Politische Einflussnahme auf Journalismus in Bulgarien nimmt zu

Mehr als 72 Prozent der befragten bulgarischen Journalist:innen geben an, dass Politiker:innen nach wie vor die am häufigsten vorkommende Form externen Drucks auf Journalist:innen seien, so die jährliche Studie Media Under Fire der Vereinigung Europäischer Journalisten Bulgarien (AEJ-Bulgaria).

EURACTIV.bg
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Die Zunahme von internem Druck und Selbstzensur in den Medien ist besorgniserregend. 69,6 Prozent der Befragten gaben an, dass interner redaktioneller Druck die häufigste Form der Einschränkung der Meinungsfreiheit im Land sei. [Shutterstock/Veselin Borishev]

Laut einer repräsentativen Umfrage unter Journalisten in Bulgarien stellt die Einflussnahme durch Politiker mit 72 Prozent die häufigste Form des externen Drucks auf die Berichterstattung dar.

Zu diesem Schluss kam die jährliche Studie Media Under Fire der Vereinigung Europäischer Journalisten Bulgarien (AEJ-Bulgaria).

Die Zunahme von internem Druck und Selbstzensur in den Medien ist besorgniserregend. 69,6 Prozent der Befragten gaben an, dass interner redaktioneller Druck die häufigste Form der Einschränkung der Meinungsfreiheit im Land sei.

Insgesamt gaben 63,7 Prozent der Befragten an, dass sie Zeugen von Druck auf einen Journalisten wegen seiner Tätigkeit wurden.

Die AEZ-Bulgaria-Studie erfasste Journalisten aus ganz Bulgarien und befasste sich eingehend mit verschiedenen Problemen in den Medien. Die Daten wurden von 204 Journalist:innen und Medienexpert:innen mittels einer Online-Umfrage erhoben und von der soziologischen Agentur „Alpha Research“ mit Unterstützung der niederländischen Botschaft verarbeitet.

Die Selbstzensur hat seit 2017 um durchschnittlich 5 Prozent pro Jahr zugenommen. „Das ist gar nicht so wenig, wenn man bedenkt, dass die Teilnehmer an der Umfrage unverändert bleiben“, kommentierte der Autor der Studie, Iliya Valkow, ein Universitätsprofessor und Mitglied von AEZ-Bulgaria.

Auch der Druck seitens staatlicher, regionaler und kommunaler Institutionen nimmt zu, von 30,7 Prozent der Befragten im Jahr 2020 auf über 47 Prozent im Jahr 2022.

Die Umfrage zeigt auch, dass jeder zehnte Journalist schon einmal mit einem Gerichtsverfahren bedroht wurde. Der Prozentsatz derjenigen, die zum Zeitpunkt der Umfrage in drei oder mehr Medienunternehmen arbeiteten, ist weiterhin hoch, was ein Indikator für ein instabiles und unsicheres Arbeitsumfeld ist.

Die Zentralisierung des Journalismus in Sofia und das Verschwinden der regionalen Medien ist ebenfalls ein Problem.

Bulgarien rangiert im Pressefreiheitsindex von „Reporter Ohne Grenzen“ auf Platz 91, allerdings ist das Land im Vergleich zu 2021 um 21 Plätze aufgestiegen, auch wenn in diesem Jahr eine andere Bewertungsmethode angewandt wurde.

Bulgarien lag ein Jahrzehnt lang auf dem letzten Platz, was die Medienfreiheit in der EU angeht, eine zweifelhafte Ehre, die jetzt Griechenland mit Platz 108 innehat.