Portugal: Alles muss raus

Portugal muss Kreisen zufolge im Gegenzug für die milliardenschweren Hilfskredite von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds (IWF) sein 'Tafelsilber' verkaufen. Sein Gold wird Lissabon wohl behalten.

Der geschäftsführende Ministerpräsident José Sócrates handelte ein Hilfspaket für Portugal aus. Foto: dpa.
Der geschäftsführende Ministerpräsident José Sócrates handelte ein Hilfspaket für Portugal aus. Foto: dpa.

Portugal muss Kreisen zufolge im Gegenzug für die milliardenschweren Hilfskredite von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds (IWF) sein ‚Tafelsilber‘ verkaufen. Sein Gold wird Lissabon wohl behalten.

Bis 2013 sollen 5,3 Milliarden Euro durch Privatisierungen erlöst werden, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch von einer mit dem Details des Rettungspakets vertrauten Person. Die Einigung sehe auch eine bessere Kapitalausstattung der Banken vor. Bis zu zwölf Milliarden Euro sollen dafür verwendet werden. Die harte Kernkapitalquote der Banken ("Core Tier-1") soll so bis Jahresende auf neun Prozent und bis Ende 2012 auf zehn Prozent erhöht werden.

Nach Griechenland und Irland ist das hoch verschuldete Portugal das dritte Euro-Land, das auf Hilfen von EU und IWF angewiesen ist. Nach dreiwöchigen Verhandlungen mit der Regierung wurde sich am Dienstagabend auf ein Rettungspaket von 78 Milliarden Euro verständigt.

Wirbel um Goldreserven

Unterdessen führen die portugiesischen Goldbestände von rund 380 Tonnen zu Aufsehen. Der Wert wird aktuell auf mehr als 20 Milliarden Dollar geschätzt, was ungefähr neun Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung Portugals entspricht. Experten sind sich uneinig, ob ein Verkauf der Reserven in der Krise sinnvoll wäre. Portugal hat dies bislang nicht vor. Während einige Ökonomen fordern, das Gold zur Sanierung des Haushalts zu nutzen, warnen andere, der Verkauf könnte eine Investorenpanik auslösen und die Schuldenkrise noch verschärfen.

EURACTIV/rtr

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