Österreich will noch mehr Zelte für Flüchtlinge aufstellen

Die Regierung wird auch im Westen Österreichs, wo vergleichsweise weniger Flüchtlinge ankommen, zusätzliche Zelte aufstellen. Die Empörung über die Unterbringung von Flüchtlingen in Zelten und die Aufrufe von NGOs sind groß.

Euractiv.de
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Seit Jahresbeginn sind mehr als 70.000 Flüchtlinge in Österreich eingetroffen, wobei die aus der Ukraine kommenden Flüchtlinge nicht mitgezählt sind. [EPA/HERBERT P. OCZERET]

Die Regierung wird auch im Westen Österreichs, wo vergleichsweise weniger Flüchtlinge ankommen, zusätzliche Zelte aufstellen. NGOs empören sich über die als unnötig wahrgenommene Maßnahme.

Seit Jahresbeginn sind mehr als 70.000 Flüchtlinge in Österreich eingetroffen, wobei die aus der Ukraine kommenden Flüchtlinge nicht mitgezählt sind. Die 200-prozentige Zunahme hat zu einer zusätzlichen Belastung der Flüchtlingsunterkünfte geführt, die die Regierung durch die Errichtung von beheizten Zelten auf Bundesflächen beheben will.

Wie die APA aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr, werden Tirol und Vorarlberg in den nächsten Tagen Zelte aufstellen. Beide Bundesländer wehren sich heftig und haben angeboten, stattdessen Container als Notunterkünfte aufzustellen.

Beide Bundesländer liegen weit unter ihren Quoten für die Unterbringung von Flüchtlingen, ein System, mit dem die Last der vorübergehenden Unterbringung von Flüchtlingen auf alle neun Bundesländer gleichmäßig verteilt werden soll.

In Kärnten, das ebenfalls zurückliegt, gibt es bereits zehn Zelte. In Oberösterreich, wo ein:e Bürgermeister:in mit der Blockade einer Autobahn gedroht hat, gibt es bereits 13 Zelte.

Führende NGOs haben einen Brief an den Bundeskanzler geschickt. „Niemand will das, und diese unmenschliche Unterbringung ist auch absolut vermeidbar“, heißt es in dem Brief, der von Caritas, der Kirche und dem Roten Kreuz unterzeichnet wurde.

Nach Ansicht der NGOs und der Daten handelt es sich bei der derzeitigen Situation nicht um eine Flüchtlingskrise, sondern um eine Unterbringungskrise.

Derweil wird der österreichische Innenminister am Donnerstag (20. Oktober) an einer Konferenz in Berlin teilnehmen, an der neben 17 anderen Ländern auch jene der berüchtigten „Balkanroute“ teilnehmen werden, um das Thema zu diskutieren.