Pegida in Österreich: Der rechte Platz ist schon besetzt

Österreich ist für Pegida offenbar kein fruchtbarer Boden. Beim ersten Auftritt in Wien zu Beginn der Woche fanden sich nur wenige Anhänger. Nun droht sogar ein Demonstrationsverbot.

Euractiv.de
Pegidafand in Wien wenig Anhänger: Demonstration gegen eine FPÖ-Anti-Islam-Kundgebung.
Pegidafand in Wien wenig Anhänger: Demonstration gegen eine FPÖ-Anti-Islam-Kundgebung. [<a href="https://www.flickr.com/photos/kellerabteil/3531986008/in/photolist-6o7mou-6o75PE-6o2vLz-6o6MXj-6o3D8F-6o73mh-6o3yFn-6o3ji4-6o7hbh-6o7Npy-6o6ESQ-6o7Uem-6o7FnJ-6o3wJc-6o7gBL-6o7Vsu-6o39WK-6o2TTx-6o7W51-6o76rf-6o7cNu-6o7EaQ-6o2Wtv-6o2KD6-6o3ooV-6o3cLr-6o2SBv-6o34HT-6o2NhF-6o3eCc-6o6WnS-6o2wiv-6o2G3R-6o7R6W-6o78sQ-6o7P3w-6o3rSp-6o3DAa-6o72KE-6o2ABc-6o3mzT-6o6Y65-6o2zvT-6o3GUr-6o7X9S-6o6QRy-6o7279-6o3e7K-6o7G3U-6o2NQF" target="_blank" rel="noopener">© kellerabteil (CC BY-NC 2.0)</a>]

Österreich ist für Pegida offenbar kein fruchtbarer Boden. Beim ersten Auftritt in Wien zu Beginn der Woche fanden sich nur wenige Anhänger. Nun droht sogar ein Demonstrationsverbot.

Nach einer längeren Vorbereitungsphase war es diesen Montag soweit. Der österreichische Ableger der deutschen Anti-Islam-Bewegung Pegida lud via Facebook zur ersten Protestkundgebung ein. Und rief damit auch gleich die linke Szene auf den Plan, die eine Gegendemonstration organisierte.

Laut Polizeischätzungen wurden auf Pegida-Seite gerade 350 Personen gezählt. Ihnen standen fast 5.000 Anti-Pegida-Protagonisten gegenüber. Auf dem Platz vor der Freyung in der Wiener Innenstadt trafen schließlich beide Gruppen aufeinander. Ein dichter Polizeikordon verhinderte das Aufeinanderprallen beider Gruppen.

Der Schauplatz dieses Protestes ist ein sagenumwobener Platz. Als die Türken im Jahre 1529 Wien das erste Mal belagerten, kam die Stadt in harte Bedrängnis. Um die Stadt einzunehmen, gruben die Türken unterirdische Gänge, in der Hoffnung sich auf diese Weise Zugang in die Stadt zu verschaffen. Ein unterirdischer Minengang wurde bis zur Freiung gegraben. Einem Zufall – ein Bäckerlehrling hörte unterirdische Geräusche und alarmierte die Verteidiger – soll es zu verdanken sein, dass die Stadt dem Schicksal der Einnahme entging. Das Haus, wo die türkischen Angreifer schließlich mit Waffengewalt an ihrem Eindringen in die Stadt gehindert wurden, trägt seither den Namen „Heidenschuss“.

Demonstrationsverbot droht

Von diesem geschichtsträchtigen Hintergrund wussten die Teilnehmer der beiden Gruppen vermutlich wenig. Auf der linken Seite fanden sich nicht nur Berufsdemonstranten, sondern auch offen zum Islam bekennende Personen. Auf der rechten Seite ielen neben Hooligans auch einige Rechtsradikale auf.

Genau das dürfte Pegida-Österreich zum Verhängnis werden. Nachdem einige der Teilnehmer sogar die Hand zum Hitlergruß erhoben – wozu auch Film- sowie Videomaterial exitiert – läuft nun eine Anzeige gegen die Veranstalter. Und zwar wegen des Verstoßes gegen das Verbotsgesetz. Am Ende könnte nun ein Verbot für weitere Pegida-Demonstrationen in Wien stehen.

Wenngleich der Sprecher dieser Initiative, Immanuel Nagel, weitere Demonstrationen in den Bundesländern nicht ausschließen will, so hat bereits der erste Pegida-Auftritt gezeigt, dass die Nachfrage denkbar gering ist.

Wie begonnen, so beinahe schon zeronnen. Für den Politikwissenschafter Benjamin Opratko liegt, wie er gegenüber dem ORF erklärte, ein Unterschied zur deutschen Pegida-Szene auch darin, dass „in Österreich mit der FPÖ eine sehr rechte Volkspartei existiert, die dieses Thema schon lange Jahre besetzt. Weshalb es hier auch schwieriger ist, so zu tun, als würden man überhaupt nicht gehört werden vom politischen Establishment“.