Prag bleibt gelassen: Russland stoppt Öllieferungen nach Tschechien

Russland hat die Öllieferungen nach Tschechien über die Druschba-Pipeline ohne Erklärung gestoppt. Dies hat Misstrauen bei den tschechischen Beamten ausgelöst, jedoch bleibt man größtenteils gelassen.

EURACTIV.cz
Russian Oil Stops Flowing To Western Europe Thru Belarus
Der genaue Grund ist zwar noch unklar, doch viele sehen darin einen weiteren gezielten Schachzug Russlands, um Druck auf Europa auszuüben. [Katja Buchholz/Getty Images]

Russland hat die Öllieferungen nach Tschechien über die Druschba-Pipeline ohne Erklärung gestoppt. Dies hat Misstrauen bei den tschechischen Beamten ausgelöst, jedoch bleibt man größtenteils gelassen.

Der genaue Grund für den Stopp der Öllieferungen ist zwar noch unklar, doch viele sehen darin einen weiteren gezielten Schachzug Russlands, um Druck auf Europa auszuüben.

Die Druschba-Pipeline ist eines der größten Rohöl-Pipeline-Netzwerke der Welt und transportiert Öl von Sibirien, dem Ural und dem Kaspischen Meer nach Europa. Während der nördliche Zweig über Weißrussland und Polen nach Deutschland führt, verläuft der südliche Zweig durch die Ukraine und weiter in die Slowakei, nach Ungarn und Tschechien.

Václav Bartuška, der tschechische Sondergesandte für Energiesicherheit, glaubt, dass die Unterbrechung kein Zufall sei. „Die Russen spielen wieder Spielchen – ganz klassisch. Das Öl fließt immer noch in die Slowakei und nach Ungarn. Das ist eine Botschaft aus Russland“, sagte Bartuška dem Tschechischen Fernsehen.

Er fügte hinzu, dass die Tschechische Republik keinen Grund zur Panik habe. „Wir müssen Russland eine klare Botschaft senden: Wir sind nicht besorgt. Wir haben Reserven, westliche Pipelines und keinen Grund, mit ihnen zu diskutieren.“

Russische Ölimporte sind durch EU-Sanktionen verboten, aber Tschechien, Ungarn und die Slowakei wurden mit einer Ausnahmeregelung ausgestattet, die am 5. Dezember ausläuft. Wie Euractiv bereits zuvor berichtete, erklärten die tschechischen Behörden im November, dass sie keine Verlängerung ihrer Ausnahmeregelung beantragen werden.

Orlen Unipetrol, der führende Kraftstoffproduzent des Landes, bestätigte die Unterbrechung. Gleichzeitig versicherte das Unternehmen der Öffentlichkeit, dass die Kraftstoffversorgung stabil bleibe. „Derzeit wird die Kraftstoffproduktion ohne Unterbrechung fortgesetzt, und die Verfügbarkeit von Kraftstoff auf dem tschechischen Markt ist nicht gefährdet“, schreib das Unternehmen auf X.

Um die Stabilität weiterhin zu gewährleisten, beantragte Orlen vorsorglich Zugang zu den staatlichen Ölreserven.

Der tschechische Industrie- und Handelsminister Lukáš Vlček (EVP, STAN) schloss sich der Einschätzung von Bartuška an und bestätigte, dass das Land auf die Situation vorbereitet sei.

„Es besteht keine Gefahr, dass nicht genug Öl vorhanden ist, um den Bedarf von Haushalten und Unternehmen zu decken. Die Raffinerien in der Tschechischen Republik sind auf diese Situation gut vorbereitet und wir verfügen über ein robustes System staatlicher Materialreserven“, erklärte Vlček. Er bestätigte, dass Unipetrol die Möglichkeit haben wird, auf die staatlichen Reserven zurückzugreifen, falls in den kommenden Tagen oder Wochen kein Öl mehr aus Russland fließen sollte.

[Bearbeitet von Kjeld Neubert]