Paris und Berlin wollen ihren Fernsehsender ARTE zu einem paneuropäischen Streamingdienst ausbauen

Diese Initiative erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die EU-Länder über die Medienfinanzierung im nächsten EU-Haushalt verhandeln.

EURACTIV.com
France – Strasbourg Strassburg: Headquarters of the television station ARTE
ARTE soll sich auf weitere Länder ausweiten. [Foto: JOKER/Alexander Stein/ullstein bild via Getty Images]

Paris und Berlin greifen Pläne wieder auf, den deutsch-französischen Sender ARTE zu einem paneuropäischen Streaming-Anbieter auszubauen, und bemühen sich dabei um mehr Mittel im nächsten EU-Haushalt, wie drei Diplomaten gegenüber Euractiv erklärten.

Der Vorschlag, über den zuerst die französische Tageszeitung Les Echos berichtete, sieht vor, dass ARTE sein mehrsprachiges Angebot auf alle 24 EU-Sprachen ausweitet, unterstützt durch erhöhte öffentliche Mittel.

Dieser Vorstoß erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die EU-Länder über die Zukunft des AgoraEU-Rahmenprogramms im nächsten mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) verhandeln, der bestehende Programme zusammenführen und mehr Mittel für grenzüberschreitende Medieninitiativen bereitstellen könnte.

Jährlich rund 2 Millionen Euro an EU-Mitteln

ARTE erhält derzeit jährlich rund 2 Millionen Euro an EU-Mitteln, abgesehen von kleineren projektbezogenen Ausschreibungen, teilte der Sender Euractiv mit. 

„ARTE hat sein mehrsprachiges Programmangebot seit 2015 dank der Unterstützung durch die EU stetig ausgebaut“, sagte ein Sprecher des Senders.

„Mit zusätzlicher Unterstützung könnte ARTE noch weiter gehen und dieses Angebot auf alle EU-Sprachen ausweiten… und ein breiteres Publikum in ganz Europa erreichen“, fügte er hinzu.

Die Debatte findet vor dem Hintergrund allgemeinerer Fragen zu EU-geförderten Medien statt. Der paneuropäische Sender Euronews, der in den letzten Jahren über 350 Millionen Euro an EU-Mitteln erhalten hat, steht wegen seiner Partnerschaften unter anderem mit den Regierungen in Aserbaidschan und Serbien zunehmend in der Kritik.

ARTE betonte seinerseits, dass es nicht darauf abziele, mit reinen Nachrichtenmedien zu konkurrieren, sondern die „europäische und nationale Medienlandschaft“ durch einen eigenständigen redaktionellen Ansatz zu ergänzen.

Der Sender produziert Inhalte aus den Bereichen Dokumentarfilm, Serien, Kultur und Nachrichten, wobei das mehrsprachige Programm teilweise durch EU-Programme wie Kreatives Europa finanziert wird.

ARTE gibt an, dass bereits rund 70 % der Europäer Zugang zu Programmen in ihrer Muttersprache haben.

(mm)