Portugal am Abgrund: Anleihen auf Ramsch-Niveau
Es besteht das hohe Risiko, dass auch Portugal ein zweites Hilfspaket braucht - meint zumindest die Ratingagentur Moody's. Die Bonitäts-Bewerter stufen portugiesische Staatsanleihen auf Ramsch-Status herunter. Die EU-Kommission knüpft sich den Rating-Riesen vor. Europas Schuldenkrise wird wohl noch Jahre lang weitergehen.
Es besteht das hohe Risiko, dass auch Portugal ein zweites Hilfspaket braucht – meint zumindest die Ratingagentur Moody’s. Die Bonitäts-Bewerter stufen portugiesische Staatsanleihen auf Ramsch-Status herunter. Die EU-Kommission knüpft sich den Rating-Riesen vor. Europas Schuldenkrise wird wohl noch Jahre lang weitergehen.
Die Ratingagentur Moody’s hat Portugal eine heftige Ohrfeige verpasst und als erste Agentur die Bonitätsnote des schuldengeplagten Landes auf Ramschstatus gesenkt.
Es gebe ein hohes Risiko, dass Portugal ein zweites Hilfspaket benötige, bevor es an die Kapitalmärkte zurückkehren könne, begründete Moody’s am Dienstag den Schritt. Die Agentur bewertet die Kreditwürdigkeit des Landes, das bereits Hilfen der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds (IWF) über 78 Milliarden Euro erhält, nun mit Ba2 und damit vier Stufen unter dem bisherigen Rating. Der Ausblick sei negativ.
Portugals Regierung erklärte, Moody’s würde die jüngst eingeführte Sondersteuer und die politische Unterstützung für den Sparkurs nicht berücksichtigen. Der Euro fiel auf ein Tagestief. Investoren verschreckte die Aussicht, dass neben Griechenland ein weiterer Euro-Staat zusätzliche Unterstützung beantragen könnte.
Moody’s hegt nach eigenen Angaben größere Bedenken, dass Portugal nicht in der Lage sein werde, die mit der EU und dem IWF vereinbarten Defizitziele zu erreichen. Zugleich sei das Risiko gestiegen, dass sich das Land im zweiten Halbjahr 2013 und einige Zeit danach nicht zu tragbaren Zinsen Geld leihen könne. Das bisherige Sparpaket sieht vor, dass sich Portugal ab 2013 wieder selbst an den Märkten refinanziert. Der Staat steht laut Moody’s vor Herausforderungen bei der Kürzung der Staatsausgaben, den Hilfen für das Finanzsystem sowie einer Ankurbelung des Wirtschaftswachstums.
Analyst Robert Tipp von Prudential sah die Herunterstufung als Beleg dafür, dass die Schuldenkrise – auch, wenn Griechenland ein zweites Paket erhält – nicht vor anderen Ländern Halt macht. Diese Situation werde auch im nächsten oder übernächsten Jahr andauern.
Portugal beteuert Sparwillen
Portugals neue Mitte-Rechts-Regierung teilte mit, die Herabstufung verdeutliche die Anfälligkeit der portugiesischen Wirtschaft in der Schuldenkrise. Zugleich versicherte sie, es werde alles getan, um die verschärften Sparanstrengungen zu bewältigen. Anders als die griechische Regierung wird die Koalition in Lissabon bei ihrem Sparkurs von den kürzlich abgewählten Sozialdemokraten unterstützt.
Kommission vs. Moody’s
Ein Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn kritisierte die Herabstufung Portugals durch Moody’s ungewöhnlich deutlich. "Das ist eine unglückselige Episode und wirft Fragen über das Verhalten der Ratingagenturen und deren Weitblick auf." Angesichts der zusätzlichen Anstrengungen Portugals sei der Zeitpunkt der Moody’s-Veröffentlichung "außerordentlich unglücklich". Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) äußerte in Berlin Unverständnis über das Urteil der Bonitäts-Prüfer.
EU-Kommission und EU-Parlament wollen das Oligopol der drei großen ‚Notengeber‘ aufbrechen, etwa mit einer Europäischen Rating-Stiftung (EURACTIV.de vom 8. Juni 2011).
EURACTIV/rtr/awr
Links
Dokumente
Moody’s: Rating Action: Moody’s downgrades Portugal to Ba2 with a negative outlook from Baa1 (5. Juli 2011)
EU: Beschluss zur Portugal-Hilfe (17. Mai 2011)
EFSF (Zweckgesellschaft des Euro-Rettungsschirms): Internetseite
EU-Kommission: Übersicht zu den Euro-Rettungsmaßnahmen
EU-Kommission: EU and EFSF funding plans to provide financial assistance for Portugal and Ireland (19. Mai 2011)
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