Ökonomen sagen Aufschwung ohne Arbeitsplätze vorher [DE]

Europa könnte im Jahr 2010 zu moderatem Wachstum zurückkehren, doch Ökonomen warnen vor einer weiterhin hohen Arbeitslosigkeit inmitten von Befürchtungen über eine schwache Erholung.

Europa könnte im Jahr 2010 zu moderatem Wachstum zurückkehren, doch Ökonomen warnen vor einer weiterhin hohen Arbeitslosigkeit inmitten von Befürchtungen über eine schwache Erholung.

Bei einer gestrigen (14. Januar) Konferenz in Brüssel sagten Analytiker ein weiteres schwieriges Jahr vorher. Die Gefahr einer W-förmigen Erholung mit zwei Tälern könne nicht ausgeschlossen werden.

Die vom European Policy Centre (EPC) ausgerichtete Veranstaltung setzte den Schwerpunkt auf Wachstum und Beschäftigung. Ökonomen machten jedoch ebenfalls deutlich, dass ein Anstieg des BIP keine Verbesserung der Arbeitslosenzahlen bedeuten müsse. 

Jørgen Elmeskov, stellvertretender Chefökonom der OECD, erwartete „eine anhaltende, doch sehr langsame Erholung” in den OECD-Staaten. Die Situation in Europa sei weniger ermutigend als in den USA, wo die Arbeitslosigkeit fast ihren Höchststand erreicht habe.

Jedoch wies er auf einige vorsichtige Signale hin, dass das Vertrauen in die Märkte wieder hergestellt sei. So hätten sich die Märkte für Staats- und Unternehmensanleihen erholt, wodurch sich größere Unternehmen leichter Kapital beschaffen könnten.

Der Welthandel erhole sich ebenfalls, angetrieben von einer starken Leistung der so genannten ‚BRIC’-Staaten – Brasilien, Russland, Indien und China –, die alle wirksame Politiken zur Krisenbewältigung umgesetzt hätten. Elmeskov wies dabei insbesondere auf die von der Politik eingeleitete Erholung in China hin, die er als „erstaunlich“ beschrieb. Er erwarte nun ein Wachstum von über 10%.

Elmeskov zufolge könnten die Immobilienpreise in einer Reihe von Ländern ebenfalls die Talsohle durchschritten haben. Jedoch gebe es weiterhin „bohrende Zweifel“, ob die Grundstückspreise tatsächlich ihren Tiefststand erreicht hätten. Eine zweite Phase des Wertverfalls sei möglich.

Rückzahlungen zum Ende der Rezession

Wacklige Finanzinstitutionen und ausufernde Staatsschulden stellen den Ökonomen zufolge die größte Gefahr für die wirtschaftliche Erholung dar. Bei der Senkung von Ausgaben müssten Regierungen einen schmalen finanzpolitischen Grat wandern, da solche Maßnahmen negative Auswirkungen auf die Volkswirtschaft – insbesondere auf die Verbraucherausgaben und das Geschäftsklima – haben könnten. 

Bei der Schaffung von Arbeitsplätzen sah Fabian Zuleeg, Chefökonom beim EPC, „wenig Platz für Optimismus“, da die Entwicklung der Arbeitslosigkeit dem Wirtschaftswachstum meistens hinterherhinke.

Er wies auch auf unterschiedliche Auswirkungen des sinkenden BIP auf die Arbeitsmärkte innerhalb Europas hin. So sei das BIP in Spanien zum Beispiel entsprechend dem EU-Durchschnitt zurückgegangen, die dortige Arbeitslosigkeit sei jedoch stark angestiegen und gehe auf 20% zu – doppelt so hoch wie der EU-Durchschnitt.

Zu den langfristigeren Aussichten für den europäischen Arbeitsmarkt sagte er, die Beschäftigung werde nicht anziehen, bis das träge Wachstum einen Wert von etwa 1,5% überschreitet.

„Wir bewegen uns aus der Krise heraus – jedoch nicht in eine Phase der Erholung, sondern in die Stagnation. Werden die europäischen Volkswirtschaften jemals wieder den Punkt erreichen, an dem sie vor der Krise waren? Das ist äußerst zweifelhaft. Die Arbeitsmärkte werden noch lange Zeit davon betroffen sein“, so Zuleeg.

Demographische Entwicklungen und die notwendige Bekämpfung des Klimawandels würden das Problem sogar noch verstärken.

EU-Exekutive signalisiert Optimismus

Der einzige Optimist unter den versammelten, düster gestimmten Wissenschaftlern war István Székely, Direktor für wirtschaftliche Studien und Forschung bei der Generaldirektion für Wirtschaft und Finanzen (ECFIN) in der Europäischen Kommission.

Seiner Auffassung nach sei der Markt erheblich optimistischer als einige auswärtige Analytiker. Auch die weltweite Produktion habe fast wieder dasselbe Niveau wie vor Ausbruch der Krise erreicht.

Székely verglich die Erfahrungen aus Japan und Finnland miteinander, die in der Vergangenheit beide mit verheerenden Finanzkrisen zu kämpfen hatten. Im Falle Japans hätten Politiker es versäumt, das Finanzsystem zu reformieren und die Probleme beherzt und direkt anzugehen. Dies habe zu einem „verlorenen Jahrzehnt“ der Stagnation geführt.

Der finnische Fall sei andererseits Grund zu Optimismus, fuhr Székely fort und erklärte: „Es hatte gerade eine schlimme Rezession hinter sich und holte auf. Es dauerte zwar 15 Jahre, bis es wieder auf den Wachstumspfad von vor der Krise zurückkehrte, aber Finnland hat sich – dank technologisch angetriebener Effizienzen und einer Gesellschaft, die Innovationen offen gegenüberstand – letztendlich erholt.“

Dennoch musste auch er zugeben, dass es um die kurzfristigen Aussichten für Beschäftigungswachstum in Europa nicht besonders gut stehe. So werde die Arbeitslosigkeit bis 2011 weiterhin ansteigen – und selbst dann werde die Erholung nur minimal sein.