OECD bestürzt über mangelnde Produktivität der Schwellenländer
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) fordert strukturelle Reformen in einer Reihe von Schwellenländern. Einige dieser Länder gelten als Wachstumsmotoren, haben aber grundlegende Schwierigkeiten, auch bei der Produktivität zu den Industrieländern aufzuschließen. EURACTIV Frankreich berichtet.
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) fordert strukturelle Reformen in einer Reihe von Schwellenländern. Einige dieser Länder gelten als Wachstumsmotoren, haben aber grundlegende Schwierigkeiten, auch bei der Produktivität zu den Industrieländern aufzuschließen. EURACTIV Frankreich berichtet.
Aus einem OECD-Bericht geht hervor, dass einige Länder trotz hoher Wachstumsraten eine langsame wirtschaftliche Konvergenz zeigen. Einige Länder mit mittlerem Einkommen sehen deshalb ihre Chancen auf das Erreichen des Durchschnittseinkommens der OECD-Länder schwinden.
Unter diesen Ländern sind Brasilien, Kolumbien, Mexiko, Südafrika und Ungarn. Dem Bericht „Perspektiven der weltweiten Entwicklung 2014“ zufolge werden diese Länder mehr Zeit als ursprünglich angenommen brauchen, um den Durchschnitt zu erreichen. In Brasilien ist das auf die eingeschränkte „Totale Faktorproduktivität“ zurückzuführen. Das ist die Menge an Produktionsfaktoren, die benötigt wird, um eine bestimmte Menge an Wohlstand zu erreichen – und die ist sehr hoch.
„Legt man ihre derzeitigen Raten zugrunde, werden viele Länder mit mittlerem Einkommen nicht schnell genug wachsen, um das Niveau des Durchschnittseinkommens der OECD-Länder bis 2050 zu erreichen“, sagt José Ángel Gurría, Generalsekretär der OECD.
Es ist normal, dass sich das Wachstum mit zunehmender Entwicklung verlangsamt, aber dennoch läuft ihre Entwicklungsstruktur Gefahr, untergraben zu werden. Auf der anderen Seite sind Länder wie China, Panama, Kasachstan auf einem guten Weg, die Schere bis 2050 zu schließen.
Der OECD-Bericht prophezeit, dass die Entwicklungsländer in den kommenden Jahrzehnten schneller als die Industrieländer wachsen werden.
Produktivität, Produktivität, Produktivität
Außerdem liege die Produktivität der Arbeitskräfte in vielen Entwicklungsländern weit unter dem Durchschnitt der OECD-Länder. „Was die totale Faktorproduktivität angeht, liegen alle Länder bei unter 30 Prozent des Produktivitätsniveaus der USA. Aber in Wirklichkeit sind einige Länder noch weiter unter diesem Durchschnitt. Die Lücke wird zum Beispiel in Brasilien, Mexiko und der Türkei größer“, sagt Mario Pezzini, Leiter des OECD-Entwicklungszentrums.
Um dieses Problem zu lösen, rät die Organisation zur Diversifizierung der Sektoren, in denen die Wertschöpfung wichtiger ist, zum Beispiel die Landwirtschaft, Produktion und Dienstleistungen. Zusätzlich sollte es Wirtschaftsreformen geben und man müsse sich verstärkt auf Innovation konzentrieren, genauso wie auf spezifische strukturelle Wirtschaftsreformen.
Innovation zielt darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit, Produktivität und Arbeitsplatzschaffung anzukurbeln. Sie kann außerdem für dynamischeres Wachstum sorgen und Lösungen für soziale Probleme bieten. „Wenn die Arbeitsproduktivität im Speziellen nicht besser wird, werden wir die Arbeitsbedingungen nicht verbessern können“, sagt Ángel Gurría. Inklusives Wachstum ist deshalb eine der OECD-Prioritäten und eine der Anforderungen für Entwicklungsländer.
Der OECD zufolge werden die Schwellen- und Entwicklungsländer Jahrzehnte brauchen, um das Lohnniveau der Industrieländer zu erreichen – wenn sie keine Anstrengungen zur Verbesserung ihrer Produktivität unternehmen. Der Dienstleistungssektor kann ebenfalls eine Schlüsselrolle für „das Wachstum der Wertschöpfung in Schwellenländern“ bedeuten. Der Aufbau dieses Sektors würde es den Ländern ermöglichen, Beschäftigung durch die Durchführung guter Dienstleistungen für die Mittelklasse sowie nationale und ausländische Firmen zu schaffen.