Präsidentin des EU-Parlaments: Die USA verstehen die Sprache der Macht

Die EU solle gegenüber der USA vereint bleiben und mit einer Stimme sprechen, sagte die EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola. In einem Interview mit dem griechischen Nachrichtenportal ToVima warnte sie vor Naivität gegenüber der US-Administration.

EURACTIV.com
Plenary session of the European Parliament in Brussels
„Unsere Stärke liegt darin, mit einer Stimme zu sprechen und nicht mit siebenundzwanzig individuellen. Und ich denke, dass die Sprache der Macht eine ist, die die USA gut verstehen“, sagte Metsola (Bild). [[EPA-EFE/OLIVIER HOSLET]]
Die EU solle gegenüber der USA vereint bleiben und mit einer Stimme sprechen, sagte die EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola. In einem Interview mit dem griechischen Nachrichtenportal ToVima warnte sie vor Naivität gegenüber der US-Administration.

In Brüssel hat eine Debatte darüber begonnen, welcher Staats- und Regierungschef die Rolle des „Gesprächspartners“ für die Trump-Administration übernehmen könnte, angesichts der Probleme, die während seiner ersten Amtszeit auftraten.

Trumps „Freunde“ auf dem alten Kontinent, insbesondere der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán und seine italienische Kollegin Giorgia Meloni – beide Mitglieder der sogenannten europäischen „harten“ Rechten – streben eine solche Rolle an.

„Ich denke nicht, dass ein einzelner Staats- und Regierungschef – wer auch immer das sein mag – ein so effektiver Gesprächspartner sein kann wie die EU. Unsere Stärke liegt darin, mit einer Stimme zu sprechen und nicht mit siebenundzwanzig individuellen. Und ich denke, dass die Sprache der Macht eine ist, die die USA gut verstehen“, sagte Metsola.

Die Präsidentin des EU-Parlaments erklärte, dass Europa nicht „naiv“ gegenüber der US-Administration sein sollte, wenn es darum geht, US-Interessen zu verteidigen.

„Ganz ehrlich, das ist nichts Neues in der amerikanischen Geschichte […] Wir wurden von Europäern gewählt, und daher sollten wir genauso für europäische Familien, Industrie und Produkte eintreten. Ich wünsche mir mehr europäisches Selbstbewusstsein“.

Sie betonte, dass unser Engagement zur Stärkung der transatlantischen Beziehungen unerschütterlich bleiben müsse und dass sie sich auf „das, was uns vereint“, konzentrieren werde.

„Die EU und die Vereinigten Staaten arbeiten in Bereichen zusammen, die weit über die Politik hinausgehen. Gemeinsame Geschichte, gemeinsame Werte wie Freiheit, Demokratie, Menschenrechte sowie offene Gesellschaften und Märkte bilden die Grundlage unserer Allianz“, sagte sie.

„In meinen Gesprächen mit dem Sprecher des US-Repräsentantenhauses werde ich mich weiterhin um eine Abstimmung mit den USA bemühen, wenn es darum geht, gemeinsame Lösungen für globale Herausforderungen zu finden, wie zum Beispiel die Unterstützung der Ukraine“, fügte sie hinzu.

„Jetzt ist die Zeit, eine stärkere transatlantische Bindung in den Bereichen Verteidigung, Handel und globale Angelegenheiten voranzutreiben – anstatt unsere Aufmerksamkeit darauf zu verwenden, zu predigen oder, schlimmer noch, moralische Standpunkte zu vertreten in Bereichen, in denen wir unterschiedliche Perspektiven haben. Schließlich zeigt der bilaterale Handel, der historische Höchststände erreicht, dass beide Partner füreinander von großer Bedeutung sind“, ergänzte sie.

[Bearbeitet von Alice Taylor-Braçe/Kjeld Neubert]