Plant Berlusconi seinen Abschied?

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi wird sich nach eigenen Angaben 2013 möglicherweise nicht zur Wiederwahl stellen. Einen Nachfolger hat er schon im Auge.

Italiens umstrittener Regierungschef Silvio Berlusconi bereitet möglicherweise seinen Rückzug aus der Politik vor. Foto: dpa
Italiens umstrittener Regierungschef Silvio Berlusconi bereitet möglicherweise seinen Rückzug aus der Politik vor. Foto: dpa

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi wird sich nach eigenen Angaben 2013 möglicherweise nicht zur Wiederwahl stellen. Einen Nachfolger hat er schon im Auge.

"Ich könnte mich auf die Führung meiner Partei beschränken", sagte Silvio Berlusconi in einem Gespräch mit ausländischen Journalisten in Rom. Er werde aber seine aktuelle Legislaturperiode noch beenden. Kurz habe er in Erwägung gezogen, wegen der Libyen-Krise sein Amt vorzeitig niederzulegen.

Berlusconi hatte enge Beziehungen zu Libyens Machthaber Muammar Gaddafi unterhalten, gegen den sich im vergangenen Monat eine Demokratiebewegung im eigenen Land formierte.

Mit dem derzeitigen Justizminister Angelino Alfano hat Berlusconi bereits einen möglichen Nachfolger ins Gespräch gebracht. Dieser sollte am Donnerstag an der Humboldt-Universität in Berlin über den "Kampf gegen grenzüberschreitende organisierte Kriminalität und Terrorismus aus italienischer Perspektive" sprechen. Sein Vortrag wurde jedoch kurzfristig abgesagt.

Berlusconis brachte seinen Stabschef Gianni Letta als Nachfolger für den aktuellen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano ins Gespräch. Für sich selbst könne er sich eine Rolle im Hintergrund der Partei vorstellen, erklärte der Ministerpräsident. Eine endgültige Entscheidung hänge aber von Meinungsumfragen ab.

Hypothetische Äußerungen?

Der Sprecher des Ministerpräsidenten äußerte sich zurückhaltend zu den Äußerungen seines Chefs. Die Äußerungen seien hypothetisch gewesen und würden keinen konkreten Plan wiedergeben.

Gegen Berlusconi laufen einige Gerichtsverfahren wegen des Verdachts von Steuerhinterziehung, Korruption und Sexskandalen. Schon in der Vergangenheit hatte er öffentlich erwogen, sein Amt niederzulegen. Die Tatsache, dass es diesmal gegenüber ausländischen Journalisten geschah, löste eine rege Diskussion in italienischen Medien aus.

EURACTIV/rtr/dto

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