Online-Pornos und Jugendschutz: Unterstützung für Frankreichs Eltern
Die französischen Behörden haben eine neue Plattform gestartet, die Eltern dabei helfen soll, ihre Kinder vor Online-Pornografie zu "schützen". EURACTIV Frankreich berichtet.
Die französischen Behörden haben eine neue Plattform gestartet, die Eltern dabei helfen soll, ihre Kinder vor Online-Pornografie zu „schützen“. EURACTIV Frankreich berichtet.
Die neue Plattform mit dem etwas sperrigen Namen Je protège mon enfant (Ich schütze mein Kind) bietet Erklärungsvideos, Anleitungen und Ideen zur Kommunikation sowie Links zu digitalen „Kindersicherungen“. Sie wurde am Dienstag anlässlich des gestrigen Safer Internet Day vom französischen Staatssekretär für Digitales, Cédric O, und dem Staatssekretär für Kinder, Adrien Taquet, vorgestellt.
Laut einer OpinionWay-Studie aus dem Jahr 2018 haben 62 Prozent der Jugendlichen bereits vor ihrer Einschulung pornografische Bilder gesehen. 69 Prozent hatten das Gefühl, dass Pornos einen Einfluss auf sie hatten: Während 23 Prozent erklärten, sie hätten sich vor allem informiert, räumten weitere 23 Prozent ein, dass sie sich „unwohl“ gefühlt hätten, und 13 Prozent hatten das Gefühl, in irgendeiner Form unter Druck zu stehen, was die [zukünftige] eigene Sexualität und „Leistung“ angeht.
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Seit Juli 2020 ist im französischen Recht eigentlich die Bestrafung von pornografischen Seiten vorgesehen, die von (potenziellen) Besuchern lediglich „eine einfache Erklärung und Versicherung der Person, dass sie mindestens 18 Jahre alt ist“, verlangen.
Alternativen sind jedoch nur schwer umsetzbar. Die französische Rundfunkregulierungsbehörde (Conseil supérieur de l’audiovisuel), die befugt wäre, derartige Vergehen zu erfassen und zu bestrafen, hat sich erst im vergangenen November zum ersten Mal mit dem Thema befasst.
Auswirkungen
Die Psychologin Gabrielle Arena warnt beim Thema Porno-Konsum insbesondere vor der “doppelten Direktheit” der Inhalte. Erstens sei Pornografie online jederzeit “direkt und einfach” verfügbar. Zweitens seien viele Inhalte aber auch „sehr direkt in Bezug auf ihre Brutalität,“ so Arena.
Gerade die Kombination aus dieser „Brutalität und dem einfachen Konsum“ sei besonders besorgniserregend.
Aus Sicht der Expertin kann dies diverse Folgen haben. Das Kind könne „geschockt“ sein, wenn es mit erwachsenen Körpern in dieser Form konfrontiert wird. Dies könne wiederum Unbehagen, Komplexe und „ein Gefühl des Ekels“ hervorrufen – schlimmstenfalls mit längerfristigen psychischen Folgen.
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Der frühe Konsum von pornografischen Inhalten habe darüber hinaus oftmals Auswirkungen auf „die Vorstellungskraft und Fantasie“ der jungen Menschen, stellt Arena weiter fest. Zwar sei vielen jungen Menschen bewusst, dass Pornografie nicht immer die Realität widerspiegele, was das Verhältnis zum Körper, zum Gegenüber und zum Lustempfinden an sich angehe. Dennoch räumten bei einer Umfrage 2017 insgesamt 41 Prozent der Teenager ein, versucht zu haben, die in Pornofilmen gesehenen Praktiken nachzuahmen.
Arena appelliert unter anderem an die Eltern: Diese fühlten sich zwar oftmals „am wenigsten geeignet, über Sexualität zu sprechen“, sollten sich aber nicht scheuen, das Thema anzusprechen.
Aus Sicht der Psychologin gehe es vor allem darum, die Exposition der Kinder zu antizipieren: 53 Prozent der Teenager sind laut einer Ifop-Umfrage schon einmal versehentlich über pornografische Videos im Internet gestolpert.
Das Kind sollte sich trauen und ermutigt werden, frei darüber zu sprechen und das Gesehene zu „zerpflücken“. Die wichtigste Botschaft dabei: „Das ist Kino, das sind Schauspielerinnen und Schauspieler, die dafür bezahlt werden“, so Arena.
[Bearbeitet von Tim Steins]
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