Neun von zehn Ukrainern wollen EU-Mitgliedschaft bis 2030

Zweiundneunzig Prozent der Ukrainer sind laut jüngsten Umfragen für einen EU-Beitritt bis 2030. Im Dezember 2021, vor dem Einmarsch Russlands, befürworteten bei einem Referendum nur 67 Prozent einen sofortigen Beitritt.

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Etwa 89 Prozent gaben an, dass sie sehr optimistisch oder eher optimistisch als pessimistisch sind, was die Zukunft der Ukraine anbelangt. [Shutterstock/Alexandros Michailidis]

Zweiundneunzig Prozent der Ukrainer sind laut jüngsten Umfragen für einen EU-Beitritt bis 2030. Im Dezember 2021, vor dem Einmarsch Russlands, befürworteten bei einem Referendum nur 67 Prozent einen sofortigen Beitritt.

Dies geht aus Daten des Kyjiwer Internationalen Instituts für Soziologie für das Nationale Demokratische Institut (NDI) hervor.

Der Trend wird durch eine aktuelle Umfrage von Rating bestätigt, die ergab, dass 87 Prozent der Ukrainer in einem Referendum für einen EU-Beitritt stimmen würden – der höchste jemals gemessene Wert.

Ein ähnlicher Trend lässt sich bei der öffentlichen Meinung zur NATO-Mitgliedschaft beobachten. Die NDI-Umfrage ergab, dass 86 Prozent der Befragten sich wünschen, dass die Ukraine bis 2030 Mitglied der NATO wird, während 59 Prozent eine sofortige Mitgliedschaft vor dem Krieg befürworteten.

Etwa 89 Prozent gaben an, dass sie sehr optimistisch oder eher optimistisch als pessimistisch sind, was die Zukunft der Ukraine anbelangt.

Mehr Ukrainer als im Mai vergangenen Jahres glauben nun zudem, dass der Krieg länger dauern wird. Damals glaubten 44 Prozent, dass der Krieg ein halbes Jahr später beendet sein würde. Heute glauben das nur noch 31 Prozent, während sich die Zahl derer, die glauben, dass es noch ein Jahr dauern wird, auf 15 Prozent verdoppelt hat.

Achtundsechzig Prozent berichten von Einkommenseinbußen seit dem Krieg, 64 Prozent von einer Verschlechterung der psychischen Gesundheit, 50 Prozent von einer Verschlechterung der körperlichen Gesundheit, 46 Prozent von der Trennung von der Familie, 37 Prozent vom Verlust von Freunden und Verwandten, 29 Prozent vom Verlust des Arbeitsplatzes und neun Prozent vom Verlust ihrer Hauses.

Die Hälfte gibt an, ständig oder häufig keinen Strom in ihrer Wohnung zu haben. Das Fehlen einer Internetverbindung ist für 26 Prozent ein häufiges Problem. Zwölf Prozent gaben an, Probleme mit der Wasserversorgung zu haben.

Präsident Wolodymyr Selenskyj bleibt für viele Ukrainer ein Held. Satte 88 Prozent sind der Meinung, dass er seit der Invasion gute bis sehr gute Arbeit geleistet hat.

Frieden im Austausch für die Abgabe der derzeit besetzten Gebiete ist dagegen höchst unpopulär. 88 Prozent sind der Meinung, dass dies eine völlig inakzeptable oder eher inakzeptable Position ist. 71 Prozent denken dasselbe über den Verzicht der Ukraine auf einen NATO-Beitritt. Für die EU liegt der Wert sogar bei 75 Prozent.

Nachdem man im Mai noch recht offen für Friedensverhandlungen mit Russland war, hat sich die Stimmung nun gedreht: Nur 29 Prozent würden diesen Schritt derzeit befürworten.