Polens Präsidentschaftswahl: Rechtsaußen-Kandidat macht PiS Konkurrenz

Sławomir Mentzen ist der neue aufsteigende Stern der polnischen Rechten. Mit seinem bierseligen Wahlkampfstil bedroht er den Präsidentschaftsplan der nationalkonservativen PiS-Partei.

EURACTIV Poland
Far-right Confederation Presidential candidate Slawomir Mentzen campaigns in Stargard
Mentzen vertritt offen eine Reihe radikaler Positionen. So spricht er sich vehement für eine Liberalisierung der Waffengesetze aus, lehnt Abtreibung unter allen Umständen ab – auch bei Vergewaltigung – und befürwortet den Einsatz „milder körperlicher Züchtigung“ bei Kindern. [EPA-EFE/MARCIN BIELECKI]

Sławomir Mentzen ist der neue aufsteigende Stern der polnischen Rechten. Mit seinem bierseligen Wahlkampfstil bedroht er den Präsidentschaftsplan der nationalkonservativen PiS-Partei.

Das Rennen um die polnischen Präsidentschaftswahlen im Mai war für die Nationalkonservativen bereits schwierig. Sie stellen zwar den aktuellen Präsidenten, Andrzej Duda, dieser kann nach der polnischen Verfassung allerdings nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren. Die PiS-Partei setzt daher Karol Nawrocki, den Leiter des Instituts für Nationales Gedenken.

Doch Nawrocki leistet sich im Wahlkampf einen Patzer nach dem anderen.

In den letzten Monaten fiel er beispielsweise durch den Besuch einer Fleischfabrik am dritten Jahrestag der russischen Invasion in der Ukraine auf. Anstatt sich anderen Politikern anzuschließen, um ein solidarisches Zeichen für die kriegsgebeutelten Nachbarn zu setzen, „vergaß [Nawrocki] den Krieg in der Ukraine, aber nicht die Wurst“, wie eine polnische Zeitung titelte. Zudem wurde er beschuldigt, in der Vergangenheit eine falsche Identität benutzt zu haben, um seine eigene akademische Arbeit als Historiker zu loben.

Seine Umfragewerte zahlen den Preis für die schlechte Leistung und nun ist ihm der rechtsextreme Kandidat Mentzen dicht auf den Fersen. Jüngste Umfragen sehen den Abstand zwischen den beiden Kandidaten bei weniger als einem Prozent.

Beide Kandidaten kämpfen jedoch momentan nur um den zweiten Platz. Der Warschauer Bürgermeister Rafał Trzaskowski, der die konservative Bürgerplattform des polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk vertritt, liegt in den Umfragen mit großem Vorsprung in Führung.

Das Gesicht von Rechtsaußen

Sławomir Mentzen ist ein Phänomen der sozialen Medien.

Aufgrund seines markanten Aussehens wird er häufig mit einer Figur aus dem beliebten PlayStation-Spiel Detroit Become Human verglichen. Er gilt als bislang deutlichstes Beispiel eines polnischen Politikers, der seine Popularität – insbesondere unter jungen Menschen – vor allem über das Internet aufgebaut hat.

Gerade junge Menschen, darunter viele Erstwählerinnen und Erstwähler, bilden den Kern seines potenziellen Wählerlagers – ein Trend, der sich in Umfragen widerspiegelt und selbst von der konservativen Europaabgeordneten und ehemaligen Ministerpräsidentin Beata Szydło anerkannt wurde. Die Menschenmengen bei seinen Wahlkampfauftritten bezeichnete sie als „beeindruckend“.

Mentzen vertritt offen eine Reihe radikaler Positionen. So spricht er sich vehement für eine Liberalisierung der Waffengesetze aus, lehnt Abtreibung unter allen Umständen ab – auch bei Vergewaltigung – und befürwortet den Einsatz „milder körperlicher Züchtigung“ bei Kindern.

Für Aufsehen sorgte eine Äußerung aus dem Jahr 2019, in der er erklärte, er sei gegen Juden, Homosexuelle, Abtreibung und Steuern. Die Aussage löste eine Untersuchung wegen möglicher Volksverhetzung aus, nachdem die Staatsanwaltschaft Wahlkampfmaterial mit diesen Parolen beschlagnahmt hatte. Auf die Frage, ob er diese Positionen heute noch vertrete, vermied er eine Antwort.

Auch als überzeugter EU-Skeptiker machte er sich einen Namen – lange Zeit sprach er sich sogar gegen die EU-Mitgliedschaft Polens aus. In jüngerer Zeit hat er seinen Ton in dieser Frage jedoch merklich gemäßigt.

Von Steuern bis Bier

Mit 38 Jahren ist der in Toruń geborene Mentzen einer der jüngsten Kandidaten im Rennen, nur drei Jahre älter als das Mindestalter für Präsidentschaftskandidaten.

Politisch war Mentzen von Beginn an dem rechten Spektrum zuzuordnen. Frühere Anläufe auf ein politisches Amt – etwa seine Kandidatur für das Bürgermeisteramt in Toruń 2018 sowie für das Europäische Parlament 2019 – blieben zunächst erfolglos.

2022 übernahm er die Führung der rechtsextremen, libertären Partei Neue Hoffnung vom umstrittenen Europaabgeordneten Janusz Korwin-Mikke. Ein Jahr später wurde er einer der Vorsitzenden des ultrarechten Parteienbündnisses Konfederacja – und zog erstmals ins Parlament ein.

Im Jahr 2024 erklärte er offiziell seine Kandidatur für das Amt des Präsidenten.

Mentzen ist promovierter Wirtschaftswissenschaftler und ausgebildeter Diplom-Physiker. Er betreibt die Kanzlei Kancelaria Mentzen, die auf Steuer- und Rechtsberatung spezialisiert ist.

Aber es geht nicht nur um Politik und Steuern. Im Jahr 2020 brachte er seine eigene Marke von Craftbeer, Browar Mentzen, auf den Markt – eine Leidenschaft, die er geschickt in seine Kampagnen integriert. Bei seinen „Bier mit Mentzen“-Veranstaltungen lädt er Unterstützerinnen und Unterstützer ein, bei einem Glas Bier über politische Themen zu diskutieren.

Dieses Image als volksnaher Bierliebhaber birgt jedoch auch Risiken. Vor zwei Jahren wurde Mentzen bei einem morgendlichen Spaziergang in Warschau gefilmt – offenbar stark alkoholisiert.

Der Politiker versuchte, das Ganze mit einem Zitat aus der Serie „Trailer Park Boys“ in einen Witz zu verwandeln. „Viele Leute sagen, man kann sich nicht betrinken, wenn man am nächsten Tag eine Kundgebung hat, aber das stimmt nicht, man kann schon, aber man muss trotzdem morgens aufstehen.“

„Das bedeutet, verantwortungsvoll zu sein und ein Mann zu sein.“

[CS/MM/JL]