Öl- und Gaskonzerne betreiben systematisches Greenwashing
Laut einer am Donnerstag (8. September) veröffentlichten Branchenanalyse überbewerteten die großen Energiekonzerne in ihrer öffentlichen Kommunikation ihre Umweltfreundlichkeit, während sie weiterhin den Großteil ihrer Neuinvestitionen in Öl- und Gasprojekte stecken.
Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Branchenanalyse überbewerteten die großen Energiekonzerne in ihrer öffentlichen Kommunikation ihre Umweltfreundlichkeit, während sie weiterhin den Großteil ihrer Neuinvestitionen in Öl- und Gasprojekte stecken.
Aktivist:innen sagen, dass diese „erhebliche Diskrepanz“ zwischen Kommunikationsstrategien und Geschäftsplänen es fünf der größten privaten Energieunternehmen ermöglichen könnte, die Dekarbonisierung weiter zu verzögern, die zur Vermeidung der schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels dringend erforderlich wäre.
Der Branchenbeobachter InfluenceMap analysierte den Inhalt von mehr als 3.400 öffentlichen Mitteilungen von BP, Chevron, ExxonMobil, Shell und TotalEnergies aus dem Jahr 2021, darunter Pressemitteilungen, Reden unddie Social-Media-Accounts von Unternehmen und CEOs.
Sie fanden heraus, dass 60 Prozent aller Mitteilungen mindestens eine „grüne“ Botschaft enthielten – wie beispielsweise Emissionsreduktionsziele, die Umstellung des Energiemixes oder die Förderung von fossilem Gas als Teil einer sauberen Energielösung.
Diese öffentlichen Mitteilungen stehen im Gegensatz zu den geplanten Investitionsausgaben der fünf Unternehmen für 2022, von denen nur 12 Prozent für kohlenstoffarme Aktivitäten vorgesehen seien.
„Man kann einen echten Unterschied zwischen häufig formulierten grünen Versprechen in der öffentlichen Kommunikation und der anhaltenden Strategie, die Klimapolitik zu untergraben und zu blockieren, erkennen“, sagte Faye Holder, Mitautorin des Berichts und Programmleiterin, gegenüber AFP.
Sie sagte, die Diskrepanz zwischen dem, was die Großkonzerne ankündigen, und dem, worin sie investieren, täusche die Öffentlichkeit in Bezug auf ihre Rolle im Kampf gegen den Klimawandel.
„Basierend auf der öffentlichen Kommunikation, insbesondere in den sozialen Medien, könnte man den Eindruck gewinnen, dass diese Unternehmen handeln, um den Klimawandel zu bekämpfen, denn das ist es, was man von ihnen hört“, sagte sie.
Klima-Desinformation
Die Analyse ergab, dass Shell die größte Diskrepanz zwischen Kommunikation über Nachhaltigkeit und seinen tatsächlichen Investitionen aufweist.
InfluenceMap zufolge enthielten 70 Prozent der Shell-Kommunikation im vergangenen Jahr eine umweltfreundliche Aussage, verglichen mit nur 10 Prozent der geplanten Investitionen in kohlenstoffarme Aktivitäten für dieses Jahr.
Ein Sprecher von Shell erklärte gegenüber AFP, der Konzern investiere bereits „Milliarden von Dollar in kohlenstoffarme Energie.“
„Um den Energiemix, den Shell verkauft, zu verbessern, müssen wir diese neuen Geschäftsfelder schnell ausbauen. Das bedeutet, dass wir unsere Kund:innen durch Werbung oder soziale Medien darüber informieren müssen, welche kohlenstoffärmeren Lösungen wir bereits anbieten oder entwickeln.“
Die Analyse ergab, dass 62 Prozent der Mitteilungen von TotalEnergies grüne Projekte erwähnten, während das Unternehmen 25 Prozent der Investitionsausgaben im Jahr 2022 für kohlenstoffarme Projekte zu verwenden beabsichtigte.
Eine Sprecherin von TotalEnergies erklärte dagegen, dass 30 Prozent der Investitionen des Unternehmens in „dekarbonisierte Energie“ fließe.
„Unsere Strategie für öffentliche Ankündigungen spiegelt die Entwicklung von TotalEnergies zu einem Multi-Energie-Unternehmen wider“, sagte sie gegenüber AFP.
Ein Sprecher von ExxonMobil teilte dagegen mit, dass das Unternehmen „weiterhin die Emissionen aus seinem Betrieb reduziert und seine Pläne zur Emissionsreduzierung für 2025 vier Jahre früher als geplant erreicht hat.“
BP und Chevron reagierten nicht auf Bitten um Stellungnahme.
Die Analyse ergab, dass die fünf Konzerne allein im vergangenen Jahr insgesamt 750 Millionen Dollar für klimabezogene Botschaften ausgegeben hätten.
Der Mitverfasser des Berichts, Ed Collins, sagte, dass dies für die Konzerne ein gutes Geschäft sei, da es deutlich billiger sei als die tatsächliche Dekarbonisierung ihrer Geschäftsmodelle und die Regierungen ermutigen würde, ihre Produkte weiterhin zu subventionieren.
„Die Kosten scheinen enorm zu sein, aber die Investition ist winzig im Vergleich zu der potenziellen Belohnung in Form von vorteilhaften politischen Bedingungen und der Subventionierung von Gebäudeanlagen“, sagte er.
Einige der untersuchten Unternehmen planen, die Öl- und Gasproduktion bis 2026 zu steigern, was nach Ansicht der Analyst:innen dazu führen würde, dass ihre Emissionen den von der Internationalen Energieagentur empfohlenen Netto-Null-Pfad deutlich überschreiten würden.
Gwendoline Delbos-Corfield, Mitglied der Grünen im Europäischen Parlament, sagte, die Analyse vom Donnerstag beweise, dass die untersuchten Unternehmen „Klima-Desinformation“ betrieben.
„Sie zeigt, wie weit die Öl- und Gasunternehmen bereit sind zu gehen, um die Bürger:innen in die Irre zu führen und ihre eigenen Interessen zu schützen.“