Prag will Abhängigkeit von russischem Gas verringern und plant Beteiligung an LNG-Terminal
Die tschechische Regierung will sich an einem Flüssiggas (LNG)-Terminal in einem benachbarten Land beteiligen, um ihre Energieversorgung zu diversifizieren.
Die tschechische Regierung will sich an einem Flüssiggas (LNG)-Terminal in einem benachbarten Land beteiligen, um ihre Energieversorgung zu diversifizieren. Da Deutschland und Polen die einzigen beiden Nachbarländer sind, die derzeit LNG-Terminals bauen, wird Tschechien wahrscheinlich die Zusammenarbeit mit Berlin bevorzugen.
Der hitzige Streit um die Turów-Kohlemine und die fehlende Infrastruktur zwischen Tschechien und Polen lassen eine Einigung zwischen den beiden Ländern unwahrscheinlich erscheinen.
Es liege im „vitalen Interesse der Tschechischen Republik“, über LNG-Importkapazitäten zu verfügen, so Außenminister Jan Lipavský (Piraten, Grüne). „Ich kann mir vorstellen, dass die Tschechische Republik sich auf einen langfristigen Vertrag einlässt, um sich von der Abhängigkeit von russischem Gas zu befreien“, sagte Lipavský der Hospodářské noviny.
Die EU importiert mehr als 40 Prozent ihres Erdgases aus Russland. Diese Zahl könnte mit dem Bau der Nord Stream 2-Pipeline noch steigen. Erdgas spielt bei der Dekarbonisierung vieler europäischer Volkswirtschaften, einschließlich Deutschlands und Tschechiens, eine entscheidende Übergangsrolle.
Angesichts der aktuellen geopolitischen Lage ist die tschechische Regierung überzeugt, dass die Abhängigkeit der europäischen Länder von russischem Gas verringert werden sollte.
„Wir können und wollen nicht einseitig von russischem Gas abhängig sein“, sagte Premierminister Petr Fiala nach einem Treffen mit dem Präsidenten des Europäischen Rates, Charles Michel, vergangene Woche.
Es wird erwartet, dass Prag nun mit einem Angebot für Investitionen in die deutsche LNG-Infrastruktur an Berlin herantreten wird. Investitionen in neue Infrastrukturen für fossile Brennstoffe könnten jedoch mit den Grünen als Teil der neuen Bundeskoalition auf Probleme stoßen.