Olivenölhändler in Spanien zweifeln an Trumps Zollstrategie
Während die handelspolitischen Spannungen erneut hochkochen, versuchen die Händler des „flüssigen Goldes“ dennoch optimistisch zu bleiben.
Spanische Olivenölhändler mögen Donald Trumps Zölle nicht – trösten sich aber damit, dass ihre größten Konkurrenten genauso hart, wenn nicht sogar härter getroffen sind.
Seit vergangenem Donnerstag unterliegen EU-Agrar- und Lebensmittelexporte in die USA einem pauschalen Zollsatz von 15 Prozent – Teil des umstrittenen „größten Handelsdeals aller Zeiten“, den Brüssel und Washington vereinbart haben. Zu den betroffenen Produkten zählen auch Olivenölausfuhren aus der EU, von denen die USA rund ein Drittel abnehmen.
Für Spanien, das 70 Prozent der EU-Produktion stellt, steht damit sein wichtigster Exportartikel in die USA auf dem Spiel.
Während die handelspolitischen Spannungen erneut hochkochen, versuchen die Händler des „flüssigen Goldes“ dennoch optimistisch zu bleiben. „Es gibt Länder, die noch mehr Pech haben als wir“, sagt Rafael Pico Acevedo, stellvertretender Direktor von ASOLIVA, dem Verband der spanischen Olivenölproduzenten und -exporteure.
Im vorangegangenen Handelsstreit zwischen Brüssel und Washington 2019 gerieten spanische Produzenten ins Hintertreffen – Italien eroberte damals vorübergehend den Spitzenplatz als größter EU-Exporteur in die USA zurück.
Diesmal müssen sich Spaniens europäische Konkurrenten – vor allem Italien und Griechenland – mit demselben 15-Prozent-Pauschalzoll arrangieren. Der wichtigste externe Rivale der EU im Olivenölmarkt, Tunesien, hat es sogar noch härter getroffen: Die USA verhängen dort 25 Prozent.
Auch die Türkei, ein weiterer bedeutender Produzent, wird mit 15 Prozent belastet.
Andere kommen glimpflicher davon, spielen jedoch eine geringere Rolle. „Wir sprechen nur über eine Differenz von fünf Prozentpunkten zu den sogenannten Meistbegünstigten, die aber nicht die Marktführer sind“, so Pico gegenüber Euractiv – gemeint sind etwa Marokko, Australien, Argentinien und Chile.
Dennoch warnt Pico, Prognosen seien schwierig: Die Spielregeln im Olivenölhandel hätten sich verändert. „[Länder] können sich jetzt durch politische Entscheidungen vor uns positionieren“, sagt er.
Unbezahlbares Alltagsgold?
Pico kritisiert Trumps Begründung für die höheren Zölle. Handelsbarrieren würden die US-Olivenölindustrie nicht fördern, wie Trump verspreche, sondern vor allem die Preise für Verbraucher in die Höhe treiben.
„Die USA werden kein amerikanisches Olivenöl fördern, weil sie praktisch keines haben“, sagt er – der Eigenanteil decke gerade einmal zwei Prozent des Bedarfs.
Mit höheren Preisen drohe zudem, dass US-Verbraucher von Olivenöl auf günstigere Alternativen wie Palmöl ausweichen. Pico zeigt sich dennoch zuversichtlich, was die Anziehungskraft des Produkts betrifft.
„Wir hatten schon Preiserhöhungen, die fast doppelt so stark waren – und der US-Markt hat durchgehalten, sogar besser als der spanische“, sagt er mit Blick auf die historischen Preisrekorde des vergangenen Jahres.
Während spanische Verbraucher zuletzt vermehrt auf weniger edles Sonnenblumenöl umstiegen, blieb der Konsum in den USA vergleichsweise stabil.
„Die US-Verbraucher haben eine ausgeprägte Olivenöl-Kultur“, so Pico.
Was die nächste Saison bringt
Nach den massiven Preissprüngen der beiden Vorjahre – ausgelöst durch historisch niedrige Ernten – haben sich die Olivenölpreise in diesem Jahr stabilisiert.
Auch die kommende Ernte, die im Oktober startet, sieht zunächst vielversprechend aus – vielleicht sogar zu üppig.
Nach ergiebigen Regenfällen im März und April prognostizierten Experten eine Rekordsaison, weshalb die spanische Regierung bereits Maßnahmen vorbereitete, um ein Überangebot zu verhindern und Preiseinbrüche zu vermeiden.
Doch eine jüngste Dürreperiode und extreme Temperaturen haben die Erwartungen deutlich gedämpft.
„Es sah nach der Ernte des Jahrhunderts aus – wir rechneten mit zwei Millionen Tonnen (…), aber das zerrinnt gerade“, sagt Pico.
(jp, jl)