Polen hat lokales Wirtschaftspotenzial für Onshore-Windenergie entdeckt

Polen will sein industrielles Erbe nutzen, um von den wirtschaftlichen Vorteilen der Offshore-Windenergie zu profitieren. Auch die vielversprechendere Onshore-Windenergie weiterzuentwickeln, wird jedoch vom politischen Vermächtnis der PiS-Ära verhindert.

Euractiv.com
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Angespornt durch ehrgeizige EU-Klimaziele und die Notwendigkeit, von russischen fossilen Brennstoffen loszukommen und seinen Energiepool zu diversifizieren, baut Polen seine Kapazitäten im Bereich der erneuerbaren Energien aus. [Shutterstock/Voyagerix]

Polen will sein industrielles Erbe nutzen, um von den wirtschaftlichen Vorteilen der Offshore-Windenergie zu profitieren. Auch die vielversprechendere Onshore-Windenergie weiterzuentwickeln, wird jedoch vom politischen Vermächtnis der PiS-Ära verhindert.

Angespornt durch ehrgeizige EU-Klimaziele und die Notwendigkeit, von russischen fossilen Brennstoffen loszukommen und seinen Energiepool zu diversifizieren, baut Polen seine Kapazitäten im Bereich der erneuerbaren Energien aus.

Der Anteil Polens an erneuerbaren Energien an seiner Stromerzeugung hat sich deutlich erhöht und ist laut einem Bericht der NGO CEE Bankwatch von 15 Prozent im Jahr 2019 auf 27 Prozent im Jahr 2023 gestiegen.

Polens Hauptaugenmerk liegt auf Offshore-Windenergie in der Ostsee. Nicht nur wegen des Energiepotenzials der Ostsee von 33 Gigawatt (GW), was etwa der Hälfte der derzeit installierten Stromerzeugungskapazität des Landes entspricht, sondern auch wegen der damit verbundenen wirtschaftlichen und beschäftigungspolitischen Chancen für die stark industrialisierte Wirtschaft Polens.

Auf einer von Euractiv organisierten Veranstaltung zum Thema Offshore-Windenergie in der Ostsee am 10. September sprach Maciej Gorski, Manager des operativen Geschäfts des staatlichen polnischen Versorgungsunternehmens Polska Grupa Energetyczna (PGE), über die Rolle lokaler Unternehmen. Er stellte fest, dass sie „in der Lage sind, sich über den gesamten Lebenszyklus dieser [Offshore-Wind-]Projekte an der gesamten Lieferkette zu beteiligen“.

Sektorale Vereinbarung

Polens Bemühungen, die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Offshore-Windenergie zu nutzen, gehen auf das Jahr 2021 zurück. Damals vereinbarte die Regierung, eine „permanente Plattform für die Zusammenarbeit“ im Bereich Offshore-Windenergie einzurichten. Diese bringt die Regierung, lokale Behörden, Investoren, Betreiber, Vertreter der Liefer- und Dienstleistungskette sowie Forschungseinrichtungen zusammen, um die Beteiligung polnischer Unternehmer an der Lieferkette für Offshore-Windparks des Landes zu maximieren.

Die Vereinbarung enthält explizite Ziele für lokale Beteiligung, um die lokale Wirtschaftstätigkeit im Offshore-Windsektor anzukurbeln.

Polnischen Unternehmen sollten zu 20 bis 30 Prozent von den ersten Offshore-Windparks profitieren. Bei Projekten, die nach 2030 umgesetzt werden, sogar zu mindestens 50 Prozent. Die Ziele decken alle Aspekte von Windparks ab, von der Vorimplementierung bis hin zur Installation und zum Betrieb.

Die Vereinbarung zielt darauf ab, bis 2030 30.000 Polen im Offshore-Windsektor zu beschäftigen und Exporte aus diesem Sektor in Höhe von 470 Millionen Euro zu generieren. Bis 2040 sollen diese Zahlen auf 60.000 beziehungsweise 1,2 Milliarden Euro steigen.

Ein besonderes Augenmerk wird auf die traditionelle polnische Schiffbauindustrie gelegt. Denn die Vereinbarung zielt darauf ab, Werften auf den Bau und die Reparatur von Schiffen für den Offshore-Windbetrieb umzustellen.

Offshore-Chancen

Im vergangenen Jahr wurden in Polen mehrere große Offshore-Industrieinvestitionen angekündigt, unter anderem von Unternehmen wie der Vestas-Fabrik, die Gondeln und Rotorblätter für Windkraftanlagen herstellen wird, sowie von Fabriken wie Baltic Towers und Windar.

Der einzige Offshore-Windpark, der derzeit gebaut wird, ist Baltic Power, mit einer Kapazität von 1,2 GW.

Mehr als 20 Prozent des Lebenszykluswerts des Projekts werden laut den Entwicklern vor Ort beschafft, einschließlich des Baus von zwei Offshore-Umspannwerken in den historischen Schiffbaustädten Danzig und Gdingen.

Die Komponenten für die Stahlfundamente der Windturbinen werden in vier über ganz Polen verteilten Werken hergestellt. Die Stromkabel werden in der nordpolnischen Stadt Bydgoszcz gefertigt.

Laut dem polnischen Windenergieverband „ist die nationale metallurgische Industrie in der Lage, den Großteil des für Türme und Gondeln benötigten Stahls zu liefern […] und kann die Nachfrage nach Beton, Aluminium, Kupfer und anderen wichtigen Rohstoffen vollständig decken“.

Mit seiner Industrie und seinen Ressourcen strebt Polen laut demselben Verband an, ein „echtes baltisches Industriezentrum für Windenergie“ zu werden.

Neben Baltic Power gibt es in Polen derzeit acht Offshore-Windprojekte mit Baugenehmigungen, wie WindEurope gegenüber Euractiv bestätigte.

Hindernisse für Onshore-Wind

Abgesehen von Polens Offshore-Potenzial hat das Land sogar noch ein größeres Potenzial für den Onshore-Markt.

Der Masseneinsatz von Onshore-Turbinen wird derzeit jedoch durch Planungsbeschränkungen eingeschränkt. In Polen ist einen Mindestabstand von 700 Metern zu Gebäuden vorschreiben, verglichen mit dem niedrigeren EU-Standard von 500 Metern.

Die konservative Regierung von Premierminister Donald Tusk strebt zwar eine Lockerung dieser Anforderungen im Jahr 2023 an, doch Polen kämpft mit den Folgen einer Entscheidung aus dem Jahr 2016. Damals hatte die rechtspopulistische PiS-Regierung den Bau von Windkraftanlagen drastisch einschränkt.

„Wenn die Regierung das regulatorische Umfeld für Onshore-Windenergie nicht deutlich verbessert, wird der Sektor bis 2030 nicht nur die installierte Leistung von 19 GW (Onshore) nicht erreichen, sondern nicht einmal 16 GW“, warnt der polnische Windenergieverband.

Darüber hinaus wird Polens Energiemix nach wie vor weitgehend von fossilen Brennstoffen dominiert (72,9 Prozent im Jahr 2023). Zusätzlich muss das Stromverteilungsnetz umfassend modernisiert werden, um die Energie aus Windparks aufnehmen zu können.

Folglich braucht Polen noch Investitionen und politischen Willen, um seine Ziele im Bereich der grünen Energie zu erreichen.

[Bearbeitet von Donagh Cagney/Daniel Eck/Kjeld Neubert]