Polnische Impfstrategie: Rolle der Apotheken noch ausbauwürdig

Trotz der Bemühungen, die Zugänglichkeit von Impfstoffen zu verbessern, kämpft Polen immer noch mit niedrigen Grippeimpfungsraten, die auf anhaltende Ineffizienzen zurückzuführen sind. Dies stellt ein Hindernis für die Immunisierung der Bürger dar.

Euractiv.com
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Impfungen in Apotheken werden bereits in vielen Ländern Europas durchgeführt. Die Erleichterung des Zugangs zu Impfstoffen bringt zahlreiche Vorteile für das Gesundheitssystem mit sich und trägt zur Senkung der Gesamtbehandlungskosten bei. [Shutterstock/Dusan Petkovic]

Trotz der Bemühungen, die Zugänglichkeit von Impfstoffen zu verbessern, kämpft Polen immer noch mit niedrigen Grippeimpfungsraten. Die anhaltende Ineffizienz des aktuellen Impfsystems stellt ein Hindernis für die Immunisierung der Bürger dar.

Die Zahl der Menschen mit einem Rezept, die auf die Grippeimpfung verzichten, zeigt nach Ansicht von Experten, dass die Verfahren vereinfacht werden müssen und die Rolle der Apotheken bei den Bemühungen um eine Verbesserung der polnischen Impfraten gestärkt werden muss.

Impfungen in Apotheken werden bereits in vielen Ländern Europas durchgeführt. Die Erleichterung des Zugangs zu Impfstoffen bringt zahlreiche Vorteile für das Gesundheitssystem mit sich und trägt zur Senkung der Gesamtbehandlungskosten bei.

In Polen begannen die Apotheken im Jahr 2021 mit der Verabreichung von Impfungen gegen Sars-CoV-2. Bislang haben die Apotheker etwa 5 Prozent der Bevölkerung gegen COVID-19 geimpft.

Ab dem 1. Juli 2023 wurde jedoch die Möglichkeit der Impfung gegen COVID-19 in Apotheken abgeschafft, nachdem der „epidemische Zustand“ oder die epidemische Bedrohung in Polen aufgehoben worden war.

Der Zugang zur Impfung gegen COVID-19 für Personen ab 18 Jahren in Apotheken wurde erst am 1. Dezember wiederhergestellt, obwohl Apotheker ab dem 1. November 2023 berechtigt waren, Impfungen gegen Influenza und Pneumokokken durchzuführen.

Für Personen ab 65 Jahren wird eine Einzeldosisimpfung vollständig vom Nationalen Gesundheitsfonds (NFZ) erstattet.

Für Personen zwischen 18 und 64 Jahren werden Grippeimpfungen zu 50 Prozent erstattet, während bei Pneumokokkenimpfungen die vollen Kosten anfallen. Darüber hinaus müssen Personen in dieser Altersgruppe berücksichtigen, dass der Apotheker ihnen die Kosten für die Impfleistung auch in Rechnung stellen kann.

Polens Impfprobleme

Trotz der Zugänglichkeit der Impfdienste in den Apotheken scheint das System jedoch ineffizient zu sein. Dies führt dazu, dass eine beunruhigende Anzahl von Menschen auf die Grippeimpfung verzichtet.

In der letzten Grippesaison haben sich nur etwa 5,5 Prozent der Bevölkerung in Polen impfen lassen. Bei den Senioren lag die Quote bei nur 23 Prozent. Das ist sehr niedrig, denn die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt eine Impfquote von mindestens 75 Prozent bei älteren Menschen. Prognosen zufolge wird sich die Statistik in diesem Jahr nicht verbessern.

Eines der Hauptprobleme scheint der lange Weg der Patienten von der Entscheidung, sich impfen zu lassen, bis zur tatsächlichen Verabreichung des Impfstoffs zu sein.

„Bei der Grippeimpfung muss der Patient zunächst ein Rezept einholen und dann in die Apotheke gehen, um den Impfstoff zu kaufen“, erklärte Professor Adam Antczak, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Rates des Landesweiten Programms zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten (OPZG), gegenüber Euractiv.

Zwar kann auch ein Apotheker ein Rezept ausstellen, aber eine solche Impfung ist immer mit 100 Prozent der Kosten verbunden. Apotheker sind nicht befugt, ermäßigte Rezepte auszustellen.

Die komplizierten Vorschriften und die zusätzlichen Kosten führen dazu, dass sich viele Menschen letztlich gegen eine Impfung entscheiden.

Nach den vom OPZG vorgelegten Daten entscheiden sich in der Zeit zwischen der Ausstellung eines Rezepts für eine Grippeimpfung und der tatsächlichen Impfung in der Apotheke bis zu 130.000 Personen oder über 8 Prozent aller Personen, die ein Rezept von einem Arzt erhalten haben, dafür, auf die Impfung zu verzichten.

„Eine Möglichkeit zur Verbesserung dieser Situation könnte die Einführung erstattungsfähiger Arzneimittelrezepte sein. Dies würde es den Patienten ermöglichen, ein Rezept zu erhalten, ohne einen Arzt aufsuchen zu müssen, was die Bequemlichkeit und den Zugang zu Impfungen erheblich verbessern würde“, so Professor Antczak gegenüber Euractiv.

Aber nicht nur die Empfänger von Impfstoffen haben Probleme.

In Polen müssen Apotheker, die Impfungen in Apotheken verabreichen wollen, viele organisatorische Anforderungen erfüllen, was einen erheblichen Zeit- und Kostenaufwand bedeutet. Die Apotheker stellen fest, dass die Verfahren während der Pandemie viel einfacher und schneller waren.

„Es ist eine Überlegung wert, die Verfahren zu vereinfachen und die Apotheker zu unterstützen, um die Eröffnung von Impfstellen in Apotheken zu fördern“, so Professor Antczak.

Impfungen in der Apotheke weit verbreitet

Aus den Daten geht hervor, dass ab 2020 in 13 europäischen Ländern Impfungen in Apotheken möglich sind.

In Frankreich beispielsweise, wo die durchschnittliche Grippeimpfungsrate bei 52 bis 55 Prozent liegt, erhalten die Apotheker eine entsprechende Ausbildung und können dann bis auf wenige Ausnahmen alle Impfungen aus dem französischen „Impfkalender“ an Personen über elf Jahren verabreichen.

Seit Mitte letzten Jahres (2022) hat man ab 18 Jahren auch in Deutschland die Möglichkeit, sich in der Apotheke gegen die Grippe impfen zu lassen. Kinder ab zwölf Jahren steht eine Impfung gegen COVID zur Verfügung.

In Polen sind Impfungen in der Apotheke auf Personen ab 18 Jahren beschränkt, während Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nur in medizinischen Einrichtungen zur Primärversorgung geimpft werden können. Experten gehen jedoch davon aus, dass die Zugänglichkeit von Impfungen in Apotheken für jüngere Altersgruppen nur eine Frage der Zeit ist.

Neben der Grippeimpfung sind in vielen europäischen Ländern auch mehrere andere Impfstoffe in Apotheken erhältlich. „Im Vereinigten Königreich verabreichen Apotheker Impfstoffe gegen 16 verschiedene Krankheiten, in Frankreich gegen 12“, so Professor Antczak.

Trend geht zur Apotheke

Apotheken sind die am leichtesten zugänglichen Orte, an denen Patienten schnell und sicher geimpft werden können, was der gesamten Bevölkerung zugutekommt. Ein weiterer wichtiger Aspekt, der für die Ausweitung von Impfungen in Apotheken spricht, ist die Tatsache, dass sie Personen anziehen, die noch nie geimpft wurden.

So erhielten beispielsweise 23 Prozent der Personen, die sich in der örtlichen Apotheke gegen Grippe impfen ließen, den Impfstoff zum ersten Mal, und interessanterweise gehörten 83 Prozent von ihnen zu der Risikogruppe für schwere Erkrankungen, wie aus einem Bericht der PSI (Pharmaceutical Society of Ireland) hervorgeht.

[Bearbeitet von Vasiliki Angouridi/Zoran Radosavljevic/Kjeld Neubert]