Niederlande übernehmen Chiphersteller Nexperia von chinesischem Eigentümer
Die Entscheidung erfolgte auf Grundlage des nationalen Gesetzes zur Sicherstellung der Warenverfügbarkeit und von der Regierung als außergewöhnlicher Schritt beschrieben. Die Anwendung des Gesetzes erfolgt nur, wenn es „unbedingt notwendig“ sei.
Die niederländische Regierung hat den Chiphersteller Nexperia übernommen und damit den bisherigen Eigentümer, den chinesischen Elektronikhersteller Wingtech Technology, abgelöst. Das Wirtschaftsministerium bezeichnet den Schritt als notwendig, um „entscheidendes technologisches Know-how und zentrale Produktionskapazitäten“ in Europa zu sichern.
Die Entscheidung erfolgte auf Grundlage des nationalen Gesetzes zur Sicherstellung der Warenverfügbarkeit und wird in der Pressemitteilung vom 12. Oktober als außergewöhnlicher Schritt beschrieben. Die Anwendung des Gesetzes erfolgt nur, wenn es „unbedingt notwendig“ sei.
Vorausgegangen waren laut Regierung „gravierende Mängel in der Unternehmensführung“ bei Nexperia, die eine Gefahr für die Sicherung „entscheidender technologischer Kenntnisse und Kapazitäten“ in den Niederlanden und in Europa dargestellt hätten.
Der Schritt fällt in eine Phase intensiver Debatten in Europa über die Stärkung der digitalen Souveränität. Er unterstreicht zugleich die Einschätzung, dass europäische Gesetzesinitiativen zur Stärkung der Halbleiter-Lieferketten bislang wenig Wirkung gezeigt haben.
Nexperia gehört zu den weltweit größten Produzenten von Chips für die Auto- und Elektronikindustrie und gibt an, jährlich mehr als 100 Milliarden Einheiten zu liefern. Das Unternehmen ist ein Spin-off zweiter Generation des niederländischen Medizintechnik-Konzerns Philips und wurde 2018 vom chinesischen Unternehmen Wingtech übernommen.
Die Übernahme durch den Staat folgt auf eine Notverhandlung der Amsterdamer Unternehmenskammer am 6. Oktober. Dabei wurde der chinesische Staatsbürger Zhang Xuezheng als Geschäftsführer von Nexperia abberufen, wie das niederländische Medium NRC berichtet. Zhang soll durch eine nicht-chinesische Führungsperson ersetzt werden.
Die Regierung erhält damit die Möglichkeit, interne Managemententscheidungen zu blockieren, um sicherzustellen, dass Nexperia-Chips „im Falle eines Notfalls verfügbar bleiben“, heißt es in der Pressemitteilung weiter.
Auf Anfrage lag zunächst keine Reaktion von Nexperia und Wingtech vor.
(nl, jl)