Norwegens Geheimdienst beunruhigt: USA könnte Informationen an Russland weitergeben

Norwegische Regierungs- und Geheimdienstbeamte sorgen sich um die Zukunft der engen Geheimdienstpartnerschaft mit den USA. Es wird befürchtet, dass die Trump-Administration mehr auf Putin hören könnte als auf westliche Verbündeten, heißt es aus Geheimdienstkreisen laut lokalen Medien.

EURACTIV.com
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Beamte des norwegischen Geheimdienstes (NIS) und der norwegischen Regierung diskutieren zunehmend, ob der USA noch vertraut werden kann, schreibt Dagens Næringsliv (DN). [Wayne Hopkins | Flickr]

Norwegische Regierungs- und Geheimdienstbeamte sorgen sich um die Zukunft der engen Geheimdienstpartnerschaft mit den USA. Es wird befürchtet, dass die Trump-Administration mehr auf Putin hören könnte als auf westliche Verbündeten, heißt es aus Geheimdienstkreisen laut lokalen Medien. 

Nach der katastrophalen Auseinandersetzung zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus und den jüngsten Schritten, Europa ins Abseits zu drängen, steht die jahrzehntelange enge Beziehung zwischen Norwegen und den USA auf dem Prüfstand.

Beamte des norwegischen Geheimdienstes (NIS) und der norwegischen Regierung diskutieren zunehmend, ob der USA noch vertraut werden kann und ob der eigentlich enge Vertraute zu einer Bedrohung werden könnte, schreibt die führende Wirtschaftszeitung Norwegens, Dagens Næringsliv (DN).

Den Quellen des Mediums zufolge wird bereits befürchtet, dass die USA bewusst oder unbewusst sensible Informationen, die Norwegen gesammelt hat, an Russland weitergegeben haben könnten.

Der norwegische Geheimdienst wies den DN-Bericht jedoch öffentlich zurück.

„Der Nachrichtendienst distanziert sich entschieden von den Behauptungen in dem von DN veröffentlichten Artikel“, sagte Nils Andreas Stensønes, Leiter des NIS, am Donnerstagmorgen.

„Die Anschuldigungen entbehren jeglicher Grundlage in der Realität. Norwegen hat eine solide und gute nachrichtendienstliche Zusammenarbeit mit den USA“, fuhr er fort.

Beunruhigende Szenarien

Dem Medienbericht zufolge weisen die internen Bewertungen des Geheimdienstes auf mehrere Gefahren der Zusammenarbeit mit den US-Partnern hin.

In einem Szenario könnten die USA beschließen, Informationen mit Russland zu teilen, um die „uneingeschränkte“ russisch-chinesische Partnerschaft zu spalten.

In einem anderen Szenario könnten versehentlich sensible norwegische Informationen durch neu eingesetzte, inkompetente Akteure weitergeben werden. Zudem könnten die USA auch das Interesse an den norwegischen Informationen verlieren, womit der norwegischen Seite ein wichtiges Druckmittel genommen würde.

In der Bewertung wird beispielsweise auf die mangelnde Erfahrung der neuen Direktorin des US-Geheimdienstes Tulsi Gabbard hingewiesen, die die Argumente des russischen Präsidenten Wladimir Putin zur Ukraine unterstützt.

Den Quellen von DN zufolge setzt Russland seine offensiven Cyber-Operationen weiter fort und erwidert damit nicht der Pausierung der offensiven Aktivitäten aus den USA.

Europaweite Unsicherheit

Vor etwas mehr als einer Woche versicherte der britische Premierminister Keir Starmer öffentlich, dass sein Land weiterhin an der Partnerschaft mit den US-Geheimdiensten festhält, doch seitdem ist viel passiert.

Der französische Verteidigungsminister Sébastien Lecornu bestätigte unterdessen am Donnerstag, dass Frankreich nachrichtendienstliche Informationen mit der Ukraine austauschen, nachdem die USA ihren Informationsaustausch mit Kiew drastisch eingeschränkt hatten.

„Unsere nachrichtendienstlichen Kapazitäten sind unsere eigenen“ und im Gegensatz zu Großbritannien frei von länderübergreifenden Allianzen, sagte Lecornu. Der französische Minister bezog sich damit auf die Beteiligung Großbritanniens an der „Five Eyes“-Gemeinschaft mit den Amerikanern, zu der auch Kanada, Australien und Neuseeland gehören.

„Für unsere britischen Freunde […] ist der Informationsaustausch [mit der Ukraine] wahrscheinlich komplizierter“, sagte Lecornu.

Norwegen beschäftigt sich Berichten zufolge mit ähnlichen Fragen, aber im Moment ist die offizielle Linie zur Zusammenarbeit mit den USA klar.

„Die Partnerschaft ist solide und jederzeit auf Bedrohungen ausgerichtet, die für beide Nationen von Nutzen sind, wenn sie verstanden und angezeigt werden“, sagte Stensønes.

*Théo Bourgery-Gonse hat zu diesem Bericht beigetragen

[BTS]