Parlament erwägt verpflichtenden Sportunterricht an Schulen [DE]

Alle europäischen Schulen sollten mindestens zwei Stunden Sportunterricht pro Woche auf ihren Lehrplänen einführen. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht über den Sportunterricht in der EU. 

Alle europäischen Schulen sollten mindestens zwei Stunden Sportunterricht pro Woche auf ihren Lehrplänen einführen. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht über den Sportunterricht in der EU. 

Der von Professor Ken Hardman von der University of Worcester für den parlamentarischen Ausschuss für Kultur und Bildung verfasste Bericht „Current situation and prospects for physical education in the EU” wurde während einer öffentlichen Anhörung über die Rolle des Sports in der Bildung am 28. Februar 2007 vorgestellt. 

Der Bericht befasst sich mit den Sportplänen der europäischen Schulen, unter anderem mit der Zeitbemessung, dem Status des Unterrichts, inhaltlichen und thematischen Aspekten des Lehrplans, Ressourcen (materiell und personell) sowie Fragen wie Gender, Behinderung und ethnische Minderheiten. 

Laut Professor Hardman variieren die derzeitigen nationalen Praktiken in den Mitgliedstaaten stark, wobei einige Staaten größeren Wert darauf legen, junge Menschen für den Sport zu begeistern, andere weniger. Hardman wies auch auf große Unterschiede in der Anzahl und Qualität der Sporteinrichtungen zwischen den Schulen in Ost- und in Westeuropa hin.

Die wichtigsten Empfehlungen des Berichts sind:

  • Verpflichtender Sportunterricht in Schulen. Dem Sportunterricht wird eine Schlüsselrolle bei der Vermeidung hoher Kosten, Gesundheitsrisiken und sozialabträglichem Verhalten zugemessen;
  • Modernisierung der schulischen Sportpläne, indem auf gesellschaftliche Trends Rücksicht genommen wird, um junge Menschen stärker für körperliche Aktivitäten zu begeistern, und;
  • Mindestens zwei Stunden Sportunterricht wöchentlich. Die Anzahl sollte langfristig auf drei Stunden erhöht werden.

Hardman sagte, derzeit bestünden 77% des Sportunterrichts in Grundschulen und 79% des Sportunterrichts in Sekundarschulen aus Spielen, Gymnastik und Athletik. Diese Sportformen seien im 21. Jahrhundert überhaupt nicht mehr relevant, so der Professor. Wie er hinzufügte, hätten finanzielle Erwägungen negativen Einfluss auf den Sportunterricht gehabt, da 50% der EU-Mitgliedstaaten im letzten Jahrzehnt Kürzungen bei der Unterstützung für den Sportunterricht angedeutet hätten.

Der Kommissar für Bildung und Kultur, Ján Figel‘, stellte kurz das erwartete Weißbuch der Kommission zu Sport und den Ansatz der Kommission für Sport in der Bildung vor. Wie der Kommissar sagte, würde das Weißbuch auf die Zeitdauer, die dem Sportunterricht in den Lehrplänen zugemessen wird, die Qualität der Ausbildung und Möglichkeiten des Austausches der besten Erfahrungen auf EU-Ebene eingehen. Die Schulen spielten eine wichtige Rolle bei der körperlichen Betätigung, sie bräuchten aber mehr Unterstützung, so Figel‘.  

Zudem sprach sich der Kommissar für eine „sauberere europäische Sportagenda“ aus und sagte, diese würde durch einen Aktionsplan verwirklicht, der gemeinsame europaweite Maßnahmen unterstützen könnte. Er werde versuchen, auch andere Generaldirektionen einzubeziehen, so Figel‘.