Neue EU-Energiestandards und Öko-Labels
Die Öko-Verwirrung steigt. Anstatt einer "A"-Kategorie für energiesparsame Hausgeräte wird es künftig auch A+, A++ und A+++ Geräte geben. Die Klima-Auflagen für neue Gebäude wurden dagegen klarer gefasst. Ab 2018 werden schrittweise strenge Energiesparvorgaben für Neubauten eingeführt.
Die Öko-Verwirrung steigt. Anstatt einer „A“-Kategorie für energiesparsame Hausgeräte wird es künftig auch A+, A++ und A+++ Geräte geben. Die Klima-Auflagen für neue Gebäude wurden dagegen klarer gefasst. Ab 2018 werden schrittweise strenge Energiesparvorgaben für Neubauten eingeführt.
Wer neue Privatgebäude baut, muss ab 2021 strenge Energiesparauflagen erfüllen. Auf diesen Kompromiss haben sich die EU-Institutionen (Rat, Kommission, Parlament) in der Nacht zum Mittwoch in den lange festgefahrenen Verhandlungen verständigt. Der öffentliche Sektor soll bereits ab Ende 2018 mit gutem Beipiel voran gehen. Gebäude der öffentlichen Hand, egal ob gekauft oder gemietet, sollen bereits ab Ende 2018 diese Standards erfüllen.
Diese "Fast-Null-Energie-Gebäude" sollen mit strengsten Bauauflagen zu Bautechnologie und Isolierung erreicht werden. Der restliche Energieverbrauch soll durch Sonnenenergie und Biomasse abgedeckt werden.
Grüne Revolution mit Abstrichen
"Das wird eine grüne Revolution entlang der ganzen Kette von den Architekten bis zu den Baufirmen auslösen und das für jeden Neubau, sei es ein Einfamilienhaus oder ein Einkaufszentrum", erklärte die Grünen-Abgeordnete Claude Turmes. "Es gibt nirgendwo auf der Welt solche Gebäudestandards."
Die Grünen ebenso wie die Umwelt-Stiftung World Wide Fund for Nature (WWF) kritisierten jedoch, dass es keine Einigung auf strikte Standards für die Renovierung des Altbaubestands gab. Dieser ist für 40 Prozent des Energieverbrauchs in der EU verantwortlich. Dagegen machten Neubauten über ein Jahr gesehen im Schnitt nur ein Prozent des Gebäudebestands aus, erklärte der WWF.
Strenge Auflagen sollen auch für Renovierungen gelten, bei denen mehr als ein Viertel des Gebäudewerts saniert wird. Für öffentliche Gebäude gelten die Vorschriften schon zwei Jahre früher. Auch soll es hier Anreize geben, den Bestand entsprechend zu sanieren.
Die europäischen Energieminister werden dem Kompromiss wohl beim nächsten Ministerratstreffen am 7. Dezember zustimmen. Deutschland wird vom zuständigen Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) vertreten. Im Januar wird dann das Europaparlament dem Kompromiss zustimmen. Anschließend haben die EU-Mitgliedstaaten zwei Jahre Zeit, die EU-Richtlinie in nationales Recht umzusetzen.
Nationale Strategie bis 2012 vorlegen
Das Gesetz werde den Verbrauchern helfen, energieeffiziente Gebäude zu kaufen oder zu mieten, sagte EU-Energiekommissar Andris Piebalgs. "Es gibt den Bürgern die Chance im Kampf gegen den Klimawandel mitzumachen und gleichzeitig Geld zu sparen." Öffentliche Gelder würden von der EU sowie von den Mitgliedstaaten bereitgestellt. Die Instrumente müssten noch ausformuliert werden.
Aufgrund der großen klimatischen Unterschiede in den 27 EU-Staaten – etwa in Nord- und Südeuropa – wird die konkrete Ausgestaltung der Richtlinie den Mitgliedstaaten überlassen. Sie müssen bis 2012 der EU-Kommission ihre jeweiligen Strategien vorlegen.
Für Gebäude ab einer Größe von 500 Quadratmetern soll der Mieter oder Käufer vom (Alt)-Eigentümer ein Zertifikat über die Energieeffizienz erhalten. Später soll die Obergrenze auf 250 Quadratmeter abgesenkt werden. Generell soll die neue Richtlinie nicht für Häuser gelten, die kleiner als 50 Quadratmeter sind, oder für Ferienhäuser, die weniger als vier Monate im Jahr bewohnt sind. Zu den Ausnahmen zählen auch Kirchen oder historische Gebäude.
Öko-Labels für Energieeffizienz
In den Verhandlungen zum geplanten "Öko-Label" für energieeffiziente Geräte haben sich die Unterhändler von Parlament, Kommission und Mitgliedstaaten gestern ebenfalls auf einen Kompromiss geeinigt. Demnach sollen Hausgeräte wie Fernseher, Waschmaschinen oder Kühlschränke auch künftig mit einer Skala von A bis G klassifiziert werden.
Die Kategorie "A" steht dann aber nicht mehr für hohe Energieeffizienz, sondern für eine mittelmäßige Energieeffizienz. Für besonders sparsame Produkte sollen dagegen die Klassen A+, A++ und A+++ eingeführt werden. Zuvor waren mehr Plus-Zeichen im Gespräch gewesen, wogegen besonders Grüne und Umweltschützer heftig protestiert hatten.
Die jetzt gefundene Einigung sei ein "kluger Kompromiss", sagte der Vorsitzende des Industrieausschusses im Europaparlament, der CDU- Europaabgeordnete Herbert Reul, am Dienstag in Brüssel.
Die Effizienz-Klassifizierungen sollen auch in die Werbung aufgenommen werden können. Nicht durchsetzen konnte sich das Europaparlament mit seiner Forderung, im öffentlichen Beschaffungswesen bestimmte Effizienz-Standards vorzuschreiben. Noch in diesem Jahr soll der Kompromiss im Ministerrat und im Europaparlament bestätigt werden.
mka/dpa
Dokumente
Parlament: Energy-saving buildings: agreement reached (18. November 2009)
Parlament: Energy efficiency label: MEPs and Council Presidency agree on classes for white goods (18. November 2009)