Nord Stream 2: Putins Lösung für Europas Gasmangel
Die Unterbrechungen der russischen Gaslieferungen, über die sich die EU beklagt, könnten mit dem Start von Nord Stream 2 gelöst werden, sagte der russische Präsident Wladimir Putin am Dienstag (19. Juli) in Teheran.
Die Unterbrechungen der russischen Gaslieferungen, über die sich die EU beklagt, könnten mit dem Start von Nord Stream 2 gelöst werden, sagte der russische Präsident Wladimir Putin am Dienstag (19. Juli) in Teheran.
Der Start von Nord Stream 2 sei der Weg, um die russischen Gaslieferungen nach Europa zu erhöhen, sagte Putin gegenüber Reporter:innen während seines Besuchs im Iran, so das Protokoll des Kremls.
Nord Stream 2, mit der die Kapazität von Nord Stream 1 verdoppelt werden soll und zusätzliche 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr durch die Ostsee nach Deutschland geleitet werden sollen, ist bereits fertiggestellt. Allerdings hat Deutschland die Zertifizierung der Pipeline als Reaktion auf die Anerkennung der beiden abtrünnigen Regionen im ukrainischen Donbass durch Russland gestoppt.
Dennoch will Russland die Pipeline, die ungeachtet der US-Sanktionen gebaut wurde, nicht aufgeben. Der russische Botschafter bei der EU, Wladimir Tschischow, erklärte nach der Entscheidung Deutschlands, die Zertifizierung auszusetzen, das Projekt sei nicht tot, sondern liege im „Dornröschenschlaf.“
„Wir haben eine andere Route parat – Nord Stream 2, die in Betrieb genommen werden kann“, sagte Putin und verwies darauf, dass sich die Energiekrise in Europa dadurch lösen ließe.
„Vor anderthalb oder zwei Monaten haben wir in einem Gespräch mit dem Bundeskanzler [Olaf Scholz] dieses Thema erörtert, ich habe es angesprochen und gesagt, dass Gazprom Kapazitäten reserviert hat, dass es diese Kapazitäten geschaffen hat und dass etwas dafür getan werden muss, es kann nicht unendlich lange in der Luft hängen“, so Putin.
Der deutsche Bundeskanzler habe ihm daraufhin geantwortet, dass er wichtigere Dinge zu tun habe.
„Nun, ich musste ihn warnen, dass wir dann die Hälfte des für Nord Stream 2 vorgesehenen Volumens für den inländischen Verbrauch und die Verarbeitung wegnehmen werden. Und Gazprom hat das bereits getan, also selbst wenn wir morgen Nord Stream 2 in Betrieb nehmen, werden es nicht 55 Milliarden Kubikmeter pro Jahr sein, sondern genau die Hälfte, und wenn man bedenkt, dass wir uns im zweiten Halbjahr befinden, wird es ein Viertel sein“, fügte Putin hinzu.
Der russische Präsident gab einen Überblick über die Lieferungen Russlands nach Europa und machte Polen und die Ukraine für die Unterbrechungen verantwortlich.
Früher habe Russland 170 Milliarden Kubikmeter pro Jahr nach Europa und 30 Milliarden Kubikmeter pro Jahr in die Türkei geliefert, erklärte er.
Von den 170 Milliarden Kubikmetern seien, wenn er sich richtig erinnere, 55 Milliarden Kubikmeter durch Nord Stream 1, 33 Milliarden Kubikmeter durch die Yamal-Pipeline, die über Polen verläuft, jeweils 33 Milliarden Kubikmeter durch die beiden Pipelines, die über die Ukraine verlaufen, und 12 Milliarden Kubikmeter durch TurkStream gegangen.
Aber er sagte, dass „die Ukraine plötzlich ankündigte, eine der beiden durch ihr Territorium verlaufenden Routen zu schließen“, und fügte hinzu, dass die Gründe „politischer Natur“ seien.
Dann sagte Putin, dass „Polen Sanktionen gegen Jamal-Europa ergriffen und verhängt hat“. Er warf Warschau vor, die gleichen Gasmengen wie früher aus Russland für Deutschland zu beziehen und fügte hinzu, dass es sich zwar um russisches Gas handele, aber billiger.
„Sie (die Polen) beziehen von uns zu einem ziemlich teuren Preis, der näher am Marktpreis liegt, während Deutschland von uns im Rahmen langfristiger Verträge 3-4 mal billiger bezieht als der Marktpreis“, sagte Putin.
Russische Gaslieferungen in die EU gehen überall zurück, außer via TurkStream
Die russischen Gaslieferungen sind über die wichtigsten Routen zurückgegangen, unter anderem über die Ukraine und…
5 Minuten
„Die Europäer haben nur verloren“
„Für deutsche Unternehmen ist es profitabel, an Polen mit einem kleinen Aufschlag zu verkaufen. Für die Polen ist es profitabel, zu kaufen, weil es billiger ist, als [Gas] direkt von uns zu beziehen. Aber die Gasmenge auf dem europäischen Markt ist zurückgegangen, und der Gesamtpreis auf dem Markt ist gestiegen. Wer hat gewonnen? Die Europäer haben nur verloren.“
Putin gab dann den Sanktionen die Schuld, die nach seinen Worten die Lieferungen über Nord Stream 1 wegen einer in Kanada gewarteten Turbine beeinträchtigten.
Um nicht der Verletzung von Sanktionen beschuldigt zu werden, hat Kanada die Turbine nach auf deutsche Bitte nach Deutschland geschickt, von wo aus sie die russische Verdichterstation Portowaja erreichen soll.
„Sie haben eine Route geschlossen, dann eine zweite Route, und diese Gasturbinen unter Sanktionen gestellt. Gazprom ist bereit, so viel wie nötig zu pumpen. Sie haben alles selbst geschlossen“, sagte Putin und gab somit den westlichen Staaten die Schuld an ihrer Notlage.