedera-Chefin Lefter als auch Energocom-Chef Buzatu sind sich einig: Die Zerstörung dieser Leitung würde zwar zu Stromausfällen in ganz Moldau führen, ukrainische Reparaturteams könnten den Betrieb jedoch wahrscheinlich innerhalb weniger Tage wiederherstellen.

Sollten die Moldauer aber in den kritischen Tagen vor einer knappen Wahl in Dunkelheit und Kälte gestürzt werden, könnten die innen-  und geopolitischen Folgen dauerhaft sein.

In der Zwischenzeit ist die Zukunft Moldau ungewiss und es bleiben mehr Fragen als Antworten. Mit Blick auf die Situation räumt Lefter ein, dass „wir im Moment noch nicht wissen, was Russland letztendlich vorhat“.

Zusätzliche Berichterstattung von Darius Kölsch.

[DE/VB]